Samstag, 26. Juni 2010

Vom Hijab-Strafzettel zu Ahmadinedjads Fernsehkommentar


Hijab-Strafzettel (!): links in der Tabelle steht:
1) Glas auf den Haaren: 18000 Toman (Ca. 18 Euro)
2) Kurzer Mantel: 25000 Toman
3) Heller Mantel (insbesondere grüner oder roter Mantel): 25000 Toman
4) Nagellack für jeden Nagel: 5000 Toman
5) Make-up: 25000 Toman
6) Gefärbte Haare (je nach Farbe [!]) 50000 bis 150000 Toman


Die Frau, die diesen Strafzettel bekam, muss eine Strafe von 22500 Toman zahlen, für viereinhalb lackierte Finger! Ich wollte sicherstellen, dass der Zettel nicht gefälscht ist und fragte nach. Ich wurde von Freunden auf ähnliche Strafzettel hingewiesen. Auf dem verlinkten Foto beispielsweise wurde jemandem der Führerschein provisorisch abgenommen, weil er eine Frau als Begleitperson dabei hatte, die eine schlechte Hijab hatte!

Ich konnte es wirklich nicht glauben, als ich diesen Zettel gesehen habe. Wohin will der Staat? Was haben sie vor? Das sorgt doch nur für weitere Unzufriedenheit. Wie dumm sind sie?

Seit einigen Wochen geht die Sittenpolizei mit neuer Härte gegen Frauen mit knapper Kopfbedeckung vor. In den letzten Jahren hieß es, dass der Staat die nicht streng islamisch verkleideten Frauen toleriert, um große Unruhen zu vermeiden, und dies bemängelten konservative Parlamentsabgeordnete immer wieder. Diese sogenannte Toleranz variierte in den letzten Jahren stets. An solche Härte wie jetzt kann sich meine junge Generation zumindest nicht mehr erinnern.

In diesem Bezug wunderte mich auch diese Meldung von der Polizei aus Qom, die konservativste Provinz Irans, sehr:
"Etwa 62000 Frauen wurden in der Provinz Qom wegen schlechter Hijab gewarnt"!
Es ist unklar in welcher Zeitperiode diese Frauen verwarnt wurden. Unklar ist auch, ob manche dieser Frauen eventuell bei einer Durchreise verwarnt wurden. In der Provinz Qom leben gerade eine Million Menschen. Das heißt mehr als ein Zehntel der Frauen in der konservativen Provinz wurden von der Sittenpolizei verwarnt.

Der Regierungschef Ahmadinedjad sagte neulich im iranischen Fernsehen, er sei "fest gegen solche Aktionen. Sie können niemals erfolgreich sein." Dafür wurde er von ihn unterstützenden Hardlinern massiv kritisiert.

Vergleichbare Artikel:

Sittenpolizei verjagt (Video)

Auf dem folgenden Video sieht man, wie die Leute in Rasht die vielgehasste Sittenpolizei hindern, eine junge Frau zu verhaften. Zu dem Video gibt es eine Erklärung:

Die Sittenpolizei wollte am 24. Juni um 8 Uhr eine junge Frau festnehmen. Die Mutter der jungen Frau sagte zur Sittenpolizei, sie würde es nicht zulassen, dass ihre Tochter verhaftet wird. Ein Sittenpolizist stieg aus und schlug die Mutter der jungen Frau mit dem Schlagstock, worauf die Leute eine unglaubliche Reaktion zeigten. Zuerst schrien die Leute "Boh" um ihren Protest gegen diese Aktion zu zeigen. Innerhalb von 30 Sekunden stürmten die Leute die Sittenpolizei an und brachen die Fenster des Polizeiautos ein, bis diese aus Angst flohen und die Gegend verließen. "Ich habe in der Motahari-Straße nie eine so große Menge gesehen. Von der Mikael-Kreuzung bis Sighalan war es voll. Diese Aufstandsstimmung hielt ein paar Minuten an, bis die Sicherheitskräfte mit Tränengas und Schlagstöcken agierten und die Person, die angeblich die Fenster brach, festnahmen."

Freitag, 25. Juni 2010

Interview mit Ahmad Batebi, Teil 2: Jeder macht Fehler, auch wir; Julias Blog

[...]
Der Grund, warum die Bewegung so stark wurde, ist, dass viele Menschen (an den Wahlen) teilgenommen haben. Danach fragten sie „Wo ist meine Stimme?“ Wenn wir die Wahl boykottiert hätten, hätte es nicht so viele „Gläubiger“ gegeben, die ihren Anteil hätten einfordern können.
Ich habe Moussavi nicht gewählt. Ich mochte ihn nicht, weil ich ihn für ziemlich konservativ hielt und weil er immer noch will, dass der Iran zu seinen Ursprüngen (der 1980er Jahre) zurückkehrt. Aber mit der Zeit wurde mir bewusst, dass ich mich in Moussavi gewaltig geirrt hatte. Es stimmt, meine Denkweise ist ganz anders als die Moussavis. Ich bin ein weltlicher Mensch, und ich habe in dieser Art von Themen nicht viele Ansichten mit ihm gemeinsam. Aber ich habe mittlerweile großen Respekt vor ihm, denn er ist aufgestanden, um die Rechte der Menschen zu schützen.
[...]
Maryam: Der Grund, warum ich vorgeschlagen habe, dass Moussavi die Massaker eingesteht, ist, dass es die Menschen stärker vereinen könnte.
Batebi: Ein solches Eingeständnis ist aber nur für die Einheit der Menschen außerhalb Irans wichtig. Für die, die im Iran leben, ist es nicht wichtig. Es reicht dem iranischen Volk, dass Moussavi den Mut hatte, sich dem herrschenden Establishment entgegenzustellen. Wir, die wir außerhalb des Landes leben, können keine Entscheidungen für das iranische Volk treffen. (Was Sie erwähnten) ist eine Forderung der Diaspora.
Ich denke auch, dass Moussavi (seine Rolle) erläutern muss, aber im Moment haben wir wichtigere Probleme zu lösen. Die Menschen im Iran wollen, dass die Bewegung weiter atmen kann. Es ist besser, wenn Moussavi Mut zeigt und wie Karroubi standhaft ist. Dann, später, werden wir Zeit für all diese Diskussionen haben.

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Mohammad Nourizad gegen hohe Kaution freigelassen; Julias Blog

Nourizad hatte jahrelang als Kolumnist für die staatliche Zeitung Keyhan gearbeitet. Nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im letzten Jahr hatte er eine Serie kritischer Positionen zum Vorgehen der Offiziellen der Islamischen Republik veröffentlicht.
Unter anderem hatte er die Unterstützung des Obersten Führers für Mahmoud Ahmadinejad kritisiert, dessen Wahlsieg von Betrugsvorwürfen überschattet war.
Selbst nach seiner Inhaftierung und langen Phasen der Einzelhaft schrieb Nourizad weiterhin kritische Briefe an Ayatollah Khamenei.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Baghi frei

links nach der Freilassung und rechts vor der Verhaftung

Emadeddin Baghi, Menschenrechtsaktivist, Journalist, Autor und Historiker ist wieder frei. Baghi ist unter anderem Gründer und Vorsitzender des Komitees für Verteidigung der Rechte der Gefangenen. Sicherheitskräfte haben ihn verhaftet, um "das Ausnutzen des Todes von Ajatollah Montazeri zu verhindern"! Damit meinten sie wohl, dass Baghi eventuell die Situation für einen Aufstand ausnutzen würde. Die Sicherheitskräfte hatten ihm außerdem erklärt, dass er wegen eines Interviews mit Ajatollah Montazeri angeklagt sei.

Mit der Hoffnung, dass weitere politische Gefangene und Menschenrechtsaktivisten auch bald wieder zu ihren Familien zurückkehren dürfen.

Dienstag, 22. Juni 2010

Iran: Elections 2009; ARTE - 22. Juni 2010 um 20.15 Uhr

Neben Interviews mit diversen Exiliranern, wie der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, die ihre Erlebnisse und Sichtweisen der letzten Wochen schildern, zeigt die Dokumentation Protestaktionen junger Iraner und Iranerinnen. Die derzeitige Situation verbietet aus naheliegenden Gründen, reale Personen abzubilden. Deshalb werden aus tatsächlich existierenden Blog-, Facebook-, Youtube- und Twitter-Beiträgen Hunderter junger Iraner, die so die Vorgänge in ihrem Land dokumentieren, fiktive Biografien zweier Studenten erstellt.Als animierte Figuren erzählen sie ihre Version der "grünen Welle" genannten Bewegung. mehr

Rahnavard fordert Ende der Diskriminierung von Frauen in der Islamischen Republik; Julias Blog

Zahra Rahnavard [die Ehefrau des Oppositionsführers Mir Hossein Moussavi] hat zum ersten Jahrestag der Ermordung von Neda Agha Soltan [am 20. Juni] in einem Statement erklärt, Freiheit und Demokratie könnten nicht verwirklicht werden, ohne dass „die Diskriminierung von Frauen beendet wird“.

In ihrem auf der Webseite Kalemeh veröffentlichten Statement betonte sie, die Grüne Bewegung stünde in der Schuld des „Widerstands“ der Frauen, die „an der vordersten Front der Bewegung“ stünden.

[...]

a Rahnavard verwies ausdrücklich auf die wichtige Rolle, die Frauen als aktive Demonstrantinnen in den Straßén, als unbeugsame Gefangene, Journalistinnen, Lehrerinnen, Arbeiterinnen, Menschenrechtsaktivistinnen, Mütter und Ehefrauen von Gefangenen, die auf die Freilassung ihrer geliebten Kinder und Ehemänner warten, für die Grüne Bewegung gespielt haben.

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Mehdi Karroubis Statement anlässlich des Jahrestages der Präsidentschaftswahl 2009; Julias Blog

„Die Macht und das Ausmaß des Einflusses der Herrschaft des Obersten Rechtsgelehrte sind derart ausgeweitet worden, dass ich sogar Zweifel habe, ob Gott jemals auch die Propheten und die reinen Imame mit diesen Privilegien bedacht hat. Ich zweifle sogar daran, dass Gott sich selbst das Recht gab, seine Schöpfung so zu behandeln.“

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Montag, 21. Juni 2010

Tajzadeh: "Reformisten müssen gestehen"

Mousavi, Tajzadeh

Tajzadeh schrieb vor kurzem eine wichtige Analyse über die aktuellen Probleme des Landes. Der Titel seiner Analyse ist "Vater, Mutter, wir sind wieder Angeklagte". Diese Analyse ist an sich interessant und beinhaltet gleichzeitig viele wichtige Fakten. Ein Teil dieser Analyse (der dritte Teil), der die Vergangenheit vieler Reformisten kritisiert, habe ich mir zur Übersetzung vorgenommen und ist im Folgenden zu lesen.



Hintergrund

In den frühen 80er Jahren, kurz nach dem Sieg der Islamischen Revolution, wurden im Iran Tausende von politischen Gefangenen auf Befehl von Ajatollah Khomeini hingerichtet. Viele der heutigen Reformisten wie beispielsweise Mousavi oder Karroubi waren bekannte Anhänger von Ajatollah Khomeini. Viele dieser Reformisten erklären, dass sie immer noch den Prinzipien des Ajatollah treu sind, und viele sind es sicher auch wirklich. Es gibt leider sehr wenige historische Dokumente über diese Zeit. Das bekannteste ist ein Buch vom verstorbenen Ajatollah Montazeri, in dem er die Hinrichtungen in großen Maßen bestätigte. Später schrieb auch Dr. Maleki über seine Erinnerungen im Gefängnis und die Massenhinrichtungen. Seine Notizen wurden in der gefilterten, im Iran meistgelesenen Onlinezeitung Roozonline veröffentlicht. Diese Notizen sind für mich der wahrscheinlichste Grund seiner Verhaftung.

Die fettgedruckten Sätze sind in der Original-Analyse unterstrichen und sind vom Autor als besonders wichtig gekennzeichnet, nicht von mir.
"Drittens, meine Konfession"
[...]
"Manche Verhörer versuchten mit Erinnerung an den Extremismus des ersten Jahrzehnts nach der Revolution [80er Jahre] mich, Imams Anhänger [mit Imam ist Ajatollah Khomeini gemeint] und [damit] die heutigen Reformisten als "Faschisten" zu bezeichnen. Gegenseitig mit Erinnerung an manches faschistische Verhalten, das in Gegenwart und vor den Augen des iranischen Volks wiederholt wird, erklärte ich, dass wir alle große Fehler gemacht haben. Aber statt die positiven Aspekte unseres Verhaltens fortzusetzen, setzt ihr unsere Fehler fort, obwohl das Land weder vom Krieg noch von massiven Terroranschlägen betroffen ist. Aus diesem Grund kann man heute nicht mehr von "Fehler" und Unerfahrenheit der Revolutionären sprechen. Unser Fehler war, dass wir gegen manches Verhalten des Revolutionsgerichts keine Position ergriffen haben." [...]
"Ich äußere mich klarer, die bestätigende Stille [keine Position zu nehmen ist gemeint] über die Art und Weise der Gerichtsverhandlungen des Revolutionsgerichts war unser Fehler, aber die lose Verhaftung der Kritiker, die das gesetzlich kritisierten, das Foltern der Zivilisten und dazu direktes Erschießen dieser ist ein so schreckliches Phänomen, dass das Wort "Fehler" keineswegs sie beschreiben kann. Aus diesem Grunde müssen wir gestehen, aber nicht in den Show-Gerichtssälen und so wie die Verhörer es verlangen sowie auf abergläubische Anschuldigungen und Taten, die wir nicht begangen haben, sondern vor dem Volk und basierend auf Tatsachen. Die Revolutionsgeneration [damit sind die Reformisten gemeint] muss gestehen, aber nicht für ihr heutiges Bemühen zur Realisierung von Demokratie und Menschenrechten, sondern für die nicht korrekte und vollständige Verwendung der Chance [...]."
"Und wenn man gestehen muss, und sich entschuldigen will und das muss man, dann für das schlechte Verhalten gegenüber Bazargan und Dr. Sahabi [s. Artikel Mousavis großer Wandel?; Dr. Sahabi ist Sahabis Vater] und allen Politikern, die legal politisch aktiv sein wollten und denen das Recht dazu mit irgendwelchen Ausreden verwehrt wurde. Auch muss man sich bei den Bürgern entschuldigen und sich für das Einmischen in ihre privaten Angelegenheiten entschuldigen. Unser Fehler war, dass wir dachten, wir durchschnittlichen Menschen könnten die Türen der Weinhäuser schließen, ohne die Türen zur Heuchlerei zu öffnen [Dieser Satz ist die Wiedergabe eines Verses von Hafes]. [...] Folter ist in allen Zuständen Folter [in den Sätzen davor spricht er vom Krieg und Terror. Er will damit ausdrücklich sagen, dass weder Krieg noch Terror diese Taten rechtfertigen] und die Todesstrafe eines Gefangenen, die vorbestimmt ist, ungerechtfertigt."
[...] "Entschuldigen muss man sich bei der der neuen Generation, sicherlich auch nicht nur für Sachen, die ich grob aufgezählt habe. Diese Pflicht muss in einer Diskussion getan werden und es kann gut sein, dass ich viele der Fehler nicht kenne, die Jugend kann meinen Geist mit Kritik und tiefgründigen Fragen polieren und glücklich machen. [...] Dank der grünen Bewegung ist es möglich geworden, dass viele, die von den blutigen Konflikten der 80er Jahre betroffen [im Persischen kann in diesem Satz sowohl Täter als auch Opfer gemeint sein] waren, mit kritischer Erinnerung an diese Jahre zum Ergebnis kommen, dass so viel Brutalität und Blutvergießen keine "historische Not" gewesen war und dass man diese schrecklichen Ereignisse vermeiden konnte. Die Atmosphäre muss kritisch bleiben, weil [dann] eine unglaubliche Energie [in der Gesellschaft] frei werden wird, die den nationalen Rückschritt, Monopolisierung der Macht und Gleichgültigkeit über die Rechte anderer in der Politik hinterlässt."

Fußnote:
Tajzadeh fragt die Interessierten, ihre Fragen und Meinungen mit ihm zu teilen, damit er auf sie eingehen kann.


Vergleichbare Artikel:
Quelle (persich): http://www.emruznews.com/2010/06/post-1761.php
Tehranbureau: Reformists Should Ask Nation for Forgiveness; Part I (sehr empfehlenswert)
Zur Beisetzung der Frau von Ajatollah Montazeri

Sonntag, 13. Juni 2010

Auseinandersetzungen zwischen Bassijis und Polizei, 12. Juni (Video)

Buspassagiere schreien "Tod für Diktator", während man auf dem Video Auseinandersetzungen zwischen Bassijis und der Polizei sieht.

Samstag, 12. Juni 2010

Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Sicherheitskräften (2), 12. Juni, Bericht #4

Teheran Universität; am Ende des Videos schreien die Demonstranten "keine Angst, keine Angst, wir halten alle zusammen".

Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Sicherheitskräften, 12. Juni, Bericht #3

In mehreren Orten Teherans ist von Auseinandersetzungen zwischen den Protestierenden und Sicherheitskräften berichtet worden. BBC-persisch und Radio-Farda beispielsweise berichten dies anhand ihrer Augenzeugenberichte. In der Nähe der Teheran-Universität sind laut zuverlässigen Twitter-Quellen mindestens sechs Personen verhaftet worden.

Dieses Video zeigt Auseinandersetzungen in der Nähe von Sanati-Sharif Universität in Teheran.

12. Juni, Bericht #2 (erstes veröffentlichtes Video der Proteste)

In diesem Video sieht man die Studenten der Sanati-Sharif Universität aus Teheran. Sie schreien "Ya Hssein, Mir Hossein" und unterstützen damit Mir Hossein Mousavi.

Hoher Polizeieinsatz am 12. Juni; Bericht #1 (Videos)

Laut mehreren Berichten gibt es in vielen Städten Irans ein großes Polizeiaufgebot, wie diese Videos aus Teheran zeigen:

Nächtliche Proteste

Seit Donnerstagnacht wurden wieder Videos veröffentlicht, in denen man laute Allah-o-Akbar Schreie hören kann. Dieses Video zum Beispiel wurde gestern Abend im Nordwesten Teherans aufgenommen.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Aufgeheizte Stimmung in Teheran

Die Stimmung in Teheran wird gerade als aufgeheizt gemeldet! Viele wollen trotz Mousavis und Karroubis Erklärung auf die Straßen gehen: "Das Blut unserer Märtyrer ist unsere Erlaubnis zu demonstrieren", schreiben mehrere Leute auf Twitter und Facebook.

Sehr hohes Polzeiaufgebot auf einigen Straßen Teherans wurde gemeldet.

Mousavi und Karroubi: keine Demonstrationen

Mousavi und Karroubi sagen in einer gemeinsamen Erklärung, dass am Jahrestag der manipulierten Wahlen (12. Juni) keine Demonstrationen stattfinden werden, um das Leben der Leute zu schützen.

In der Erklärung greifen sie die Regierung außerdem scharf an, da diese für friedliche, stille Demonstrationen keine Erlaubnis erteilt: "Es ist die Tradition einer illegitimen Regierung, nur seinen eigenen Anhängern eine Demonstrationserlaubnis zu geben".

Jahrestag des 12. Juni (22 Khordad)

Foto vom letzten Jahr am 13. Juni



Zum Jahrestag der manipulierten Wahlen sind in vielen Städten Irans Demonstrationen geplant. Auf dem persisch- und englischsprachigen Blog Secular Democracy for Iran sind die Treffpunkte für acht Städte aufgelistet (bisher nur auf persisch).

Studentenorganisationen und Parteien aus dem Iran rufen das Volk auf, an friedlichen Demonstrationen teilzunehmen. Poster und Flyer wurden von Aktivisten verteilt.

Auf diesem Poster stehen die Uhrzeit und die Strecke der Demonstrationen in Shiraz.
Alternative Programme bei großem Sicherheitsaufgebot sind ebenfalls vorhanden.

Außerdem sind in vielen Städten weltweit Solidaritätsdemonstrationen angekündigt. Weitere Informationen findet man auf der Webseite 12june.org

Videos und Fotos werden wie immer hier und auf Twitter vorhanden sein. 

Vergleichbare Artikel:
Julias Blog:
Negar Irani (Englisch + Persisch):
URGENT - The Green Movement in Shiraz announce time and routes for 22 Khordad (June 12th) demonstrations  
Statement by the Green Students at Avhaz University - This June 12th (22 Khordad) we will stand firm with President Mousavi!  
MUST READ! Green Student at Mashhad Universities urge participation & announce routes for June 12th protests

Mittwoch, 9. Juni 2010

Interview mit Ahmad Batebi | Teil 1: Die Grüne Bewegung verstehen; Julias Blog

[...]

Man sieht in der Grünen Bewegung säkulare und religiöse Menschen. Sie alle sagen, dass sie dieses Regime nicht wollen. Sie wollen Menschenrechte, sie wollen Gleichheit zwischen Männern und Frauen. Etwas derartiges passiert zum ersten Mal. Alle sozialen Bewegungen kommen irgendwann an diesen Punkt. Nun gibt es in der Bewegung distinguierte Persönlichkeiten wie Karroubi und Moussavi, die die Fähigkeit haben, Menschen zu mobilisieren. Einige betrachten sie als Führer, andere nicht. Ich denke, sie sind Führer, aber in demselben Maße wie das Volk [Führer ist]. Wenn z. B. Karroubi sagt, dass die Menschen sich am Jahrestag der Wahlen vom 12. Juni beteiligen sollen, hat er eine Führungsfunktion. Aber die Menschen übernehmen ebenfalls die Führung. Am Tag Ashura zum Beispiel (27. Dezember) hat niemand die Leute aufgefordert, auf die Straße zu gehen, aber sie gingen auf die Straße und demonstrierten. Somit ist jeder ein Führer, jeder übernimmt seine Verantwortung und seine Pflichten.

[...]
Wir haben nur eine Bewegung, und das ist die Volksbewegung. Manche sagen, sie sind grün, manche sagen, sie sind links, manche sind Monarchisten oder Mojahed. Wir können ohne Beteiligung aller Fraktionen keine erfolgreiche Regierung haben. Die Grünen müssen beispielsweise verstehen, dass sie nicht die einzigen „Grünen“ sind, und dass es [it] alle Menschen einschließt.
Übrigens findet die Debatte um das Thema Grün vorwiegend außerhalb Irans statt. Wenn die Sicherheitskräfte im Iran in die Menge schießen und alle davonlaufen, denkt niemand „du bist Mojahedin, darum werde ich nicht mit dir zusammen weglaufen“. Wenn jemand von einer Kugel getroffen zu Boden fällt, sagen die Leute nicht „Du bist Kommunist, also helfen wir dir nicht.“ Das sind Sorgen von Iranern, die außerhalb des Landes leben.
Wir müssen denken wie die Menschen im Iran. Für die Menschen dort ist es nicht wichtig, worüber wir uns streiten. Leute, die sagen „wir sind grün und die Bewegung gehört uns“ wollen sich lediglich von der traditionellen Opposition absetzen. Das ist falsch. Im Iran von Morgen haben alle, auch Hisbollah-Mitglieder, das Recht, politische Parteien zu gründen und sich zur Wahl zu stellen. Wenn die Menschen ihnen ihre Stimme geben, werden sie gewählt. Das ist Demokratie!
Damit eine Bewegung erfolgreich sein kann, muss man immer daran denken,, dass die Farbe Grün nicht nur (den Oppositionsführern) gehört. Moussavi sagt, wir sind nur dann erfolgreich und die Bewegung lebt nur dann, wenn alle oppositionellen (Parteien) in die Bewegung einbezogen werden.

Dienstag, 8. Juni 2010

Reaktionen zu einer Unterbrechung und einer Rede

Ajatollah Chamenei nach dem Freitagsgebet am 4. Juni
Was drückt dieses Foto für Sie aus?

Vorgeschichte

Am vierten Juni, anlässlich des Todestages von Ajatollah Chomeini, dem Gründer der Islamischen Republik, musste Hassan Chomeini, der Enkelsohn Ajatollahs, seine Rede vorzeitig beenden. Hassan Chomeini steht Reformern wie Ex-Präsident Khatami, Mousavi und Karroubi nah. Deshalb unterbrachen Hardliner seine Rede mit "Tod für Mousavi"-Rufe. Eigentlich war die Familie Chomeinis in der Islamischen Republik immer unantastbar, sogar heilig.

Nach Chomeinis Enkelsohn sprach Ajatollah Chamenei, der in seiner Rede Mousavi und Karroubi scharf angriff, indem er sie mit Zobeir verglich. Zobeir war laut Ajatollah Chamenei anfänglich ein Freund des Propheten Mohammed, der nach dem Tod Mohammeds sich von Imam Ali, der im schiitischen Glauben der Nachfolger Mohammeds sein sollte, distanzierte und ihn bekriegte. Damit verglich Chamenei wohl Mohammed mit Ajatollah Chomeini und sich selbst mit Imam Ali!

Karroubis Reaktion

Mousavi und Karroubi konterten die Angriffe scharf. Karroubi drehte sogar den Spieß um, indem er sagte, man solle die Abweichungen Zobeirs vom Islam in der Geschichte der Nachfolger des Propheten suchen. Karroubi meint damit, dass die primäre Abweichung das Wählen Chameneis als Nachfolger von Ajatollah Chomeini war (s. Fußnote 1). Den Ruf "Ajatollah" bekam Chamenei kurz nach dem Tod von Ajatollah Chomeini, damit er gesetzlich Revolutionsführer werden konnte.

Reaktion des konservativen Parlamentsabgeordneten Motahari

Am interessantesten war aber die Reaktion des konservativen Parlamentsabgeordneten Motahari:
"Das [die Unterbrechung der Rede von Chomeinis Enkelsohn] wurde vorprogrammiert. Mahmud Ahmadinedjad hatte eine große Rolle. Mahmud Ahmadinedjad ist wie ein verwöhntes Kind, der immer wenn er jemanden belästigt, gefördert wird."
Wer fördert eigentlich Ahmandinejad laut dem letzten Satz? Kann jemand anders gemeint sein als Chamenei? Motahari galt als einer der inoffiziellen Sprecher Chameneis. Deshalb ist der letzte Satz sehr verwirrend. Motahari ist auf jeden Fall wegen seines Ahamadinedjad-Angriffs unter scharfer Kritik. Die Kritik geht so weit, dass die Ahmadinedjad-Anhänger versuchen ihn aus der konservativen Fraktion des Parlaments zu werfen. Der Rausschmiss hat bisher nicht genügend Unterstützer gefunden. Hat Ahmadinedjad so wenig Anhänger in der konservativen Fraktion des Parlaments?

Fußnote:
1) Mohammad Javad Akbarin, Kleriker, interpretierte BBC-Persisch, wie man Karroubi verstehen soll. Hier ist die Code-Sprache Karroubis, ohne die religiösen Hintergründe zu kennen, kaum zu verstehen.

Vergleichbare Artikel:
Julias Blog:  
Zwischenrufe stören Rede von Khomeinis Enkel, Ahmadinejad warnt Reformer 
Karroubi: „Imam Khomeini war gegen eine politische Einflussnahme der Revolutionsgarden“ 
Moussavi verurteilt Beleidigungen gegen Ayatollah Khomeinis Enkel
Zeit: Teheran droht der Opposition mit dem Tod

Freitag, 4. Juni 2010

Aktion: Fordern Sie die Medien auf, über die Grünen Proteste in Iran zu berichten!; Julias Blog

[...]
Zur Versendung des englischen Brieftextes kopieren Sie die folgenden E-Mail-Adressen einschließlich der Semikola in das Adressfeld Ihres E-Mail-Programms:
 
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Donnerstag, 3. Juni 2010

Die vollständige Version des Films "For Neda"

Der Dokumentarfilm For Neda, gedreht von Antony Tomas, zeigt die wahre Geschichte von Neda Agha Soltan, tragisches Opfer der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste im Iran nach den gefälschten Wahlen am 20. Juni 2009. Im Unterschied zu vielen unbekannten Opfern wurde sie aber sofort zur Ikone des Widerstandes der grünen Bewegung. 

Der Film stellt außerdem kurz aber tiefgründig die große Kluft zwischen der Gesellschaft und der Regierung sowie einen Überblick über die Geschichte der grünen Bewegung zur Schau. Ein absolut sehenswerter Film.


Englische Version


Persische Version

Fotos aus dem Iran (#11)

Die Regierung Ahmadinedjads zeigte nicht immer Härte gegen Frauen mit knapper Kopfbedeckung.
Solche Fotos erschienen vor einem Jahr auf Ahmadinedjad-nahen Webseiten.
Mousavi und Karroubi waren vor einem Jahr unter scharfem Angriff derselben Medien, sich von ihren Unterstützern mit knapper Kopfbedeckung nicht zu distanzieren.

Vergleichbare Artikel:

Gedenken an Kianoosh Asa (mit Videos)

Kianoosh Asa

Hunderte von Teherans von Elm-o-Sanat-Universitätsstudenten versammelten sich am 1. Juni in Gedenken an Kianoosh Asa, ein Todesopfer der grünen Bewegung. An den Demonstrationen von 15. Juni 2009 wurde Kianoosh Asa verletzt und später vermisst. Zehn Tage später identifizierte seine Familie seine Leiche. Die Veranstalter der Zermonie haben möglicherweise vorgehabt die Zeremonie  vor dem Jahrestag der Wahlmanipulationen (12. Juni)  abzuhalten.

Auf diesem Video zeigen die Studenten mit ihren "Ya Hessein, Mir Hossein"-Parolen, dass sie Mousavi immer noch unterstützen.


"Student stirbt, lässt sich aber nicht erniedrigen"


Auf diesem Video sieht man einen Bassiji, der die protestierenden Studenten filmt. Die Studenten bedecken ihre Gesichter und singen "Yare Dabestani", "Grundschulfreund".


Auf diesem Video rufen sie: "Wir sind Kianoosh und Neda, Wir habe dieselbe Stimme (sind einig)"


Vergleichbare Artikel: 
Julias Blog: Gedenken an ein Opfer der Ereignisse nach den Wahlen: Kianoosh Asa
homylafayette: Close-Up: Students commemorate Kianoush Asa's death