Samstag, 28. August 2010

Rooz Online im Gespräch mit Komeleh-Führer; Julias Blog

Vielleicht liegt es an der intensiven Propaganda der Islamischen Republik oder daran, dass die Medien lange Zeit nicht so fortgeschritten waren wie sie es heute sind, dass die kurdische Komeleh-Partei jahrelang ein Synonym für bewaffnete Gewalt und Terrorismus in den Bergen und Städten des iranischen Kurdistan war, die zum Ziel hatte, Kurdistan von Iran abzuspalten.


[...]

Rooz: Die Komeleh und die grüne Bewegung – ist das nicht seltsam?

Abdollah Mohtadi: Nein, ich finde das nicht seltsam. Ich halte die grüne Bewegung für eine rechtmäßige und demokratische Bewegung, und wir unterstützen solche Bewegungen.

[...]

Rooz: Glauben Sie, dass Herr Moussavi es akzeptieren würde, wenn er zu dem Schluss käme, dass Gesamtheit der grünen Bewegung die velayat-e faghih abschaffen will?

Mohtadi: Um ehrlich zu sein, kenne ich ihn nicht persönlich. Ich weiß es nicht.

Rooz: Was glauben Sie?

Mohtadi: Bis jetzt hat Herr Moussavi relativ flexibel auf die demokratischen und populären Forderungen der grünen Bewegung reagiert. Hätte er diese Flexibilität nicht, wäre es zu tiefen Spaltungen in der Bewegung und zu großen Zerwürfnissen gekommen. Seine Flexibilität, mit der er neue Horizonte der Bewegung angenommen hat, hat sehr viel dazu beigetragen, Spaltungen innerhalb der Demokratiebewegung zu verhindern.

Ein langes, aber sehr interessantes Interview.
Auf Julias Blog weiter lesen. Sehr empfehlenswert.

Samstag, 21. August 2010

Verschleierte Mona Lisa!


Als ich zum ersten Mal die verschleierte Version von Mona Lisa sah, dachte ich, es wäre ein Scherz von Aktivisten und Regimegegnern. Trotzdem mochte ich das Bild nicht, es war mir einfach zu harsch. Doch ich irrte mich: das Bild existiert wirklich und war in einer Koranausstellung (!) zu sehen, wie diese Bild zeigt:



Was dieses Bild in einer Kornausstellung  zu suchen hat? Unten auf dem Bild steht ein Vers aus dem Koran: "Die Menschen werden in Gruppen zum Islam konvertieren" (Übersetzt aus der persischen Übersetzung von BBC).

Wahrscheinlich würde man eher solche Bilder erwarten:


Ausgestellt wurde die verschleierte Mona Lisa wahrscheinlich von Faschisten, die den Menschen einen Lebensstil vorgeben wollen, um den Leuten zu zeigen, wie man Kunst islamisieren kann, ohne selbst die geringste Ahnung von Kunst und ihrer Bedeutung zu haben. Ob die bekannte Silbertechnik benutzt wurde, mag ich zu bezweifeln.

Vergleichbare Artikel:
Fotos aus dem Iran (#9)

Ali Karimi, Ramadan und Iran

Ali Karimi unterstützte mit grünen Armbändern die grüne Bewegung in einem Nationalspiel

Nein, es geht nicht um Fußball, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Besser gesagt, nicht nur. Der iranische Fußballstar und Ex-Bayern-Profi Ali Karimi wurde von seiner Mannschaft, Estil Azarin, ausgeschlossen, weil er während des Ramadan nicht gefastet hat. Das ist der offizielle Grund. Schauen wir aber dazu erst einmal ein paar Zitate an:
(Folgende Zitate wurden aus einem Artikel von BBC-Persisch übersetzt)

Ajorlu, Generaldirektor der Manschaft: "Ich bin ein Verteidiger der Revolution. Ich bin nicht für Fußball gekommen. Ich bin gekommen um die Werte der Revolution und meiner Religion zu bewahren."

Madanchi, Spieler von Estil Azin und der iranischer Nationalmannschaft: "am Tag, als wir gegen Esteghlal gespielt haben, waren alle Spieler im Restaurant. 95% der Spieler fasten nicht." Gholami, Stürmer der Manschaft bestätigte dies. Es ist zu erwähnen, dass Restaurants für Reisende offen sein dürfen, da gläubige Moslems auf einer Reise nicht fasten dürfen. 

Mahdavikia, Ex-HSV-Profi, spielt in der gleichen Mannschaft. Er und andere Spieler unterstützen Karimi auch. Für den ausländischen Trainer der Mannschaft ist "alles neu".

Karimi-Fans denken, dass der Grund seines Rauswurfs ein Interview sei, in dem Karimi die Chefetage der Mannschaft heftig kritisierte.

Karimi genießt aber vor allem die Unterstützung der Bevölkerung. Auf Facebook erreichte die Seite, die zur Unterstützung Karimis gegründet wurde, bis heute 36,000 Fans. Karimi ist heute das Thema Nummer eins im Iran, könnte man meinen. Das zeigt, wie die Leute im Iran versuchen, Alles zu benutzen, um der Regierung im Iran "Nein" zu sagen.

Hier ein Video von seinen Dribblings gegen As Rom.

Sonntag, 15. August 2010

Peinlicher Ausrutscher des iranischen Fernsehens

Ein Ausschnitt von Kanal 1 des staatlichen Fernsehens Irans: schauen Sie sich die fünfzigste bis sechzigste Sekunde genau an.



Ahmadinedjad schaut sich selbst bei seiner Rede zu! Die Islamische Republik vollbringt ein weiteres Wunder.

Fußnote

Ab und zu schaue ich die Leserkommentare zu den Iran-Artikeln auf deutschen Webseiten an, um einen Eindruck zu gewinnen, was sie interessiert, und wie sie über den Iran denken. Es wundert mich immer wieder, dass manche Leser, wenn auch wenige, lieber Irans Propaganda Glauben schenken als den unabhängigen westlichen Medien.

Irans Harald Schmidt


(Um die Szene in der fünften Minute zu verstehen, lesen Sie diesen Artikel der Zeit: Wie viel Rückhalt hat Ahmadineschad?)

Seit zwei Wochen hatte ich vor, einen Artikel über eine der beliebtesten persischen Sendungen zu schreiben: Parazit. Zum Glück kam ich erst heute dazu: Tehran Bureau veröffentlichte nämlich am 13. August einen Artikel über die Sendung und zusätzlich untertitelten sie das obige Video.

Erfolgreichste persische Sendung?

Parazit ist wahrscheinlich die erfolgreichste persische Sendung. Auf Facebook hat ihre Seite mit Abstand die größte Anzahl von Fans unter den persischen Sendungen, aktuell sind es 70,000. Sie wird jeden Freitag von Voice of America, kurz VoA, ausgestrahlt. Parazit bedeutet neben Parasit auch "Störsender". Wenn die Sendung ausgestrahlt wird, versucht der iranische Staat mittels Störsender Parazit wirkungslos zu machen. Es gibt aber Wege, diese Störsignale zu umgehen. Wie, steht auf meinem persischen Blog.

Erfolgsrezept

Als Parazit zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, fand ich die Sendung nicht so gut. Ihr fehlte der nötige Biss für eine politische Satire. Sie wurde aber Woche für Woche besser und direkter. Der Moderator hat beispielsweise angefangen, vorsichtig über Mousavis Vergangenheit ironisch zu reden, als sie seine eher modernen Statements besprachen. Außerdem hat kaum eine persische Sendung so unterschiedliche Gäste:

Der Moderator, Kambiz Hosseini, lud Omid Habibinia ein, ein Gegner der grünen und Befürworter der roten Bewegung. Er fragte ihn, ob er nichts besseres zu tun hätte, als sich dauernd mit anderen Journalisten wie zum Beispiel mit dem Satiriker Ebrahim Nabavi anzulegen, der eine Woche zuvor ebenfalls bei ihm zu Gast in der Sendung war. Er lud einen Aktivisten der Homosexuellen ein und fragte ihn, wann und warum er sich für das gleiche Geschlecht entschied.

Der Hauptteil der Sendung besteht aus Videoausschnitten von Reden oder Dialogen amtierender iranischer Politiker oder Freitagsprediger. Ein Beispiel:

In der letzten Sendung zeigten sie einen Mann, der erzählte, dass Kaugummi 2-3-jährige Kinder alkoholsüchtig mache! Es wird besser: "Das Kind [das Kaugummi aß] geht mit sieben in die Schule und muss Brille tragen" Zusammenhang? Vielleicht jetzt: "Irgendwann im Alter von 16, 17 oder 18 bietet ihm jemand Alkohol an. Er wird das Angebot sehr gerne annehmen." Ah ... jetzt.

Vergleichbare Artikel
Peinlich für das Fernsehen?

Ramadan im Iran

1) Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, ob ein nicht-religiöser Iraner im Iran gezwungen wird, während des Ramadans zu fasten. Tatsächlich darf man auf "öffentlichen Plätzen" nicht Essen, Trinken oder Rauchen. Trotzdem halten sich viele nicht daran.

2) Dieses Jahr boykottieren iranische Fernseh- und Radiosender das Lied Rabbana (Unser Gott) von Shajarian. Ein Lied, das im Iran immer während des Ramadans in Funk und Fernsehen ausgestrahlt wurde. Eigentlich verbot Shajarian die Aussendung seiner Stimme dem iranischen Fernsehen, später aber machte er das Lied Rabbana während des Ramadans zur Ausnahme.

Freitag, 13. August 2010

Protestaktion: Stimmen für Sakineh Aschtiani; Frankfurter Rundschau

"Der große Fernseh-Kollege Hanns-Joachim Friedrichs hat gesagt: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“ Haben wir diesen Satz vergessen? Nein, [...] Hier geht es nicht um diese oder jene politische Einstellung, hier geht es um die Grundlagen der Humanität"


Zum Artikel
Online Unterzeichnen

Dienstag, 10. August 2010

Fünfzehn Gefangene beenden Hungerstreik

Während ich den folgenden Artikel über die Hungerstreiks schrieb, erfuhr ich, dass 15 von 16 politischen Gefangenen mit dem Hungerstreik aufhörten.

Keyvan Samimi beendet aber seinen Hungerstreik erst dann, wenn die anderen 15 zur allgemeinen Abteilung verlegt werden.

Diese Nachricht wurde aber noch nicht von ihren Familie bestätigt. Weitere Details werden später veröffentlicht.

Folgendes schrieb ich, bevor ich über das Ende der Streiks benachrichtigt wurde:



Ich habe es nach hinten verschoben und nach hinten verschoben. Und weiter nach hinten verschoben. Ehrlich gesagt fiel es mir am Anfang schwer über den Hungerstreik von 17 politischen Gefangenen zu schreiben. Ich wollte aber auch lieber abwarten, bis alles ein bisschen klarer wird. Es war alles unklar, und während ich diesen verfluchten Artikel schreibe, ist immer noch alles unklar. Ich weiß nicht einmal, ob die Protagonisten dieses Artikels noch am Leben sind. Das wissen nicht einmal ihre eigenen Familien.

Ein Gegner des Hungerstreiks im trockenen Hungerstreik

Ein politischer Gefangener, eine Geisel geht normalerweise erst dann in Hungerstreik, wenn er denkt, dass er keine andere Möglichkeit zum Protestieren hat. Er setzt sein eigenes Leben aufs Spiel um Zeichen zu setzen. Das ist meistens sein letztes Mittel um die Regierung und seine Verhörer herauszufordern. Sein letztes Mittel zu zeigen, dass er noch lebt, dass er schlecht behandelt wird. Er verzichtet auf sein letztes Recht.

Er hier zum Beispiel, Bahman Amouei, war immer gegen Hungerstreik: "Ich werde nicht Hungerstreik begehen, mach dir keine Sorgen. Ich denke auch, dass man seine eigene Gesundheit nicht gefährden sollte", sagte er seiner Frau. Er ging aber in trockenen Hungerstreik. Theoretisch kann man bereits am dritten Tag des trockenen Hungerstreiks sterben.

Bahman Amouei ist ein Journalist. Über ihn schreibt seine Frau auf ihrem Blog, ebenfalls Journalistin. Sie schreibt, dass er ihr und seinen Verwandten sagte: "Verurteilt meinen Richter nicht so unfair. Spricht nicht so unfreundlich über ihn. Wie könnt ihr so etwas behaupten?" Über einen Richter, der ihn zu sieben Jahren Haft und zum Auspeitschen verurteilte!

Das Foto entstand als Bahman Amouei noch nicht im Gefängnis, aber traurig war über seine verhafteten Freunde.

Majid Tavakolli und Keyvan Samimi auch im trockenen Hungerstreik, 14 weitere im Hungerstreik

Bereits am 4. August berichtete die Webseite Kaleme, dass Majid Tavkolli und Keyvan Samimi seit 10 Tagen im trockenen Hungerstreik seien (s. Artikel auf Julias Blog)! Die übrigen 14, darunter Abdollah Momeni, nahmen Flüssigkeiten zu sich.

Reaktionen

Mehrere politische Gefangene fasteten daraufhin aus Solidarität mit den 17 Gefangenen (s. diesen Artikel und diesen Artikel auf Julias Blog)

Einer von den Gefangenen im Hungerstreik wurde später kurzfristig freigelassen, kurz danach aber wieder verhaftet.

Studenten der Amir-Kabir-Universität traten am 8. August aus Solidarität mit den Gefangenen in Evin in den Hungerstreik (s. Artikel auf Julias Blog).

Montag, 9. August 2010

Familie Mostafaeis frei

Die Familie des Anwalts Mostafaei ist freigelassen worden. Mostafaei hatte zuvor die Verteidigung der zur Steinigung verurteilten Iranerin Ashtiani übernommen. Seine Frau, der Bruder seiner Frau und sein Schwiegervater wurden verhaftet, besser gesagt als Geiseln festgenommen. Daraufhin ist er in die Türkei geflüchtet.

Vergleichbare Artikel
Julias Blog: Interview mit Mohammad Mostafaei: „Ich hatte das Recht, Sakineh Mohammadi zu verteidigen“ Sehr empfehlenswert
Guardian: Iranian facing stoning speaks: 'It's because I'm a woman'
Guradian (by Shirin Ebadai): When adultery means death

Freitag, 6. August 2010

Mousavi zu den Hinrichtungen von 1988

Mousavi traf sich am Dienstag mit einigen Journalisten. Es wurde abgemacht, dass nur Kaleme, eine Mousavi-nahe Webseite, über das Treffen berichtet. Die Onlinezeitung Rooz gab aber bereits am Mittwoch bekannt: Mousavi wurde zu den Hinrichtungen von 1988 befragt. Es hänge von Kaleme ab, ob Mousavis Antworten der Öffentlichkeit mitgeteilt werden oder nicht. Laut Kaleme sagte Mousavi über die Hinrichtungen von 1988:


Die Fragen über 1988 müssen anhand der historischen Situation analysiert werden und dann muss gesehen werden, ob die Regierung darüber informiert wurde. Hat sie eine Rolle gespielt? Hat sie überhaupt die Möglichkeit gehabt sich einzumischen? Ist in den Dokumenten und Urteilen die Regierung überhaupt erwähnt worden? Die Regierung spielte doch keine Rolle in diesem Thema. Viele der Anderen wussten gar nichts davon. Aber ich habe auch Einschränkungen, diese Fragen detaillierter zu diskutieren.

Vergleichbare Artikel:
Enthüllung der Geschichte: Mousavis Rücktritt 1988

Deutschland: Ein iranischer Dissident erzählt; Arte (Video)

Mittwoch, 4. August 2010

Enthüllung der Geschichte: Mousavis Rücktritt 1988

1988: Mousavi war Ministerpräsident, Chamenei Präsident. 
Es heißt, dass es bereits damals große Auseinandersetzungen zwischen den beiden gab. 

In der vergangenen Woche beschäftigten sich zahlreiche persischsprachige Webseiten und Medien intensivst mit der Geschichte Irans:

Zum dreißigsten Jahrestag des Schah hat unter anderem BBC-Persia viele interessante Berichte und Interviews über ihn veröffentlicht. Das Massaker von 1988 wurde von verschiedenen Webseiten, unter anderem von Boroumand Foundation, unter die Lupe genommen. Und Mousavis Rücktritt 1988, mit dem ich mich heute befassen werde:

Mousavi droht, Bani-Sadr veröffentlicht
Bani-Sadr war der erste Präsident Irans. Seine Amtszeit dauerte aber nicht lange an. Ihm wurde unter anderem die Zusammenarbeit mit der MKO vorgeworfen. Daraufhin floh er ins Ausland und lebt seitdem in Paris im Exil. Er veröffentlicht seither die Zeitung Islamische Revolution im Exil.

Neulich drohte Mousavi an, die Gründe für seinen Rücktritt als Premierminister 1988 zu veröffentlichen. Bani-Sadrs Zeitung veröffentlichte eigentlich bereits damals den Brief Mousavis an Chamenei, veröffentlichte ihn nach 22 Jahren aber nochmal um "die heutige Generation zu informieren." Die Zeitung erinnert den Leser daran, dass damals Rafsanjani Parlamentschef war.

Mousavis Brief zu seinem Rücktritt als Ministerpräsident
(übernommen aus Julias Blog)
Im Namen Gottes,
sehr geehrter Herr Präsident [Ali Khamenei],

ich bin in meinem öffentlichen Rücktrittsgesuch nicht auf die Gründe eingegangen, die mich zu diesem Schritt bewogen haben, weil die Feinde des Landes diese Gründe missbrauchen könnten. Deshalb möchte ich meine Beweggründe hier darlegen für den Fall, dass dies in Zukunft von Nutzen sein kann.

1) Die Regierung hat keinen Einfluss auf die Außenpolitik. Heute liegen Afghanistan, Libanon und Irak in Ihren Händen. Briefe werden an verschiedene Länder geschrieben, ohne dass die Regierung davon weiß. Ich als Premierminister habe nur zufällig von diesen Briefen und ihren Inhalten erfahren. Der japanischer Premierminister und unser Parlamentschef tauschen Briefe aus, und ich erfahre davon bei einer Veranstaltung!

Herr [Javad] Larijani *) sagt, dass die Regierung über fünf verschiedene Kanäle mit der US-Regierung in Kontakt steht. Ich habe überhaupt keine Kenntnis darüber, was für Verbindungen das sind. Überall wird von der Außenpolitik der iranischen Regierung gesprochen, aber die Regierung selbst hat keinerlei Einfluss auf sie.

2) Die Operationen in Ausland geschehen, ohne dass die Regierung etwas davon mitbekommt. Sie wissen, welche verheerenden Auswirkungen diese Operationen auf unser Land hatten. Flugzeuge werden entführt, im Libanon wird Blut vergossen, und von all dem erfährt die Regierung erst zum Schluss. Als bei iranischen Pilgern in Jeddah C4-Sprengstoff entdeckt wurde, habe ich das erst [von der saudischen Botschaft in Teheran] erfahren. **)
So etwas hat sehr schädliche Folgen für unser Land, und leider wird es auch in Zukunft solche Aktionen im Namen der Regierung geben.

3) Der Ausschuss für Finanzplanung wurde aus politischen Gründen aus der Zuständigkeit des Ministerpräsidenten entfernt, was bereits katastrophale Auswirkungen auf das Land hatte. Leider ist im Schlichtungsrat kein Problem für dieses Problem gefunden worden, ebensowenig wie für das Problem der Ratgeber-Minister. ***)

4) Die gesetzliche Macht der Regierung und ihrer Minister wird durch die ungesetzmäßig installierten Räte geschwächt.

5) Ich habe keine Macht, um für die Aktionen, die im Namen der Regierung erfolgen und von denen wir keine Kenntnis haben, vor dem Parlament und der Regierung die Verantwortung zu übernehmen.

6) Abschließend erinnere ich nochmals daran, dass Gott weiß, dass mein Rücktritt nicht bedeutet, dass ich einen Groll hege. Die Islamische Revolution wird ihren Weg auch ohne mich finden. Ich trete aus dem Gefühl der Machtlosigkeit zurück.

14. Shahrivar 1367 (September 1988)

Bani-Sadrs Zeitung veröffentlichte den Brief Mousavis vor 22 Jahren

Mögliche Quelle

Bani-Sadr sagte der Deutschen Welle, dass der Brief wahrscheinlich durch Chomeinis Büro durchgesickert ist. Oder Ahmad Chomeini (Chomeinis Sohn) wollte mit diesen Herren eine Rechnung begleichen. Es ist noch zu erwähnen, dass dieser Rücktritt von Chamenei abgelehnt wurde. Grund: es koste die Islamische Republik zu viel (Quelle: Khodnevis).

Schlusswort

Ich las den Brief noch einmal. Dabei wurde mir klarer, warum Chamenei nicht wollte, dass Mousavi Irans Präsident wird. Ich bin aber auch der Meinung, dass Mousavi endlich die Geheimnisse seiner Zeit aussprechen soll. Letztes Jahr, kurz nach den manipulierten Wahlen, nachdem Irans Jugend auf der Suche nach ihrer wahren Stimme auf den Straßen erschossen wurde, war es die beste Zeit mit der Nation die Geheimnisse zu teilen. Ein Jahr ist bereits vergangen. Irans Jugend ist immer noch durstig nach Wahrheiten. Warum Mousavi bis heute geschwiegen hat, diese gute Gründe zu veröffentlichen ist mir immer noch ein Rätsel.