Sonntag, 26. Dezember 2010

Habibollah Latifi nicht hingerichtet

Nach einer Demonstration vor dem Gefängnis in der Stadt Sanandaj ist der Todesurteil vorerst gestopp worden. Ein Anwalt von Habib Latifi bestätigte diese Meldung.

Vergleichbare Artikel:
Julias Blog: Habibollah Latifi nicht hingerichtet
Julias Blog: Die Demonstration der Familie Latifi und ein verdächtiger Anruf
AFP: Iran halts execution of Kurdish student: lawyer

Samstag, 25. Dezember 2010

Eilaktion; Hinrichtung von Habib Latifi am 26. Dezember


Eilaktion von Amnesty International

GoPetition: We want freedom for habib latifi

Sign the Urgent Action

Weitere Adressen und Musterbriefe (Englisch)

Die Zeit ist knapp. Vielleicht haben wir noch 12 Stunden Zeit, vielleicht ein bisschen mehr. Wie müssen uns beeilen. Es geht um das Leben eines unschuldigen Menschen.

Habibollah Latifi ist Student an der Universität Eylam und kurdischer Aktivist. Er wurde im Oktober 2007 verhaftet und sitzt im Gefängnis von Sanandaj. Er beteiligte sich an einem Hungerstreik in Protest gegen die Hinrichtung von Ehsan Fatahian am 11. November 2009. (Quelle: United 4 Iran)

Vergleichbare Artikel:
Julias Blog: Revolutionsgericht setzt 26. Dezember für die Hinrichtung von Habibollah Latifi fest
RAHANA: We only have one day to save my brother’s life

Montag, 20. Dezember 2010

Energie- und Wasserpreise über Nacht vervielfacht

"Wir werden euch Wasser und Strom kostenlos zur Verfügung stellen" Ajatollah Chomeini, 1979

Nach den Subventionskürzungen im Iran haben sich die Kraftstoffpreise vervielfacht. So ist der Dieselpreis von 16,5 Toman pro Liter auf 350 (25 Eurocent) Toman gestiegen und damit um das 21-fache teurer geworden! Weiterhin ist der Benzinpreis von 100 auf 700 Toman, Gaspreis von 13 Toman auf 70 Toman pro Kubikmeter, Strom von 16,5 Toman auf 27 Toman bis 210 Toman pro Kilowattstunde und Wasser von 80 auf 283 Toman pro Kubikmeter gestiegen. Der Preis von Mehl ist sogar um das 40-fache erhöht worden, die Bäcker dürfen aber den Brotpreis nicht erhöhen!

"Vorteil für alle"

Am Samstag Abend hatte Ahmadinedjad in einem Fernsehenauftritt angekündigt, dass die Subventionskürzungen am Sonntag in Kraft treten würden. Er behauptete grinsend, dass 60 Prozent der Bevölkerung von diesen Kürzungen Vorteile haben würden, 20 Prozent mit Ersparnissen Vorteile haben würden und die restlichen 20 Prozent auch auf Dauer Vorteile haben würden. Subventionen sollen monatlich an Familen überwiesen werden, laut Mehr News 40.000 (29 Euro) pro Kopf. Unklar ist, ob jeder dieses Geld bekommt oder nur bestimmte Leute.

Neue Verhaftungswelle

Fraiborz Rais-Dana

Mehrere politische Aktivisten wurden am Tag des Inkrafttretens der Subventionskürzungen verhaftet. Unter den verhafteten Reformanhängern sind Hadi Heydari, Fatemeh Arabsorkhi, Mohammad Shafii und Alireza Taheri (mehr dazu auf Julias Blog). Außerdem wurde der Wirtschaftsexperte Fariborz Rais-Danav infolge eines Interviews mit dem persischsprachigem BBC-Fernsehen verhaftet (Video unten).



Rais-Dana sagte, dass sowohl Reformisten als auch Neo-Liberale die Subventionen kürzen wollten. Der links-orientierte Experte sagte, dass Ex-Präsident Khatami und Rafsanjani jeweils acht Jahre lang von diesem Plan träumten, aber mangels militärischer Unterstützung diesen Plan nie durchsetzen konnten. Er sagte, dass diese Kürzungen keine Vorteile für die Bevölkerung haben werden. "Morgen wird die Regierung drohen, ich werde dir die 40000 Toman nicht geben, wenn du nicht machst was ich sage. Wenn du nicht an den Wahlen teilnimmst kriegst du kein Geld mehr." In einem anderen Teil des Interviews sagte Rais-Dana, "die Regierung will bestimmte Gruppen und Organisationen unterstützen und Geld geben, die sich selbst gehören."

Rais-Dana vermutet, dass kurzfristig keine Reaktionen der Bevölkerung zu erwarten sind. Die Preise werden langsam aber drastisch erhöht.

Mögliche Folgen 

Als Folge der Erhöhung des Benzinpreises wird erwartet, dass der Preis der Waren ebenso nach oben steigt. Der Wirtschaftsexperte Dr. Alavi vermutet, dass die Kosten der Familien sich um 30 bis 40 Prozent erhöhen werden (Quelle: Deutsche Welle, pers.).

Es ist außerdem klar, dass die Inflation steigen wird. Diese Inflation ist aber keine Folge der Nachfrage, sondern eine Folge der Preiserhöhung der Kraftstoffe und wird wahrscheinlich Arbeitslosigkeit zur Folge haben. Viele Wirtschaftsexperten vermuten auch Unruhen als Folge der wirtschaftlichen Unzufriedenheit. Offensichtlich befürchtet auch die Regierung solche Unruhen. Hohe Polizeipräsenz wurde von verschiedenen Städten Irans berichtet [1].

Auf dem folgenden Video sieht man eine Warteschlange an einer Tankstelle am Samstag nachts, vor der Erhöhung der Benzinpreise, kurz nach dem Fernsehauftritt Ahmadinedjads. Auf dem Video sind die Sicherheitskräfte zu sehen. Zu hören ist Ajatollah Chomeinis Versprechen "Wir werden euch Wasser und Strom kostenlos zur Verfügung stellen, gibt euch mit dem [was ihr heute habt] nicht zufrieden."



Vergleichbare Artikel:

Julias Blog: Polizeipräsenz in Teheran zu Beginn der Subventionskürzungen

Tehran Bureua: Subsidy Cuts Begin, Basic Commodity Prices Skyrocket

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Links zum Studententag

Amir-Kabir-Universität, Teheran; 7. Dezember 2010

An mehreren Universitäten Irans versammelten sich heute iranische Studenten und protestierten gegen die aktuelle politische Lage. Homylafayette hat eine gute Videosammlung bereitgestellt. Deutschsprachige Berichte sind auf Julias Blog vorhanden. Zu ergänzen ist, dass in der Amir-Kabir-Universität etwa 20 Studenten verhaftet wurden. Sieben von ihnen wurden bis jetzt wieder freigelassen.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Studentenproteste beginnen ein Tag vor dem Studententag

Teheran Universität, 6 dezember 2010

Sicherheitskräfte waren vorbereitet. Seit Ende letzter Woche nahm ihrer Anzahl in der Nähe der Universitätetn zu. Ein paar Videos sind besipielsweise auf dem Blog Freedom of Expression vorhanden. Sie waren besorgt, dass die Proteste vorzeitig beginnen. Und so kam es auch.
Vom technischen Universtität von Tehren ist dieses Video zu sehen

Man hört auf diesem Video "Student stirbt, lässt sich aber nicht erniedriegen" und ein paar Studentenlieder wie "Yare Dabestani" (Grundschul-Freund).

In der Stadt Kermanshah war der Besuch des früheren Ministers für Kultur und islamische Beratung der Grund des Protests. Mit Klatschen und "Tod dem Diktator" verhinderten die Studenten ihm das Reden. Folgendes zeigt die Rede von Saffar-Harandi, der frühere Minister Ahmadinedjads, als er nach langer Zeit zum Reden kam. Er sagt unter anderem: "Auch wir sind gegen die Diktatur", "Tod der Diktatur ist ein schöner Slogan" und "diejenigen die mit den Gerüchten über die umstrittenen Wahlen Probleme haben, mit Reden kann man die Probleme lösen, den Saal zu verlassen ist keine Lösung". Saffar-Harandi aber redete nur vom Lösen der Probleme mit Worten. Einige Studenten verließen währenddessen den Saal. Zwei von den Studenten, die den Saal verließen wurden sofort verhaftet und zu einem noch unbekannten Ort gebracht. Vom Erschießen der Demosntarnetn der grünen Bewegung ganz abgesehen.


In Hamedan hat man anders Widerstand geleistet. Studenten hackten den Computer der Universität. Schauen Sie sich das Ergebnis selber an:


Erst morgen ist aber der Studententag. Wie immer vor den Protest-Tagen tankten die Grünen mit "Alla-o-Akbar"- und "Tod dem Diktator"-Schreien Energie für den nächsten Tag auf und zeigten einander Solidarität. Zwei Videos von den nächtlichen Protesten gibt es auf Julias Blog.

Montag, 6. Dezember 2010

Die Universität lebt

Die Universität lebt. Ein Studentenmotto, das die Studeneten mit ihrem eigenen Blut auf die Straßen und Universitätsgelände Irans schrieben, nachdem sie von Sicherheitskräften niedergeschlagen wurden. Ein Satz, der die Sicherheitskräfte zum Zittern brachte. Ein Satz, der vor allem an Bassijis und die Regierung gerichtet ist und der sagen will: ihr habt uns geschlagen, verhaftet und gefoltert. Ihr habt uns aber noch nicht zum Schweigen gebracht, und ihr werdet uns nicht dazu kriegen. Ihr habt versucht die Universität zu töten, aber ihr seid daran gescheitert.

Der 7. Dezember, 16 Azar, auch bekannt als Studententag, naht. Das ist übrigens der Tag, an dem letztes Jahr Majid Tavakoli seine historische Rede hielt und sich wagte Ajatollah Chamenei zu kritisieren. Auf diesen Tag bereiten sich die Studenten gerade vor. Die Aktivitäten der Studenten für die Proteste sind für viele höher als erwartet. An mehreren Universitäten von Teheran wie der Amir-Kabir- und Elm-o-Sanat-Universität sowie der Ghazvin-Universität sind Plakate und Einladungen für Proteste an diesem Tag verteilt worden, wie die folgenden Videos aus der Teheran-Universität und Allame-Universität zeigen:







Zudem sind die drei Untergrund-Zeitungen Kaleme, Etemad-e-Melli und Daneshjoo an vielen Universitäten landesweit verteilt worden. Außerdem veröffentlichen immer mehr Aktivisten von verschiedenen Universitäten Statements und rufen die Studenten ihrer und anderer Universitäten zu Protesten auf. Die Statements sind sehr unterschiedlich. Die Studenten der Amir-Kabir-Universität beispielsweise "laden die Studenten des ganzen Landes ein, an den Zeremonien (gemeint sind Proteste) des Studententags teilzunehmen, damit wir zusammen rufen 'Universität lebt'". Die Studenten der technischen Universität aus Babol benennt 16 Azar als Trauertag von Elm-o-Sanat und kündigt eine stille Versammlung mit schwarzen Symbolen im Märtyrer Asa-Park an. Manche Universitäten wollen den Ort ihrer Proteste nicht veröffentlichen. Sie werden zunächst geheim bleiben.

"Am 16 Azar werden wir deine Stimme sein"
Kianoosh Asa ist ein Todesopfer der grünen Bewegung.

Zu erwähnen ist, dass all diese Vorbereitungen trotz hoher Präsenz der Sicherheitskräfte an den Universitäten gelungen sind.

Montag, 22. November 2010

Genehmigung für Hitler-Anhänger

 Mohammad-Ali Ramin, 
mutmaßlicher Schreiber von Reden Ahmadinedjads,
in denen dieser den Holocaust als Mythos bezeichnete

Eine Webseite namens "Iranischer Verein für Forschung des Nazismus" (pers.: انجمن پژوهشی نازیسم ایران) ist nicht mehr gefiltert. Laut der Webseite selbst soll sie sogar vom Ministerium für Kultur und islamische Führung genehmigt worden und gemäß der Gesetzen der islamischen Republik tätig sein. Mehreren Webseiten zufolge wurde die Webseite früher von den iranischen Behörden gefiltert. Roozonline berichtet, dass die Seite von Ramin, Stellvertreter des Ministeriums für Kultur und islamische Führung, genemigt wurde.
Roozonline schreibt außerdem, dass Mohammad-Ali Ramin klare nazistische Tendenzen habe. Er sei während seines Studiums in Deutschland mit Neo-Nazis in Kontakt gewesen.

Als die Webseite Tabnak, die zu Mohsen Rezaei naheste Webseite, die Genehmigung kritisierte, erklärte das Ministerium Tabnak, dass es die Webseite nicht genehmigt habe. Es ist aber zu erwähnen, dass zur Zeit die Webseiten von früheren Staatsmännern wie die von Ex-Präsident Khatami oder die Webseiten der wichtigsten Kleriker im Iran wie Ajatollah Dastgheib und Ajtollah Sanei gefiltert sind. Die Erklärung des Ministeriums für Kultur und islamische Führung, das einen sehr schlechten Ruf hat, ist also nicht glaubwürdig.

Nazi-Propaganda statt Forschung

Der Verein für Forschung des Nazismus forscht nicht über Nazismus. Er propagiert Faschismus und Antisemitismus. Laut Roozonline hat die Webseite der Hitler-Anhänger 300 Mitglieder. Der Verein verbreitet antisemitische Propaganda, bezeichnte den Holocaust als Lüge, die von Hollywood und zionistischen Medien in den letzten Jahrzehnten verbreitet wurden. In einem Statement erklären die Mitglieder, dass sie Soldaten des Nazismus seien. Außerdem müssen alle Verantwortlichen jeden 20. Tag von allen ihrer Aktivitäten ein Bericht abliefern. Tut jemand seine Pflichten mit voller Kraft nicht, werde er interpelliert, heißt es im Statement.

Dienstag, 16. November 2010

Deutsche Journalisten "gestehen" im staatlichen Fernsehen

Gestern (Montag Nacht) fand erneut ein Schauprozess im iranischen Fernsehen statt. Dieses Mal waren auch zwei Deutsche in der Sendung Zwanzig-Dreißig zu sehen.

Hintergrund

Die zwei deutschen Journalisten waren mit Touristenvisa in den Iran gereist, um den Sohn von Frau Ashtiani zu interviewen. Frau Ashtiani wurde zuvor wegen Ehebruchs zur Steinigung verurteilt, wegen internationalen Druckes lebt sie aber noch. Wer sich mehr über den Fall informieren will, dem empfehle ich diesen Artikel der Frankfurter Rundschau zu lesen.

In der Sendung sagt Frau Ashtianis Sohn, dass er auf den Ratschlag von Frau Mina Ahadi, Menschenrechtsaktivistin, hin Herr Mostafaei als Anwalt für seine Mutter beauftragte. "Mostafaeis Arbeit war nicht erfolgreich, sondern eher negativ". Die Stimme der deutschen Journalisten hört man nicht. Zu hören ist nur die scheinbar übersetzte Stimme eines Sprechers. "Ich hatte keine Informationen über den Fall, aber Frau Ahadi wusste Bescheid und hat mich in den Iran geschickt, da meine Festnahme ihr zu Bekanntheit verhelfen sollte" [1] und "Ich gebe zu, dass ich einen Fehler gemacht habe, da ich keine Informationen über den Fall hatte und von Frau Ahadi ausgenutzt wurde." [2] Frau Ahadi kennt natürlich die Sendung Zwanzig-Dreißig. Sie weiß, dass solche Geständnisse unter Druck entstehen, deshalb verteidigt sie die Journalisten. 


 "Zuschauer" von Mana Neyestani

Spätestens durch den Fall von Frau Ashtiani haben wir gelernt, dass wir das Leben der Menschen retten können, dass es sich lohnt, Staaten wie den Iran wegen Menschenrechtsverletzungen auf zivilem Wege unter Druck zu setzen, indem man solche Fälle publik macht. Auch aus diesem Grunde sind die beiden deutschen Journalisten in den Iran gereist und haben ihr Leben riskiert. Doch liest man hin und wieder merkwürdige Kommentare wie "Was haben die Deutschen in Iran verloren", die sagen wollen, es gehe "uns Deutschen" doch nichts an. Sie vergessen, dass es sich um Menschenrechte und Menschenleben handelt und nicht um die Wirtschaftspolitik eines Landes. Und das geht alle Menschen an, die Respekt vor der Menschenwürde haben. Wie sagte Saadi so schön:

Human beings are members of a whole
In creation of one essence and soul
If one member is afflicted with pain
Other members uneasy will remain.


Fußnote:

1), 2) Übersetzung übernommen aus Taz

Vergleichbare Artikel:
taz: Iran führt Deutsche im Fernsehen vor
Die Zeit: Iran führt inhaftierte Deutsche im Fernsehen vor

Samstag, 13. November 2010

Die Anwältin im Hungerstreik


Nasrin Sotoudeh ist im Gefängnis, weil sie (unter anderem) ihren Job gemacht hat: sie ist Anwältin. Ihre Mandanten sind auch wie sie keine Kriminelle. Frau Sotoudeh verteidigt hauptsächlich Menschenrechtler, politisch-gesellschaftliche Aktivisten und Aktivisten der iranischen Frauenbewegung.
Die Prominentesten darunter sind:

Shirin Ebadi, die Friedensnobelpreisträgerin, Heshmatollah Tabarzadi, unter anderem Journalist, Mitglied der Studentenorganisatiom Tahkim-e-Vahdat und Vorsitzender der demokratische Bewegung Irans [1] und Parvin Ardalan, Journalistin und Aktivistin der Frauenbewegung.

Nasrin Sotoudeh ist selbst auch eine Aktivistin der Frauenbewegung. Sie ist Mitglied der Kampagne One Million Signatures oder Change for Equality. Eine Kampagne, die sich für Gleichberechtigung einsetzt.

Vor ihrer Verhaftung wurde ihr öfter angedroht, verhaftet zu werden, falls sie nicht aufhören sollte, S. Ebadi im Streit mit der Justiz zu verteidigen und zu repräsentieren. Am 5. September wurde sie verhaftet. Am fünften Oktober ging Nasrin Sotoudeh in einen Hungerstreik, den sie auf Wunsch zahlreicher Freunde und Aktivisten am 26. Oktober beendete. Sechs Tage später aber begann sie einen trockenen Hungerstreik. Seit dem 10. November nimmt sie wieder Wasser zu sich. Über ihren Hungerstreik können Sie auf Julias Blog mehr lesen (s. vergleichbare Artikel).

Am Rande

Es kann darüber diskutiert werden, ob Frau Ebadis Leipziger Protestrede, die für viel Diskussion sorgte, eher aus Überzeugung gehalten wurde, oder ob sie an einer solchen Veranstaltung lieber nicht teilgenommen hätte, um den Machthabern im Iran keine Ausrede zu geben, den Druck auf Aktivisten wie Nasrin Sotoudeh ihretwegen zu erhöhen. Ich weiß die Antwort nicht, denke aber, dass man im deutschsprachigen Raum diesen zweiten Aspekt oft vergisst.

Fußnote

1) Über Heshmatollah Tabrzadi werde ich in naher Zukunft mehr schreiben.

Vergleichbare Artikel
Julias Blog: Inhaftierte Anwältin Nasrin Sotoudeh im trockenen Hungerstreik
Menschenrechtsgruppen wünschen sich Unterstützung der UN-Menschenrechtskommission für inhaftierte iranische Anwältin
Nasrin Sotoudeh nimmt wieder Wasser zu sich, setzt ihren Hungerstreik im Evin-Gefängnis aber fort
Tehran Bureau: Iran's Most Dangerous Jobs
گوشه هایی از زندگی نسرین ستوده

Montag, 8. November 2010

Student aus Gefängnis: "Ich bin ein Mohareb (Gottbekämpfer)"

Majid Dorri ist ein Student, dessen Recht auf ein Studium ihm wegen seiner politischen Aktivitäten entzogen wurde. Er wurde kürzlich vom Evin-Gefängnis ins Behbehan-Gefängnis versetzt. Behbehan liegt 1000 Kilometer südlich von Teheran. Aus diesem Gefängnis hat er einen Brief geschrieben, den ich teilweise übersetzt habe:

Im Namen der Freiheit; als ich sie sprach, entzogen sie mir das Recht auf ein Studium; als ich sie rief, brachten sie mich ins Gefängnis und als ich in ihrem Namen sang, schickten sie mich ins Exil.

Im Namen der Freiheit; die Freiheit, die, wenn ein Hals ihren Geschmack einmal schmeckt, Gefängnis, Exil, Todesstrafe und Kette für ihn wirkungslos werden lässt.

Ich grüße die Freiheit! Ich grüße das unschuldige Blut, das in ihrer Verfolgung vergossen wurde, ich grüße das Leben, das auf ihrem Weg gelöscht wurde.

Kürzlich, das heißt am Samstag Morgen, wurde ich vom Evin-Gefängnis ins Behbehan-Gefängnis gebracht. Ich wurde mit Moharebeh angeklagt [Gottesbekämpfung; Krieg gegen Gott] und in einem Nicht-Gericht [damit bezeichnet man Gerichte, die den Namen eines Gerichts nicht verdienen, pers.: بی دادگاه] hat der Richter Pirghazi, ein Name der weder mir noch meinen Anwalt eine Verteidigung erlaubte, mich verurteilt.

Dieses Urteil jagt jedem Menschen Angst ein! Ich wurde Mohareb [Jemand der Gott bekämpft], weil ich nicht wie ein Tier leben wollte und konnte. Wenn das Verteidigen des Rechts auf ein Studium, das das unbestreitbare Recht jedes einzelnen Gottesbekämpfers ist, bin ich ein Mohareb! Wenn politischen Gefangenen zu helfen und ihren Familien Sympathie und Mitgefühl zu zeigen Gottesbekämpfung ist, bin ich ein Mohareb und wenn das Sammeln der Liste der Todesopfer und Verhafteten und das Besorgen eines Anwalt für diejenigen, bei denen unklar ist, von wem, warum, wann und wo sie verhaftet wurden, Moharebeh ist, bin ich ein Mohareb! Ich bin ein Mohareb, ja! Ich bin ein Mohareb und in jedem Ort und in jeder Zeit bin ich stolz ein Mohareb zu sein. Ist denn dieser Krieg nicht viel ehrenvoller als Hundert Frieden!?

[...]

Mit der Hoffnung, dass einmal mit Mühe und Leiden, du und ich, wir werden ...,

Mit Hoffnung an diesem Tag ... ,

Majid Dorri,
10. November.

Quelle: Kaleme http://www.kaleme.com/1389/08/11/klm-37072

Dienstag, 2. November 2010

Studentenprotest gegen die Auflösung ihrer Universität (mit Video)

Studenten der Medizinischen Universität Irans protestierten heute, am 2. November, gegen die illegale Auflösung ihrer Universität. Die Auflösung ist illegal, weil nur der Oberste Rat der Kulturrevolution eine Universität auflösen kann. Dieser Rat ist aber über eine Auflösung nicht unterrichtet worden. Die Nachricht der Auflösung der Universität stand nur auf der Webseite des Gesundheitministeriums. Auch die zuständigen Abgeordneten des Parlaments wurden über die Auflösung nicht informiert.




Die halbstaatliche Nachrichtenagentur Farsnews berichtete später, dass die Medizinische Universität Shahid Beheshti ebenfalls aufgelöst werden soll.

Es werden weitere Proteste der Studenten erwartet, am Donnerstag, den 13 Aban, der als ein  Studententag im Iran gilt.

Montag, 25. Oktober 2010

Undergroundzeitungen

Untergrundzeitung Kaleme in einer Bank

Im Iran haben viele Familien Internet und Satellitenschüssel. Dass sie über aktuelle Nachrichten informiert sind, ist klar. Was ist aber mit denjenigen, die diese Möglichkeiten nicht zur Verfügung bereit haben? Die Aktivisten der grünen Bewegung haben bereits nach der Entstehung der grünen Bewegung angefangen, durch Verteilen von Flyer, Zeitungen und CDs dafür zu sorgen, dass auch
diejenigen die kein Internet zu Hause haben,  über die aktuellen Ereignissen informiert werden. Die Frage ist, in welchem Umfang sie verbreitet werden. Das Foto oben finde ich in diesem Zusammenhang doch beeindruckend.

Ich persönlich weiß von zwei solchen Zeitungen die momentan auf DINA4-Format im Internet zur Verfügung stehen. Die eine ist Kaleme, von der Mousavi-nahen Webseite Kaleme. Die andere ist eine Studentenzeitung von der Studenten-Webseite daneshjoonews. Beide werden seit ungefähr einem Monat publiziert.
 

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Fotos aus dem Iran (#13)

Hier sieht man zwei Fotos von einem Polizei-Manöver, genannt Stärke--Manöver (مانور اقتدار), in Teheran:




Das erste Foto erinnert mich an das Video von dem Polizeiauto, das einen Demonstranten überfuhr. Man bekommt den Eindruck, dass die Polizei zur Schau stellen will, wie sie trainiert, die Demonstranten zu überfahren. Das zweite Foto bedarf keinen Kommentar, denke ich.

Auf dem gleichen Manöver gab es auch "imaginäre Demonstranten":


Imaginäre Demonstranten tragen grüne Symbole. Männer in Frauenkleidung - übrigens ein Straftat in der islamischen Republik - verspotten Mädchen und Frauen, die in der Frontlinie der grünen Bewegung stehen.

Auf dem mittleren Foto trägt eine "Frau" ein grünes Tuch, auf dem zwei Wörter stehen: "Wahlstimme" und "Freiheit". Soll man deswegen sie niederschlagen oder auf sie schießen? Oder wegen der Blumen die die Demonstrant(in) den Polizisten im untersten Foto schenken will?

Ein Blogger hat das Spiel umgedreht, mit dem Vorwort "Es ist jedem selbst überlassen, wie er sich kleidet und man sollte niemanden dafür verspotten. Aber machen wir einen sehr einfachen Vergleich". Und "Aus der Sichtweise der Regierung sind sie schlechte Frauen, die wegen ihrer offenen Kleidung bestraft werden sollen"

Wir übernehmen den Vergleich und schauen uns die Fotos von oben noch einmal an.

Hier sieht man ein paar ungestellte Fotos von den mutigen Frauen aus den Protesten der grünen Bewegung an:



Und nochmal dieses Foto:


"Aus der Sicht der Regierung, sind die folgenden Frauen die guten (anständigen) Frauen, weil sie das Foto eines Engels in der Hand halten."


Anmerkung
Alle Fotos, bis auf die Fotos der Demonstranten der grünen Bewegung stammen aus der offiziellen Webseiten der Islamischen Republik.

Vergleichbare Artikel
Fotos aus dem Iran (#11)
Ali Schirasi: Iranische Regierung bereitet sich auf bevorstehende Unruhen vor

Mehr Fotos von den offiziellen Webseiten der islamischen Republik:
http://mehrnews.com/fa/NewsDetail.aspx?NewsID=1163874
http://www.farsnews.com/imgrep.php?nn=8907111514

Montag, 11. Oktober 2010

Bloggen gegen die Todesstrafe; Julias Blog

Iranische Blogger protestieren anlässlich des achten Welttages gegen die Todesstrafe am 10. Oktober mit einem „Blogger-Spiel“ gegen Todesstrafe und Hinrichtungen in der Islamischen Republik Iran. Zum Artikel

Sonntag, 10. Oktober 2010

Ahmadinedjad, nicht willkommen in Libanon

"Das Prinzip der Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten ist nicht willkommen in Libanon" 
(Quelle: Associated Press )
Ahmadinedjad wird demnächst nach Libanon reisen. Wahrscheinlich denken viele Menschen, dass Ahmadinedjad in Libanon ziemlich beliebt ist. Die Protest-Videos und -Fotos aus dem Iran haben aber bestimmt auch in der arabischen Welt das Image der iranischen Regierung ruiniert.

Das Plakat ist aus der Stadt Tripoli, einer Hochburg des islamischen Fanatismus.

Samstag, 2. Oktober 2010

Ebrahim Yazdi, zweiter Außenminister der Islamischen Republik, verhaftet


Ebrahin Yazdi, Generalsekretär der Organistaion Nehzat-e-Azadi (Freiheitsbewegung) und mehrere andere Mitglieder der Organisation wurden am Freitag auf dem Weg zur Beerdigung eines verstorbenen Mitglieds in Isfahan verhaftet. Ebrahim Yazdi war der zweite Außenminister Irans nach der Islamischen Revolution, der als Protest gegen die Geiselnahme der US-Botschaft zurück trat.

Nehzat-e-Azadi gehört zu den sogenannten national-religiösen (melli-mazhabi) Parteien.



Seit den verfälschten Wahlen im Juni 2009 wurde Yazdi zweimal verhaftet. Er ist 79 Jahre alt. Das erste mal musste er nach fünf Tagen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zuvor wurde er wegen Prostatakrebs operiert.

Vergleichbare Artiekl
Mousavis großer Wandel?
Julias Blog: Generalsekretär Dr. Ebrahim Yazdi, zwei Mitglieder der Freiheitsbewegung verhaftet

Freitag, 1. Oktober 2010

Das Leben geht weiter im Iran

 Foto-Quelle: lifegoesonintehran.com

Wir schreiben und lesen über den Iran: Demonstrationen, Menschenrechtsverletzungen und Folter, Studenten in Gefängnissen, Unterdrückung der Bevölkerung und Hinrichtungen. Vielleicht vergessen wir auch manchmal zu schreiben, dass das Leben trotzdem weiter geht im Iran. In letzter Zeit wird häufiger über einen möglichen Krieg gesprochen. Ein Krieg wurde das Leben vieler Menschen auslöschen. Das Leben würde nicht weiter gehen im Iran. Auch deshalb bin ich gegen einen Krieg.

In der Hoffnung , dass wir einen Iran-Krieg verhindern, schlage ich anderen Bloggern, die diesen Artikel lesen, vor, auch einen Artikel gegen einen möglichen Krieg zu schreiben.

Fußnote
Dieser Artikel ist auch eine Einleitung zu den endlich verlinkten anderen deutsch- und englischsprachigen Blogs.

Vergleichbare Artikel
Gegen Krieg, für Alternativen

Dienstag, 21. September 2010

Fidel Castro, Antisemitismus und Ahmadinedjad

Fidel Castro riet kürzlich Ahmadinedjad in einem Interview mit The Atlantic, den Holocaust nicht zu leugnen und die Einmaligkeit der Geschichte des Antisemitismus anzuerkennen.

NBC wollte wissen, was Ahmadinedjad zu diesem Interview sagt. Schauen Sie sich Ahmadinedjads Reaktion selbst an:



Der Ausschnitt:


Das Interview:

Montag, 20. September 2010

Nach kritischem Brief an Rafsanjani: Karroubi im Kreuzfeuer der Hardliner; Julias Blog

[...]

In einem Brief an den Vorsitzenden der Expertenversammlung, die letzte Woche zu einer Sitzung zusammengetreten war, hatte Mehdi Karroubi das Versagen des Gremiums bei der Beaufsichtigung des obersten Führers kritisiert. Karroubi zufolge hat dieser Umstand zum Verlust der Unabhängigkeit der Justiz, zu großangelegten Einmischungen des Militärs in die wirtschaftlichen und politischen Belange des Landes und zum eklatanten Missbrauch der Rechte der Öffentlichkeit durch die direkt der Aufsicht des obersten Führers unterstellten Institutionen geführt.

[...]

Zum Artikel

Video: Allah-o-Akbar-Schreie zur Unterstützung von Mousavi und Karroubi




Vergleichbare Artikel:
Schlagzeilen der Woche
Julias Blog: Aufruf der Grünen Bewegung: Allah-o Akbar für die Sicherheit der Oppositionsführer
Mehr Videos auf Julias Blog: „Allah-o Akbar“ am 20. September 2010

Schlagzeilen der Woche

Mousavi und Karroubi im Hausarrest?

Mousavi und Karroubi werden seit etwa zwei Wochen von Besuchern abgeschirmt. Ein Teil der Besucher wurden auch verhaftet. Mousavi verweigerte sich am Anfang über das Sicherheitsaufgebot um seinen Büro zu berichten, damit seine Anhänger sich wegen ihm nicht gefährden würden.



Mousavis Büro wurde am 15. September, nachts, von Sicherheitsbehörden durchsucht, seine Dokumente, Bücher und Computer wurden beschlagnahmt.

Vergleichbare Artikel:
Julias Blog: Auch Oppositionsführer Karroubi wird von Besuchern abgeschirmt, Irans Behörden erhöhen Druck auf Oppositionsführer Moussavi

Ajatollah Dastgheib boykottierte die jährliche Sitzung des Expertenrats

Der regimekritische Kleriker aus Shiraz wird seit Wochen unter Druck gesetzt. Am 3. September war Ghoba-Moschee der Schaulplatz schwerer Zusammenstöße. Dabei wurden mehrere Studenten des Ajatollahs verletzt.

Als Ajatollah Dastgheib letztes Jahr eine Rede bei der Versammlung halten wollte, wurde ihm bei der Anmeldung immer gesagt, er solle sich am nächsten Tag anmelden. Die diesjährige Versammlung boykottierte er aus Protest.

Der Expertenrat hat die Aufgabe den Revolutionsführer zu kontrollieren und eventuell sogar zu entmächtigen, falls dieser sein Amt missbraucht.

Ein weiterer iranischer Diplomat schliesst sich der Grünen Bewegung an

mehr auf Julias Blog

Donnerstag, 2. September 2010

Fotos aus dem Iran (#12)

 Teheran: Polizeieinsatz ein Tag vor dem Ghods-Tag (neu: Iran-Tag)



Update zu Karroubi

Karroubi fordert die Menschen in einer Botschaft auf, die Nähe zu seinem Haus heute Nacht zu vermeiden. Er sagte: "Sie sollen ihre Gesundheit und ihr Leben nicht gefährden".

Quelle: http://www.sahamnews.org/?p=7215

Vergleichbare Artikel
Fatemeh Karroubi stellt Irans obersten Führer zur Rede

Neue Attacke auf Karroubis Haus vor dem Ghods-Tag



Seit fünf Tagen wird Karroubis Haus angegriffen. Trotzdem ist die fünfte Nacht anders als die Nächte zuvor: Es wurde vor dem Haus geschossen, die Fenster wurden zerbrochen und Tränengas wurde ins Haus geworfen! Karroubis Frau sagte BBC-Persisch heute, dass die Regierung ihre Familie umbringen möchte.

Wie Karroubis naheste Seite, Sahamnews, berichtete, hat die Polizei zuerst die Aktion nur angeschaut, später aber den Ort verlassen. Es kam zu Schüssen zwischen Karroubis Sicherheitskräften und Bassijis. Dabei wurde der Leiter von Karroubis Sicherheitskräften verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Um (22:20 MEZ) meldete Sahamnews, dass spezielle Sicherheitskräfte vor Ort kamen und die Bassijis den Ort verlassen haben und sich um diese Uhrzeit in den Gassen in der Umgebung vom Karroubis Haus aufhalten. Auf Facebook schreiben manche Aktivisten, dass sie vorhaben, zu Karroubis Haus zu gehen um ihn zu unterstützen.

Es ist zu erwähnen, dass morgen, Freitag, Ghods-Tag ist. Seit diesem Jahr nennen viele Anhänger diesen Tag Iran-Tag. Karroubi kündigte seit Tagen an, am diesjährigen Ghods-Tag teilzunehmen.

Auf diesem Video sieht man den Zustand von Karroubis Haus nach der Attacke. Zu hören ist, dass Karroubi, Mousavi und Ex-Präsident Khatami beschimpft werden.



Fußnote:
Die Videos vom morgigen Iran-Tag (früher Ghods-Tag) werden zuerst auf meiner Twitter-Seite verlinkt.

Samstag, 28. August 2010

Rooz Online im Gespräch mit Komeleh-Führer; Julias Blog

Vielleicht liegt es an der intensiven Propaganda der Islamischen Republik oder daran, dass die Medien lange Zeit nicht so fortgeschritten waren wie sie es heute sind, dass die kurdische Komeleh-Partei jahrelang ein Synonym für bewaffnete Gewalt und Terrorismus in den Bergen und Städten des iranischen Kurdistan war, die zum Ziel hatte, Kurdistan von Iran abzuspalten.


[...]

Rooz: Die Komeleh und die grüne Bewegung – ist das nicht seltsam?

Abdollah Mohtadi: Nein, ich finde das nicht seltsam. Ich halte die grüne Bewegung für eine rechtmäßige und demokratische Bewegung, und wir unterstützen solche Bewegungen.

[...]

Rooz: Glauben Sie, dass Herr Moussavi es akzeptieren würde, wenn er zu dem Schluss käme, dass Gesamtheit der grünen Bewegung die velayat-e faghih abschaffen will?

Mohtadi: Um ehrlich zu sein, kenne ich ihn nicht persönlich. Ich weiß es nicht.

Rooz: Was glauben Sie?

Mohtadi: Bis jetzt hat Herr Moussavi relativ flexibel auf die demokratischen und populären Forderungen der grünen Bewegung reagiert. Hätte er diese Flexibilität nicht, wäre es zu tiefen Spaltungen in der Bewegung und zu großen Zerwürfnissen gekommen. Seine Flexibilität, mit der er neue Horizonte der Bewegung angenommen hat, hat sehr viel dazu beigetragen, Spaltungen innerhalb der Demokratiebewegung zu verhindern.

Ein langes, aber sehr interessantes Interview.
Auf Julias Blog weiter lesen. Sehr empfehlenswert.

Samstag, 21. August 2010

Verschleierte Mona Lisa!


Als ich zum ersten Mal die verschleierte Version von Mona Lisa sah, dachte ich, es wäre ein Scherz von Aktivisten und Regimegegnern. Trotzdem mochte ich das Bild nicht, es war mir einfach zu harsch. Doch ich irrte mich: das Bild existiert wirklich und war in einer Koranausstellung (!) zu sehen, wie diese Bild zeigt:



Was dieses Bild in einer Kornausstellung  zu suchen hat? Unten auf dem Bild steht ein Vers aus dem Koran: "Die Menschen werden in Gruppen zum Islam konvertieren" (Übersetzt aus der persischen Übersetzung von BBC).

Wahrscheinlich würde man eher solche Bilder erwarten:


Ausgestellt wurde die verschleierte Mona Lisa wahrscheinlich von Faschisten, die den Menschen einen Lebensstil vorgeben wollen, um den Leuten zu zeigen, wie man Kunst islamisieren kann, ohne selbst die geringste Ahnung von Kunst und ihrer Bedeutung zu haben. Ob die bekannte Silbertechnik benutzt wurde, mag ich zu bezweifeln.

Vergleichbare Artikel:
Fotos aus dem Iran (#9)

Ali Karimi, Ramadan und Iran

Ali Karimi unterstützte mit grünen Armbändern die grüne Bewegung in einem Nationalspiel

Nein, es geht nicht um Fußball, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Besser gesagt, nicht nur. Der iranische Fußballstar und Ex-Bayern-Profi Ali Karimi wurde von seiner Mannschaft, Estil Azarin, ausgeschlossen, weil er während des Ramadan nicht gefastet hat. Das ist der offizielle Grund. Schauen wir aber dazu erst einmal ein paar Zitate an:
(Folgende Zitate wurden aus einem Artikel von BBC-Persisch übersetzt)

Ajorlu, Generaldirektor der Manschaft: "Ich bin ein Verteidiger der Revolution. Ich bin nicht für Fußball gekommen. Ich bin gekommen um die Werte der Revolution und meiner Religion zu bewahren."

Madanchi, Spieler von Estil Azin und der iranischer Nationalmannschaft: "am Tag, als wir gegen Esteghlal gespielt haben, waren alle Spieler im Restaurant. 95% der Spieler fasten nicht." Gholami, Stürmer der Manschaft bestätigte dies. Es ist zu erwähnen, dass Restaurants für Reisende offen sein dürfen, da gläubige Moslems auf einer Reise nicht fasten dürfen. 

Mahdavikia, Ex-HSV-Profi, spielt in der gleichen Mannschaft. Er und andere Spieler unterstützen Karimi auch. Für den ausländischen Trainer der Mannschaft ist "alles neu".

Karimi-Fans denken, dass der Grund seines Rauswurfs ein Interview sei, in dem Karimi die Chefetage der Mannschaft heftig kritisierte.

Karimi genießt aber vor allem die Unterstützung der Bevölkerung. Auf Facebook erreichte die Seite, die zur Unterstützung Karimis gegründet wurde, bis heute 36,000 Fans. Karimi ist heute das Thema Nummer eins im Iran, könnte man meinen. Das zeigt, wie die Leute im Iran versuchen, Alles zu benutzen, um der Regierung im Iran "Nein" zu sagen.

Hier ein Video von seinen Dribblings gegen As Rom.

Sonntag, 15. August 2010

Peinlicher Ausrutscher des iranischen Fernsehens

Ein Ausschnitt von Kanal 1 des staatlichen Fernsehens Irans: schauen Sie sich die fünfzigste bis sechzigste Sekunde genau an.



Ahmadinedjad schaut sich selbst bei seiner Rede zu! Die Islamische Republik vollbringt ein weiteres Wunder.

Fußnote

Ab und zu schaue ich die Leserkommentare zu den Iran-Artikeln auf deutschen Webseiten an, um einen Eindruck zu gewinnen, was sie interessiert, und wie sie über den Iran denken. Es wundert mich immer wieder, dass manche Leser, wenn auch wenige, lieber Irans Propaganda Glauben schenken als den unabhängigen westlichen Medien.

Irans Harald Schmidt


(Um die Szene in der fünften Minute zu verstehen, lesen Sie diesen Artikel der Zeit: Wie viel Rückhalt hat Ahmadineschad?)

Seit zwei Wochen hatte ich vor, einen Artikel über eine der beliebtesten persischen Sendungen zu schreiben: Parazit. Zum Glück kam ich erst heute dazu: Tehran Bureau veröffentlichte nämlich am 13. August einen Artikel über die Sendung und zusätzlich untertitelten sie das obige Video.

Erfolgreichste persische Sendung?

Parazit ist wahrscheinlich die erfolgreichste persische Sendung. Auf Facebook hat ihre Seite mit Abstand die größte Anzahl von Fans unter den persischen Sendungen, aktuell sind es 70,000. Sie wird jeden Freitag von Voice of America, kurz VoA, ausgestrahlt. Parazit bedeutet neben Parasit auch "Störsender". Wenn die Sendung ausgestrahlt wird, versucht der iranische Staat mittels Störsender Parazit wirkungslos zu machen. Es gibt aber Wege, diese Störsignale zu umgehen. Wie, steht auf meinem persischen Blog.

Erfolgsrezept

Als Parazit zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, fand ich die Sendung nicht so gut. Ihr fehlte der nötige Biss für eine politische Satire. Sie wurde aber Woche für Woche besser und direkter. Der Moderator hat beispielsweise angefangen, vorsichtig über Mousavis Vergangenheit ironisch zu reden, als sie seine eher modernen Statements besprachen. Außerdem hat kaum eine persische Sendung so unterschiedliche Gäste:

Der Moderator, Kambiz Hosseini, lud Omid Habibinia ein, ein Gegner der grünen und Befürworter der roten Bewegung. Er fragte ihn, ob er nichts besseres zu tun hätte, als sich dauernd mit anderen Journalisten wie zum Beispiel mit dem Satiriker Ebrahim Nabavi anzulegen, der eine Woche zuvor ebenfalls bei ihm zu Gast in der Sendung war. Er lud einen Aktivisten der Homosexuellen ein und fragte ihn, wann und warum er sich für das gleiche Geschlecht entschied.

Der Hauptteil der Sendung besteht aus Videoausschnitten von Reden oder Dialogen amtierender iranischer Politiker oder Freitagsprediger. Ein Beispiel:

In der letzten Sendung zeigten sie einen Mann, der erzählte, dass Kaugummi 2-3-jährige Kinder alkoholsüchtig mache! Es wird besser: "Das Kind [das Kaugummi aß] geht mit sieben in die Schule und muss Brille tragen" Zusammenhang? Vielleicht jetzt: "Irgendwann im Alter von 16, 17 oder 18 bietet ihm jemand Alkohol an. Er wird das Angebot sehr gerne annehmen." Ah ... jetzt.

Vergleichbare Artikel
Peinlich für das Fernsehen?

Ramadan im Iran

1) Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, ob ein nicht-religiöser Iraner im Iran gezwungen wird, während des Ramadans zu fasten. Tatsächlich darf man auf "öffentlichen Plätzen" nicht Essen, Trinken oder Rauchen. Trotzdem halten sich viele nicht daran.

2) Dieses Jahr boykottieren iranische Fernseh- und Radiosender das Lied Rabbana (Unser Gott) von Shajarian. Ein Lied, das im Iran immer während des Ramadans in Funk und Fernsehen ausgestrahlt wurde. Eigentlich verbot Shajarian die Aussendung seiner Stimme dem iranischen Fernsehen, später aber machte er das Lied Rabbana während des Ramadans zur Ausnahme.

Freitag, 13. August 2010

Protestaktion: Stimmen für Sakineh Aschtiani; Frankfurter Rundschau

"Der große Fernseh-Kollege Hanns-Joachim Friedrichs hat gesagt: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“ Haben wir diesen Satz vergessen? Nein, [...] Hier geht es nicht um diese oder jene politische Einstellung, hier geht es um die Grundlagen der Humanität"


Zum Artikel
Online Unterzeichnen

Dienstag, 10. August 2010

Fünfzehn Gefangene beenden Hungerstreik

Während ich den folgenden Artikel über die Hungerstreiks schrieb, erfuhr ich, dass 15 von 16 politischen Gefangenen mit dem Hungerstreik aufhörten.

Keyvan Samimi beendet aber seinen Hungerstreik erst dann, wenn die anderen 15 zur allgemeinen Abteilung verlegt werden.

Diese Nachricht wurde aber noch nicht von ihren Familie bestätigt. Weitere Details werden später veröffentlicht.

Folgendes schrieb ich, bevor ich über das Ende der Streiks benachrichtigt wurde:



Ich habe es nach hinten verschoben und nach hinten verschoben. Und weiter nach hinten verschoben. Ehrlich gesagt fiel es mir am Anfang schwer über den Hungerstreik von 17 politischen Gefangenen zu schreiben. Ich wollte aber auch lieber abwarten, bis alles ein bisschen klarer wird. Es war alles unklar, und während ich diesen verfluchten Artikel schreibe, ist immer noch alles unklar. Ich weiß nicht einmal, ob die Protagonisten dieses Artikels noch am Leben sind. Das wissen nicht einmal ihre eigenen Familien.

Ein Gegner des Hungerstreiks im trockenen Hungerstreik

Ein politischer Gefangener, eine Geisel geht normalerweise erst dann in Hungerstreik, wenn er denkt, dass er keine andere Möglichkeit zum Protestieren hat. Er setzt sein eigenes Leben aufs Spiel um Zeichen zu setzen. Das ist meistens sein letztes Mittel um die Regierung und seine Verhörer herauszufordern. Sein letztes Mittel zu zeigen, dass er noch lebt, dass er schlecht behandelt wird. Er verzichtet auf sein letztes Recht.

Er hier zum Beispiel, Bahman Amouei, war immer gegen Hungerstreik: "Ich werde nicht Hungerstreik begehen, mach dir keine Sorgen. Ich denke auch, dass man seine eigene Gesundheit nicht gefährden sollte", sagte er seiner Frau. Er ging aber in trockenen Hungerstreik. Theoretisch kann man bereits am dritten Tag des trockenen Hungerstreiks sterben.

Bahman Amouei ist ein Journalist. Über ihn schreibt seine Frau auf ihrem Blog, ebenfalls Journalistin. Sie schreibt, dass er ihr und seinen Verwandten sagte: "Verurteilt meinen Richter nicht so unfair. Spricht nicht so unfreundlich über ihn. Wie könnt ihr so etwas behaupten?" Über einen Richter, der ihn zu sieben Jahren Haft und zum Auspeitschen verurteilte!

Das Foto entstand als Bahman Amouei noch nicht im Gefängnis, aber traurig war über seine verhafteten Freunde.

Majid Tavakolli und Keyvan Samimi auch im trockenen Hungerstreik, 14 weitere im Hungerstreik

Bereits am 4. August berichtete die Webseite Kaleme, dass Majid Tavkolli und Keyvan Samimi seit 10 Tagen im trockenen Hungerstreik seien (s. Artikel auf Julias Blog)! Die übrigen 14, darunter Abdollah Momeni, nahmen Flüssigkeiten zu sich.

Reaktionen

Mehrere politische Gefangene fasteten daraufhin aus Solidarität mit den 17 Gefangenen (s. diesen Artikel und diesen Artikel auf Julias Blog)

Einer von den Gefangenen im Hungerstreik wurde später kurzfristig freigelassen, kurz danach aber wieder verhaftet.

Studenten der Amir-Kabir-Universität traten am 8. August aus Solidarität mit den Gefangenen in Evin in den Hungerstreik (s. Artikel auf Julias Blog).

Montag, 9. August 2010

Familie Mostafaeis frei

Die Familie des Anwalts Mostafaei ist freigelassen worden. Mostafaei hatte zuvor die Verteidigung der zur Steinigung verurteilten Iranerin Ashtiani übernommen. Seine Frau, der Bruder seiner Frau und sein Schwiegervater wurden verhaftet, besser gesagt als Geiseln festgenommen. Daraufhin ist er in die Türkei geflüchtet.

Vergleichbare Artikel
Julias Blog: Interview mit Mohammad Mostafaei: „Ich hatte das Recht, Sakineh Mohammadi zu verteidigen“ Sehr empfehlenswert
Guardian: Iranian facing stoning speaks: 'It's because I'm a woman'
Guradian (by Shirin Ebadai): When adultery means death

Freitag, 6. August 2010

Mousavi zu den Hinrichtungen von 1988

Mousavi traf sich am Dienstag mit einigen Journalisten. Es wurde abgemacht, dass nur Kaleme, eine Mousavi-nahe Webseite, über das Treffen berichtet. Die Onlinezeitung Rooz gab aber bereits am Mittwoch bekannt: Mousavi wurde zu den Hinrichtungen von 1988 befragt. Es hänge von Kaleme ab, ob Mousavis Antworten der Öffentlichkeit mitgeteilt werden oder nicht. Laut Kaleme sagte Mousavi über die Hinrichtungen von 1988:


Die Fragen über 1988 müssen anhand der historischen Situation analysiert werden und dann muss gesehen werden, ob die Regierung darüber informiert wurde. Hat sie eine Rolle gespielt? Hat sie überhaupt die Möglichkeit gehabt sich einzumischen? Ist in den Dokumenten und Urteilen die Regierung überhaupt erwähnt worden? Die Regierung spielte doch keine Rolle in diesem Thema. Viele der Anderen wussten gar nichts davon. Aber ich habe auch Einschränkungen, diese Fragen detaillierter zu diskutieren.

Vergleichbare Artikel:
Enthüllung der Geschichte: Mousavis Rücktritt 1988

Deutschland: Ein iranischer Dissident erzählt; Arte (Video)

Mittwoch, 4. August 2010

Enthüllung der Geschichte: Mousavis Rücktritt 1988

1988: Mousavi war Ministerpräsident, Chamenei Präsident. 
Es heißt, dass es bereits damals große Auseinandersetzungen zwischen den beiden gab. 

In der vergangenen Woche beschäftigten sich zahlreiche persischsprachige Webseiten und Medien intensivst mit der Geschichte Irans:

Zum dreißigsten Jahrestag des Schah hat unter anderem BBC-Persia viele interessante Berichte und Interviews über ihn veröffentlicht. Das Massaker von 1988 wurde von verschiedenen Webseiten, unter anderem von Boroumand Foundation, unter die Lupe genommen. Und Mousavis Rücktritt 1988, mit dem ich mich heute befassen werde:

Mousavi droht, Bani-Sadr veröffentlicht
Bani-Sadr war der erste Präsident Irans. Seine Amtszeit dauerte aber nicht lange an. Ihm wurde unter anderem die Zusammenarbeit mit der MKO vorgeworfen. Daraufhin floh er ins Ausland und lebt seitdem in Paris im Exil. Er veröffentlicht seither die Zeitung Islamische Revolution im Exil.

Neulich drohte Mousavi an, die Gründe für seinen Rücktritt als Premierminister 1988 zu veröffentlichen. Bani-Sadrs Zeitung veröffentlichte eigentlich bereits damals den Brief Mousavis an Chamenei, veröffentlichte ihn nach 22 Jahren aber nochmal um "die heutige Generation zu informieren." Die Zeitung erinnert den Leser daran, dass damals Rafsanjani Parlamentschef war.

Mousavis Brief zu seinem Rücktritt als Ministerpräsident
(übernommen aus Julias Blog)
Im Namen Gottes,
sehr geehrter Herr Präsident [Ali Khamenei],

ich bin in meinem öffentlichen Rücktrittsgesuch nicht auf die Gründe eingegangen, die mich zu diesem Schritt bewogen haben, weil die Feinde des Landes diese Gründe missbrauchen könnten. Deshalb möchte ich meine Beweggründe hier darlegen für den Fall, dass dies in Zukunft von Nutzen sein kann.

1) Die Regierung hat keinen Einfluss auf die Außenpolitik. Heute liegen Afghanistan, Libanon und Irak in Ihren Händen. Briefe werden an verschiedene Länder geschrieben, ohne dass die Regierung davon weiß. Ich als Premierminister habe nur zufällig von diesen Briefen und ihren Inhalten erfahren. Der japanischer Premierminister und unser Parlamentschef tauschen Briefe aus, und ich erfahre davon bei einer Veranstaltung!

Herr [Javad] Larijani *) sagt, dass die Regierung über fünf verschiedene Kanäle mit der US-Regierung in Kontakt steht. Ich habe überhaupt keine Kenntnis darüber, was für Verbindungen das sind. Überall wird von der Außenpolitik der iranischen Regierung gesprochen, aber die Regierung selbst hat keinerlei Einfluss auf sie.

2) Die Operationen in Ausland geschehen, ohne dass die Regierung etwas davon mitbekommt. Sie wissen, welche verheerenden Auswirkungen diese Operationen auf unser Land hatten. Flugzeuge werden entführt, im Libanon wird Blut vergossen, und von all dem erfährt die Regierung erst zum Schluss. Als bei iranischen Pilgern in Jeddah C4-Sprengstoff entdeckt wurde, habe ich das erst [von der saudischen Botschaft in Teheran] erfahren. **)
So etwas hat sehr schädliche Folgen für unser Land, und leider wird es auch in Zukunft solche Aktionen im Namen der Regierung geben.

3) Der Ausschuss für Finanzplanung wurde aus politischen Gründen aus der Zuständigkeit des Ministerpräsidenten entfernt, was bereits katastrophale Auswirkungen auf das Land hatte. Leider ist im Schlichtungsrat kein Problem für dieses Problem gefunden worden, ebensowenig wie für das Problem der Ratgeber-Minister. ***)

4) Die gesetzliche Macht der Regierung und ihrer Minister wird durch die ungesetzmäßig installierten Räte geschwächt.

5) Ich habe keine Macht, um für die Aktionen, die im Namen der Regierung erfolgen und von denen wir keine Kenntnis haben, vor dem Parlament und der Regierung die Verantwortung zu übernehmen.

6) Abschließend erinnere ich nochmals daran, dass Gott weiß, dass mein Rücktritt nicht bedeutet, dass ich einen Groll hege. Die Islamische Revolution wird ihren Weg auch ohne mich finden. Ich trete aus dem Gefühl der Machtlosigkeit zurück.

14. Shahrivar 1367 (September 1988)

Bani-Sadrs Zeitung veröffentlichte den Brief Mousavis vor 22 Jahren

Mögliche Quelle

Bani-Sadr sagte der Deutschen Welle, dass der Brief wahrscheinlich durch Chomeinis Büro durchgesickert ist. Oder Ahmad Chomeini (Chomeinis Sohn) wollte mit diesen Herren eine Rechnung begleichen. Es ist noch zu erwähnen, dass dieser Rücktritt von Chamenei abgelehnt wurde. Grund: es koste die Islamische Republik zu viel (Quelle: Khodnevis).

Schlusswort

Ich las den Brief noch einmal. Dabei wurde mir klarer, warum Chamenei nicht wollte, dass Mousavi Irans Präsident wird. Ich bin aber auch der Meinung, dass Mousavi endlich die Geheimnisse seiner Zeit aussprechen soll. Letztes Jahr, kurz nach den manipulierten Wahlen, nachdem Irans Jugend auf der Suche nach ihrer wahren Stimme auf den Straßen erschossen wurde, war es die beste Zeit mit der Nation die Geheimnisse zu teilen. Ein Jahr ist bereits vergangen. Irans Jugend ist immer noch durstig nach Wahrheiten. Warum Mousavi bis heute geschwiegen hat, diese gute Gründe zu veröffentlichen ist mir immer noch ein Rätsel.

Montag, 26. Juli 2010

Schlagzeilen der Woche

Chameneis Fatwa: "Ihr sollt mir gehorchen"; nichts Neues eigentlich

Nur wenige Stunden stand Chameneis neue Fatwa auf seiner offiziellen Webseite, in der er behauptete, dass jeder ihm gehorchen müsse. Man könnte beinahe sagen, dass das Büro des Revolutionsführers Irans mächtigsten Mann zensieren musste. Die Reaktionen zur folgenden Fatwa dauern noch heute an:


„Die Vormundschaft der Faghih (des religiösen Rechtsgelehrten) besteht in der Herrschaft des qualifizierten Faghih in Abwesenheit des unfehlbaren Imams. Sie ist ein Zweig der Vormundschaft und der Herrschaft des Propheten Muhammad und des unfehlbaren Imams. Man kann seine Ergebenheit gegenüber dem Vormund-Faghih sicherstellen, indem man seinen administrativen Regeln gehorcht.“ (übernommen aus Julias Blog)

Heute hat sogar Chamenei auf seiner Webseite seine eigene Fatwa verteidigt und sagte, dass sie eigentlich nichts neues beinhaltet. Manche Experten stimmen ihm dabei zu: so seien die Lehren des obersten Rechtsgelehrten immer gewesen. Dass viele Kleriker und Politiker im Iran diesen nicht mehr folgen, könnte mit der Persönlichkeit Chameneis, der aktuellen politischen Situation oder der historischen Entwicklung des Landes zu tun haben. Zu Chomeinis Zeiten herrschten eben die gleichen Gesetze. Chomeinis Worte waren das Gesetz, aber ohne dass er sagen musste "gehorcht mir".

Isa Saharkhiz fordert gerichtliche Verfolgung Chameneis

  Isa Saharkhiz von Nikahang Kowsar:
"Nein Herr, die Erde ist rund
Genau so rund wie dieses Gewicht und Kette"

Gefesselt wurde der Journalist Isa Saharkhiz in den Gerichtssaal gebracht. In seiner an das iranische Volk gerichteten Verteidigungsschrift forderte er die gerichtliche Verfolgung des Revolutionsführers und seine Entlassung. Teil 1 der Klageerwiderung von Saharkhiz ist bereits von Julia ins Deutsche übersetzt worden (herzlichen Dank). Sie ist sehr lang, aber genauso lesenswert.

Karroubi und Rahnavar bei Osanloos Familie zu Besuch

Mansour Osanloo ist der Führer der Gewerkschaft der Teheraner Busfahrer. Er ist seit dem Jahr 2005 wegen seiner gewerkschaftlichen Aktivitäten mehrmals verhaftet worden. Er wird gefoltert und sehr schlecht behandelt (s. zum Beispiel den Artikel Mansour Osanloo in Trakt mit Aids- und Hepatitispatienten verlegt).

Kürzlich hat Nikahang Kowsar gefragt, warum Mousavi und Karroubi nur die Familien der politischen Gefangenen besuchen, die nach den manipulierten Wahlen verhaftet wurden und schlug vor, dass die symbolischen Führer der grünen Bewegung auch Osanloos Familie besuchen. Kurz danach besuchte Karroubi Osanloos Familie. Später ging auch Zahra Rahnavard, Mousavis Frau, bei Osanloos Familie zu Besuch. Diese Besuche sind zweifellos wichtiger als viele denken mögen.

Fußnote:
"Schlagzeilen der Woche" erscheinen nur bei größerer Anzahl der für die grüne Bewegung wichtigen Ereignisse. Ich versuche damit, dass der Leser den Überblick über solche Ereignisse nicht verliert. Sie beinhalten natürlich nicht alle wichtigen Ereignisse.

Sonntag, 25. Juli 2010

Zum zehnten Jahrestag des Dichters Shamlou

 Ahmad Shamlou, Dichter der Freiheit
(Quelle: shamlou.org)
هراس ِ من ــ باري ــ همه از مردن در سرزميني‌ست که مزد ِ گورکن از آزادي‌ ِ آدم افزون باشد
Meine Befürchtung
ja
ist in einem Land zu sterben,
in dem der Lohn eines Totengräbers mehr als die Freiheit eines Menschen ist
Ein Lied von Shamlou mit seiner Stimme und englischen Untertiteln


Lebenslauf (12.12.1925 - 24.7.2000)

Ahmad Shamlou, auch bekannt unter seinem Künstlernamen A. Bamdad (A. Morgen الف. بامداد), ist einer der namhaftesten persischen Dichter der Moderne. Seine Gedichte sind in mehr als zehn Sprachen, auch ins Deutsche, übersetzt worden. Shamlou war außerdem Autor mehrerer Kurzgeschichten und Romane, Journalist und Übersetzer. Er veröffentlichte über 70 Bücher. Er wurde unter anderem mit der Auszeichnung Free Expression von Human Rights Watch geehrt.

Politische Aktivitäten und Gefängnis
Bereits im Alter von siebzen Jahren war er wegen politischer Aktivitäten drei Monate lang im Gefängnis. Nach dem CIA-Putsch im Jahr 1953 wurde er wieder verhaftet. Seine bis dahin erschienenen Werke wurden verboten und verbrannt. Zwei seiner Werke, die bis dahin nicht veröffentlicht worden waren, wurden nach der Beschlagnahme vernichtet und gingen für immer verloren. Im Gefängnis schrieb Shamlou unter anderem Gesetze der persischen Sprache. Nach einem Jahr und einigen Monaten wurde er wieder frei gelassen.

1954-1979
In den nachfolgenden Jahren beschäftigte er sich mit der Forschung über iranische Dichter wie Hafes. Außerdem drehte er erfolglos Filme um sein Leben zu finanzieren, wie er selbst sagte. Über seine Filme sagte er selbst: "bitte nennt sie nicht Filme". Ab dem Jahr 1972 wurde Shamlou von ausländischen Universitäten (Rom, Boston, Berkeley und Princton) eingeladen, um auf Lesungen und Konferenzen teilzunehmen. Seine letzte Reise in die USA dauerte drei Monate. Aber seine Rückkehr in den Iran dauerte nicht lange. Aus Protest zur politischen Situation verließ er den Iran Richtung USA und hielt mehrere Reden an den Universitäten der USA. Nach einem Jahr ging er nach London und war in der Zeit Editor einer Zeitschrift namens Iran Shahr.

nach der islamischen Revolution
Kurz nach dem Sieg der Islamischen Revolution kehrte Shamlou zurück in den Iran. Im Jahr 1980 begann er mit der Veröffentlichung einer Wochenzeitschrift, die bereits vor der vierzigsten Ausgabe nicht mehr publiziert werden durfte. Ab dem Jahr 1983 durften seine Werke nicht mehr veröffentlicht werden. Shamlou blieb aber aktiv, dichtete und übersetzte weiterhin. 1993 durften seine Werke eingeschränkt veröffentlicht werden. 1988 bis 1991 verbrachte Shamlou im Ausland und nahm an mehreren Konferenzen und Lesungen in Deutschland, Schweden und den USA teil und unterrichtete in Berkeley ein Jahr lang persische Literatur. Trotz der politischen Situation kehrte er im Jahr 1991 in den Iran zurück, weil er die Ferne der Heimat nicht ertragen konnte, und verließ nie wieder das Land. Am 24. Juli 2000 starb Shamlou. Zehntausend Menschen nahmen an seiner Beerdigung teil. Aber wie Shamlou schon sagte:
"Tod der Dichter findet nur in Geschichtsbüchern statt"
Shamlous zehnter Jahrestag trotz Verbots und unter Lärmbelästigung
Die Veranstaltungen zum Jahrestag Shamlous wurden von der iranischen Regierung als verboten erklärt. Trotzdem haben Autoren und Bewunderer sich wie jedes Jahr an seinem Grab getroffen. Mit Lärm wurde versucht, die Veranstaltung zu stören, wie das Video zeigt:


Vergleichbare Artikel:
Tehranbureau: In This Blind Alley (by Ahmad Shamlou)
Irania (Deutsch): Poesie: Ahmad Shamlou
Wikipedia, Englisch: Shamlou

Quellen (alle persisch):
http://www.rahpoo.com/Default.aspx?spkPath=Shamloo
http://www.asheghoone.com/?p=91
http://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%A7%D8%AD%D9%85%D8%AF_%D8%B4%D8%A7%D9%85%D9%84%D9%88

Dienstag, 20. Juli 2010

Was meine Frau im Gefängnis erlebte; Julias Blog

Von Taghi Rahmani

„Respekt vor dem Gesetz im Umgang mit Anklagen gegen Gefangene ist der Wunsch eines Mannes namens Taghi Rahmani, der 14 Jahre lang in den Gefängnissen der Islamischen Republik Iran verbrachte.“

Das war meine Antwort auf die Frage eines jungen Mannes, der mich vor der letzten Präsidentschaftswahl im Iran 2009 fragte, warum ich Mehdi Karroubi wählen wolle. Ich glaube, dass Karroubi sich politischen Gefangenen gegenüber sehr gütig verhalten hat, sich ihre Probleme angehört und alles in seiner Macht stehende getan hat, um ihre Rechte zu schützen.

Zum Artikel

Samstag, 17. Juli 2010

Terroranschläge im Südosten Irans; Ziel: IRGC, Opfer: Teenager

 "Abstand" von Mana Neyestani

Irans Südosten war Zielscheibe zweier Terroranschläge. Die sunnitisch-terroristische Organisation Jundallah übernahm die Verantwortung für die Anschläge. Ihr Ziel waren IRGC-Mitglieder, getötet haben sie aber vor allem Jugendliche und Teenager, Zivilisten, wie Augenzeugen und iranische Blogger berichten (ein Beispiel). Bisher wurden 27 Todesopfer und 169 Verletzte gemeldet (BBC-Persia)

Jundallah veröffentlichte die Fotos der Selbstmordattentäter (Quelle: Gooya)
Foto links und rechts (gleiche Person): Abdolbaset Rigi, bekannt als "Islam Jan"
In der Mitte: Mohammad Rigi bekannt als "Janid Jan" (mir unbekannt, was Janid bedeutet);
Jan (ausgesprochen: dschan) bedeutet Liebe als Anrede.

Und die Fotos nach dem Anschlag:


Associated Press veröffentlichte dieses Video, das in einer Moschee während einer der Anschläge aufgenommen wurde (Vorsicht: unangenehme Szenen):


Jundallahs Anführer, Abdolmalek Rigi, wurde am 20. Juni 2010 erhängt.

Vergleichbare Artikel
BBC: Mass funerals for victims of Iran mosque bombings