Samstag, 31. Dezember 2011

Wieso Iran sich in einen Gottestaat verwandelte (3)



Teil 1 - Einleitung
Teil 2 - Schah Mohammd Reza Pahlavi

Teil 3 - Irans Intellektuelle
1. Wie haben Intellektuelle Dr. Bakhtias Sturz vereinfacht?

Man kann den Sieg der Islamischen Revolution als Sieg der Dummheit über Tyrannei bezeichnen. Diesen Sieg darf man aber nicht alleine den Mullahs zuschreiben. Iranische Intellektuelle, von Ausnahmen abgesehen, haben beim Sieg der Revolution eine negative Rolle gespielt. Die Fehler, die sie begingen, waren wie wir sehen werden zu vermeiden. Man könnte gar meinen, dass sie verantwortungslos mit ihrer Rolle umgingen.

Während der Pahlavi-Dynastie hatten Irans Intellektuelle keine so große Tribüne wie manch Freitagsprediger. Trotzdem hatten sie zu bestimmten Zeiten die Möglichkeit bekommen, das Volk über die Gefahren der Revolution von Ajatollah Chomeini zu informieren. Das Problem war, dass sie selbst diese Gefahren nicht gesehen hatten, weil sie unter anderem ihre eigene Geschichte nicht kannten.

Hushang Asadi, Autor vieler Novellen und Theaterstücke, war vor der Revolution von 1979 stellvertretender Herausgeber der größten iranischen Tageszeitung Kayhan. In einem seiner Artikel gesteht er wie leicht sie die historische Chance Bakhtiar verpassten. Er erzählt die Geschichte eines Treffens vom Ministerpräsidenten Bakhtiar mit Journalisten. Bei diesem Treffen verlangten Journalisten, dass das Militär die Zeitungsredaktionen verlässt und Beh Āin, einer der Gründer des Vereins der iranischen Schriftsteller, freigelassen wird. Asadi schreibt:

"Als nächster wurde Beh Āin freigelassen. Das Militär verließ die Zeitungsredaktionen. [...] Ich glaube, es gab noch nie so viel Pressefreiheit im Iran wie in diesen 38 Tagen. Bakhtiar hielt sein Wort [...]. In der Nacht rief ich Chamenei [heutiger Revolutionsführer] an. Er war besorgt, dass die Presse Bakhtiar unterstützen würde."

Am nächsten Tag sprach Asadi vor einer großen Menge von Menschen:
"Wir werden heute die Zeitung veröffentlichen. Die Zeitungen können ein roter Teppich für Bakhtiar sein oder eine Kugel in seiner Brust. Wir wollen das Zweite. Was wollt ihr?
Die Menge antwortete: genau das ... genau das ...
[...]
Die ersten Opfer der Revolution waren aus dem Kreis dieses Tages".
Intellektuelle Iraner waren genauso erblindet von der Revolution wie das Volk. Nicht nur hatten sie es verpasst, das Volk über diese historische Chance zu informieren, sie hatten auch Ajatollah Chomeini dem Volk gegenüber als eine vertrauenswürdige Person dargestellt. Warum?

2. Warum haben sie Ajatollah Chomeini vertraut und sind ihm hinterher gelaufen?


In den letzten Jahren der Revolution hat Ajatollah Chomeini von Freiheit und Demokratie gesprochen. Die Naivität der Intellektuellen wird aber dem Leser klar, wenn er weiß, dass die Antwort auf folgende Fragen schlicht und einfach mit Nein zu beantworten ist.

Haben die Intellektuellen den Ajatollah gefragt, was er unter Freiheit versteht?

Haben sie ihn gefragt, wie "Demokratie wie in Frankreich" mit dem Islam nach seinem Verständnis zu vereinbaren sei?

Haben sie ihn gefragt, ob er immer noch von den Gedanken seines im 1970 veröffentlichten Buches "Velayat-e-Faghih", in dem er seinen idealen Staat beschrieb, überzeugt sei?

Haben sie ihn gefragt, warum er neun Jahre lang dieses Buch nicht einmal erwähnte?

Hatten die Intellektuellen überhaupt dieses Buch gelesen?

Hatten sie sich nicht gefragt, ob man überhaupt einem Menschen vertrauen könne, dessen Vorbild Modarres war, der die konstitutionelle Revolution verriet? Hatten sie sich überhaupt mit der konstitutionellen Revolution auseinandergesetzt?

Wir können nicht genau sagen, wie der heutige Iran aussehen würde, wenn diese Fragen mit ja beantwortet werden könnten. Wir können nicht einmal sagen, ob Chomeinis Revolution und Ideologie an Bakhtiar scheitern würde. Dies wäre aber viel wahrscheinlicher. Die Medien hätten Ausschnitte des Buches des Ajatollahs dem Volk zeigen und sagen können wie gefährlich diese Ideologie sei. Sicherlich hätte Ajatollah Chomeini massiv an Anhängern verloren. Blöd nur das das kontraproduktive Buch bis 1979 im Iran verboten war.

Sprichwörtlich sagt man im Iran: "Einen Mullah musst du 5 Toman geben damit er auf die Kanzel geht und seine Rede hält. Du muss ihm aber 50 Toman geben, damit er wieder runter kommt". Es klingt vielleicht flach, hätte man aber nicht denken sollen, was man dem Mullah geben muss, damit er das politische System abgibt?

Ende

Samstag, 24. Dezember 2011

Frohe Weihnachten

Dieses Lied hat mit Weihnachten nichts zu tun. Wer hat aber schon etwas gegen schöne Musik in der Urlaubszeit (außer ein paar Mullahs von der Steinzeit)?



Wer sich etwas weihnachtlicheres wünscht kann hier klicken! Frohe Weihnachten!

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Bahman Amouies Brief aus dem Gegängnis an seine Frau: "Wir waren Feinde, aber hier in Evin sind wir alle zusammen"

Der Breif von Bahman Amouie ist eigentlich an seine Frau, Jila Bani Yaghoub, gerichtet. Liest man aber den Brief, bekommt man das Gefühl, dass der Brief auch an manche im Ausland lebende Iraner geschrieben wurde.

Der Brief stellt zusätzlich die positive Stimmung im Evin Gefängnis dar. Für gute Stimmung im Gefängnis sorgen politischen Gefangene trotz Folterungen und schlechte Haftbedingungen. Amouie erzählt in seinem Brief, wie dies gelingt. Lesen Sie Wort für Wort.

Der vollständige Wortlaut des Briefes, wie er der oppositionellen Webseite Kaleme vorliegt, wurde von Julia übersetzt. Diese Übersetzung des Briefs habe ich von Julias Blog ohne Änderung und Verkürzung übernommen (wer sich zusätzlich für das Vorwort von Kaleme interessiert, kann dies im Julias Blog lesen):

Meine liebe Zhila,

ich sitze auf einem Holzstuhl mit kaputten Armlehnen im Hof von Abteilung 350 und starre vor mich hin.  Seit einer Woche regnet es, die Sonne lässt sich nicht blicken. Die Wolken sind so dick und dicht, als wollten sie alles herunterregnen lassen, was sie tragen.

Für mich ist es kalt, der Nordwind bläst und bring kalte Luft heran. Wie immer, wenn der Herbst beginnt, habe ich jeden Tag das Gefühl, eine Erkältung zu bekommen. Gegen Ende des Winters werde ich ein paar heftige Erkältungen haben – du kennst mich ja.

In diesen regnerischen Tagen verbringen wir unsere Tage und Nächte zumeist in unseren Zellen in Abteilung 350, auf unseren Betten, die die privatesten Rückzugsorte sind, die wir haben.

Wir sind 18 in unserer Zelle, und wir können nicht einmal eine Tasse Tee trinken, ohne den anderen zu nahe zu kommen. Das Gefängnis hat offenbar kein Heizöl mehr, denn es ist kalt, und wir haben kein heißes Wasser. Seit Tagen habe ich nicht mehr geduscht.

In diesen Tagen denke ich immer öfter daran, was jenseits dieser hohen Mauern ist, und an unsere gemeinsame Zeit.

Heute habe ich beschlossen, dass es vielleicht keine schlechte Idee wäre, den Brief an dich zum Anlass zu nehmen, um zu Papier zu bringen, wie ich mich hinter diesen hohen, dicken Mauern fühle.
Du siehst, Zhila, wie selbstsüchtig Männer sind. Selbst wenn wir unseren Frauen etwas sagen möchten, stellen wir uns selbst noch in den Mittelpunkt.

Wir sitzen hier manchmal herum und unterhalten uns. Immer, wenn dein Name fällt, erzähle ich allen, dass du meine Ansichten geändert hast, wie viel tiefer ich mich jetzt mit Dingen und Menschen beschäftige, und wie du mir beigebracht hast, den Kleinigkeiten mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Von dir habe ich gelernt, regelmäßig Bücher über spezielle Themen zu lesen. Ich verdanke dir viel, unter anderem, dass ich jetzt hier bin, was eines der wichtigsten und wertvollsten Kapitel meines Lebens ist.

Ohne dich wäre ich jetzt vielleicht ganz woanders in meinem Leben und nicht hier, unter den allerbesten Kindern meines Landes.

Doch ich bin an einen Ort gekommen, auf den ich stolz sein kann, ebenso wie auf den Lebensweg, den ich gewählt habe. Ich kann mit Stolz sprechen. So fühlt man sich, wenn man ein politischer Gefangener ist.

Im Moment sitze ich nur wenige Meter entfernt von der hohen Mauer, die den Hof umgibt. Es ist eine rote Ziegelmauer, die von Stacheldraht gekrönt ist. Morgens scheint das Sonnenlicht durch diesen Stacheldraht, und wenn wir Glück haben, sehen wir Nachts den Mond dahinter scheinen.
Vor einigen Tagen sah ich während des Abendappells um 18 Uhr den Mond im Osten aufgehen. Es war Vollmond. Ich lächelte vor Freude und stellte mich auf die Zehenspitzen, um den Mond hinter der Mauer besser sehen zu können.

Alireza Beheshti Shirazi fragte mich mit seinem vertrauten Lächeln, warum ich lächele, und ich zeigte ihm den Mond und sagte, dass es lange her sei, dass ich den Mond zuletzt gesehen hätte. Es war, als sei der Mond hinter demselben Stacheldraht gefangen wie wir.

Mauern, Mauern, Mauern – wo ich auch hinsehe, überall sind Mauern. Eine 50 Zentimeter dicke rote Mauer, gleichsam als ob jeder Dezimeter die Geschichte eines Jahrzehnts unseres Leben erzählen würde.

Was ist in den letzten fünfzig Jahren mit diesem Land geschehen? Dieses Gefängnis wurde anscheinend ja in den 1950er Jahren gebaut.

Es ist, als teilten wir alle und alle Gefangenen vor uns dieselben Erinnerungen. Jede Ecke dieses Ortes muss wohl Erinnerungen bergen. Ich streiche mit der Hand über die Mauer und versuche, einige dieser Erinnerungen zu spüren.

Erinnerst du dich an Mohammad Mehdi Frouzandehpour, den Büromanager Mir Hossein Moussavis in der Kunstakademie? Wir unterhalten uns jetzt oft.

Gestern sagte er, dass man unser Denken all die Jahre hinweg so sehr beeinflusst hat, dass es sich wie Mauern zwischen uns und die anderen Menschen gestellt hat. Sie haben uns unsere Gesellschaft und unser Volk nicht so sehen lassen, wie sie wirklich sind.

Sie haben die Menschen mit verschiedenen Überzeugungen und Ideologien versehen, die nicht unbedingt wahr sind, und all diese Überzeugungen und Ideologien wurden in unseren Köpfen zu Tabus, denen wir uns auf keinen Fall nähern sollten.

Frouzandehpour sagte mit Bedauern: „In den Monaten, die ich im Gefängnis verbracht habe, ist mir klar geworden, wie sehr wir uns selbst isoliert haben und wie wenig wir andere gesehen haben.“
Er sprach von den nationalreligiösen Aktivsten, mit denen er sich eine Zelle teilt. „Es sind sehr freundliche und aufrichtige Menschen, ebenso wie die linken Studenten. Warum hat man uns das nicht wissen lassen und uns nicht erlaubt, diese Leute als die Menschen zu sehen, die sie sind?“
Was Frouzandehpour da sagte, war sehr interessant. Ich hatte kürzlich genau über dasselbe nachgedacht. Wände, Mauern, noch mehr Mauern.

Gestern ging das Gerücht, dass es heißes Wasser gibt. Wir alle stellten uns in die Schlange, um zu duschen. Der Anblick dieser Szene ließ mich plötzlich denken: Jede Facette der iranischen Gesellschaft ist hier repräsentiert, das gesamte politische Spektrum.

Mohsen Mirdamadi, der frühere Gouverneur und Parlamentsabgeordnete, unterhielt sich mit linken Studenten. Javad Lari, ein Mitglied der Volksmojahedin (MKO), spülte Geschirr. Fayzollah Arabsorkhi duschte gerade. Der nationalreligiöse Aktivist Alireza Rejaei tippte mir auf die Schulter und sagte, ich würde wohl der letzte sein, der unter die Dusche geht.

Zhila, wie weit wir all diese Jahre voneinander entfernt waren, und wie nah wir einander jetzt sind. Ich weiß nicht, aber ich glaube, dass wir nach dreißig Jahren gegenseitiger Feindschaft jetzt unsere Differenzen beiseite gelegt haben. Wir sind alle zusammen, wenn auch im Gefängnis. Ist es nicht genau das, was die Grüne Bewegung will?

Wir hatten Gelegenheit, miteinander zu reden – etwas, das wir alle vorher nur zögernd getan hätten. Wir waren zu Feinden geworden. Wir nannten einander Ungläubige, Ketzer und Gegner der Revolution des Volkes.

Vor einigen Tagen holten sie Amin Niyaeifar zum Auspeitschen. Er ist 21 Jahre alt und wiegt nicht mal 50 Kilo. Er ist sehr dünn. Als sie diesen Studenten, der an der Teheran-Universität Maschinenbau studiert, in unsere Abteilung brachten, haben alle mit ihm gescherzt und gesagt, dass er jetzt, wo er hier ist, mehr essen kann und nicht mehr so unterernährt sein wird.

Als er von der Auspeitschung zurückkam, konnten wir die blutunterlaufenen blauen Striemen auf seinem Rücken sehen. Wir wussten nicht, was wir tun sollten. Viele andere Gefangene aus den umliegenden Zellen kamen zu uns in die Zelle. Wir scherzten und lachten, um die schwere, traurige Stimmung aufzuhellen.

Zhila, lass mich dir etwas interessantes erzählen. Wir machen hier etwas, was mir einen Anlass gibt, an dich zu denken. In diesen Situationen stelle ich mir immer vor, wie du vor mir stehst.

Jeden Freitag Nachmittag versammeln wir uns im 200 m großen Hof von Evin. Der Student Ali Malihi veranstaltet dort ein Programm mit dem Namen „Kultur und Natur“. Wir sitzen im Hof und stellen uns vor, mitten in der saftig grünen Natur zu sein. Einige rezitieren Gedichte, andere singen Lieder. Wir applaudieren den Vortragenden. Wir versuchen, dabei möglichst laut zu sein. Weißt du, warum? Du hast ja wahrscheinlich gehört, dass die weiblichen politischen Gefangenen jetzt unsere Nachbarn sind – sie befinden sich gleich hinter der Mauer.

Wir klatschen also heftig und versuchen, sehr laut und fröhlich zu sein, um den Frauen auf der anderen Seite der Mauer etwas von unserer Fröhlichkeit zu geben. Wir tun das, damit wir sagen können: Wir sind hier, und wir sind unzählig viele.

Der Arbeiteraktivist Ebrahim Madadi ruft ganz laut „Hallo“ und hofft, dass die Frauen auf der anderen Seite der Mauer es hören. Obwohl wir nicht wissen, ob sie uns hören können oder nicht.
Manchmal stelle ich mir vor, dass du auch dabei bist, neben Bahareh Hedayat, Nasrin Sotoudeh, Mahdiyeh Golrou, Atefeh Nabavi und den anderen.

Noch interessanter ist, dass wir sie manchmal lachen hören – so als wollten sie ihre Fröhlichkeit auch mit uns teilen.

Wenn Asghar Mahmoudian, der Vater und der Sohn Daneshvar, Vahid Laaleipour und Hamed Yazerloo das Lachen der Frauen hören, steigen ihnen Tränen der Freude in die Augen. Ihre Frauen und Mütter sind unter den Gefangenen. Ihre Liebsten befinden sich nur wenige Meter entfernt, jenseits der hohen Mauern. Es ist so schwer, geliebte Menschen so nah bei sich zu haben und sie trotzdem nur alle paar Wochen 20 Minuten lang sehen zu können.

Meine liebe Zhila, ich vermisse dich so sehr. Manchmal denke ich, es wäre gar nicht so schlimm, wenn sie deine Haftstrafe vollstrecken würden, denn dann könntest du auf der anderen Seite der Mauer sein. Und ich würde dein Lachen hören, so wie Vahid seine Frau Mahdiyeh lachen hört.
Zudem könnten wir uns immer wieder von Angesicht zu Angesicht sehen, und wenn wir Glück haben, würden wir uns sogar in der Krankenstation begegnen.

Manchmal denke ich sogar, dass das Gefängnis heutzutage für Menschen wie dich der sicherste Ort ist. Hier gibt es wenigstens zwei Mal am Tag einen Appell. Wenn draußen mehrere Menschen am Tag vermisst werden, macht das einige Leute vielleicht sogar glücklich. Darum glaube ich, dass du im Gefängnis jetzt sicherer wärst.

Zhila, du glaubst nicht, was für Leute sie in den letzten Wochen verhaftet und hierher gebracht haben – zum Beispiel einen Lastwagenfahrer und einen 75 Jahre alten Mann. Beide sagen, dass sie zu Hause saßen und eine Sendung des Fernsehens der Islamischen Republik angeschaut haben, in der berichtet wurde, dass die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist und die Wirtschaftslage sich verbessert hat. Sie sagen, dass sie über diese Lügen im staatlichen Fernsehen so wütend wurden, dass sie auf die Straße gingen und mit Graffiti gegen diese Lügen protestierten. Sie wurden verhaftet.

Heute brachten sie einen Universitätsprofessor aus Isfahan, den sie seinem Hörsaal abgehört hatten. Das, was er in seiner Vorlesung gesagt hatte, habe wie regimefeindliche Propaganda geklungen, sagen sie. Nach 35 Tagen Einzelhaft im Gefängnis von Isfahan haben sie ihn hierher gebracht.

Tja, Zhila – was kann ich dir noch erzählen. Du weißt, dass es für einen Mann wie mich, der mit der Bakhtiyari-Kultur großgeworden ist, sehr schwer ist, seine Gefühle auszudrücken. Vielleicht habe ich deshalb versucht, mich mit diesen Worten auszudrücken. Ich habe all diese anderen Dinge geschrieben, um dir zu sagen, dass du immer gütig zu mir warst und mir immer verziehen hast. Du bist das Beste, was mir in meinem ganzen Leben passiert ist.

Bahman Ahmadi Amouei
Donnerstag, 3. November 2011
3 Uhr Morgens, Evin, Abteilung 350, Zelle 9

Der nierenkranke Aktivist im Hungerstreik

Hossein Ronaghi Maleki ist ein wahrer Held im Kampf gegen Zensur. Der Blogger und Tweeter mit dem Pseudonym Babak Khorramdin setzte sich mit Programmieren gegen Filtering ein und war Mitglied der Gruppe Iran Proxy.

Dem nierenkranken Aktivist wurde bisher kein medizinischer Hafturlaub gewehrt. 10 Monate lang verbrachte er in der Einzelhaft, Insgesamt 15 Jahre lang soll er für seinen Kampf gegen Zensur im Gefängnis bleiben. Auch seinen Bruder haben sie verhaftet und gefoltert, damit Hossein seine Freunde verrät. Vergebens ...

Die Geschichte von Hossein Ronaghi Maleki ist lang und schmerzhaft. Er ist zur Zeit im Hungerstreik.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Angreifer auf die britische Botschaft: „Wir wurden benutzt“ – „Aktion vom Führer angeordnet“

Julias Blog -  [...] „Vor dem Eingang der Botschaft standen 30 bis 40 Soldaten. Aber wir konnten ohne Schwierigkeiten durchkommen, und ich, weil ich ziemlich wenig wiege, konnte ohne Probleme über den Zaun klettern und auf das Botschaftsgelände springen. Auf der anderen Seite des Zauns waren ebenfalls etwa 30 Soldaten, die kein Wort sagten, als sei das, was wir taten, völlig normal und als könne jeder einfach so über den Zaun der Botschaft klettern. Sie standen da wie Standbilder aus dem 2. Weltkrieg und warfen uns hin und wieder einen Blick zu“, schreibt der Eine.

Ich kann Ihnen nur empfehlen, den kompletten Artikel zu lesen.

Mittwoch, 30. November 2011

Ende der diplomatischen Beziehungen zwischen England und Iran?

Binnen 48 Stunden müssen iranische Diplomaten London verlassen. Alle britischen Diplomaten werden ebenfalls den Iran verlassen, sagte der britische Außenminister Hague.

Kurz nach der Attacke haben die Machthaber im Iran gemerkt, dass sie zu weit gegangen sind. Ohne Nachdenken über die möglichen Folgen handeln diese Idioten (bitte verzeihen Sie mir die Unsachlichkeit, irgendwann kann ich auch nicht mehr), dann heulen sie und bitten um Verzeihung: der Polizeichef von Teheran besucht die Verantwortlichen der britischen Botschaft versucht zu erklären, wie das alles passieren konnte (+). Der eine Parlaments-Abgeordnete erzählt, dass andere Länder sich sicher fühlen sollen. Auch England werde die Sicherheit garantiert (+). Soll es heißen, "Wir machen es nie wieder"?  ... Zu spät kann ich nur sagen.

Was denken Sie eigentlich wenn Sie diese Bilder sehen?

Norwegen schließt Botschaft

Grund: Sicherheitsbedenken.

Die Mitarbeiter bleiben zunächst im Iran, arbeiten aber an einem anderen Ort. Das norwegische Außenministerium überlegt noch, ob die Mitarbeiter nach Norwegen zurückgerufen werden sollen.

Fotos aus dem Iran - Bassijis in britischer Botschaft

Bild oben: Offensichtlich lässt die Polizei ohne Widerstand die Bassijis durchgehen. In dem rot markierten Bereich ist laut Amir Farshad Ebrahimi der Bassij-Mitglied Karim Jalali zu sehen.

Bilder unten: Iranische Sicherheitskräfte können auch nett mit den "Demonstranten" umgehen. Sie hatten ja auch vor zwei Jahren eng zusammen gearbeitet. Aber die Fotos dürfen nicht inszeniert aussehen. Oder auch doch.  




Die Bassijis sollen dringend ihr Englisch verbessern. Meinen Sie nicht auch?

Und so erobert man die Welt:

Dienstag, 29. November 2011

Nicht Studenten, sondern Bassij-Schergen greifen britische Botschaft an

[update 16:40; neue Meldungen, Videos, etc. zunächst nur auf Twitter]

[update: der Spiegel hat sehr schnell seinen Titel korrigiert. Danke schön]

Ich als Iraner verurteile den Angriff von Bassijis auf die britische Botschaft ausdrücklich.

Der Spiegel meldet, dass iranische Studenten die britische Botschaft gestürmt haben. Dabei handelt es sich aber um ein paar bezahlten Bassiji-Schergen. Wie könnte es sonst sein, dass die vor Ort anwesende Polizei, die in der Lage ist, Millionen von Menschen in Teheran zu unterdrücken, nicht in der Lage wäre, ein Dutzend Studenten zu stoppen?

Anscheinend wollen die Mächtigen im Iran das Land stärker in die Isolation führen.

Freitag, 25. November 2011

Samstag, 19. November 2011

Ägyptische Bloggerin Nackt Gegen Zensur

Nackt von "Mana Neyestani"
(Mit einem Klick auf dem Cartoon, sieht man ihn in der Originalgröße.
Der krokodilförmige Schleier ist dann besser zu erkennen) 
Ich weiß nicht warum die "Nackt Foto Revolution" der ägyptischen Bloggerin, Aliaa Magda Elmahdi, in den deutschen Medien weniger Anklang fand, als in den englisch- und persischsprachigen Medien. Die Aktion ist mutig und verdient ein größeres Echo als bisher.



Empfehlenswert finde ich den ausführlichen Artikel von Sueddeutsche, die die Aktion von verschieden Perspektiven beobachtet.

Klar ist, dass die Aktion nicht zu einem Erdbeben führte, das Fundament der islamistischen Krokodile aber ins Wanken brachte. Umso besser!

Freitag, 11. November 2011

Mittwoch, 9. November 2011

Gegen Krieg, für Alternativen (2) #No2IranWar

Man kann wirklich behaupten, dass alle Gruppen der iranischen Opposition, die wirklich Demokratie haben wollen, gegen einen Krieg sind. Sowohl Intellektuelle, Journalisten und Schriftsteller, als auch politische Gruppen wie Reformer oder Monarchisten. Dass Reformer gegen Krieg sind, sollte klar sein. Reza Pahlavi, der Sohn des letzten Schahs, veröffentlichte auch in seinem Blog, dass er alles daran setzen werde, um einen Krieg zu verhindern und die Weltgemeinschaft zu sagen, dass das iranische Volk sein eigenes Schicksal selbst in die Hand nehmen müsse.

121 iranische Intellektuelle, Schriftsteller und Journalisten haben in einer Erklärung geschrieben, dass "die, die wirklich Demokratie für Iran wollen" – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes – absolut gegen einen solchen Angriff seien (mehr auf Julias Blog; vollständige englische Version der Erklärung).

Es werden immer weitere offene Briefe und Blog Artikel gegen einen militärischen Einsatz geschrieben:

hier     und hier   und das     und eine Facebook Seite     und noch eine Facebook Seite  

und es gibt noch sehr Viele  ...


Twitter-Tag zum Thema: #No2IranWar

Vergleichbare Artikel 
Gegen Krieg, für Alternativen

Montag, 7. November 2011

Wieso Iran sich in einen Gottesstaat verwandelte (2)

Teil 2 - Schah Mohammd Reza Pahlavi

Im ersten Teil haben wir über Freiheiten geschrieben, die es in der Schah-Zeit im Iran gab und heute nicht mehr gibt: Private Freiheiten.



Der Schah war gebildet, modern und hat im Iran Kulturzentren wie Kinos und Theater gebaut. Laut dem, was über ihn geschrieben wurde, war er jemand, der den Iran liebte. Aber er war auch jemand, der alles selber in der Hand nehmen wollte. Seinen Ministerpräsidenten Mossadegh beispielsweise, der die absolutistische Monarchie durch eine konstitutionelle Monarchie ersetzen wollte, stempelte er als Kommunist ab. Die kommunistische Tudeh-Partei wollte zwar Mossadegh unterstützen, Mossadegh war aber nicht bereit mit ihnen zusammenzuarbeiten. In der Selbstdarstellung der Tudeh-Partie Irans heißt es: [1]
"Leider hat Dr. Mossadegh den Warnungen der T.P.I nie Aufmerksamkeit geschenkt und mit übertriebenem Vertrauen zu den Leuten um sich, die ihn dann verrieten, nicht die Bereitschaft gezeigt, in den entscheidenden Momenten für den Kampf gegen Unterdrückung und Kolonialismus uns die Hand zu reichen."

 Time's Man of the year, Mossadegh

Mossadegh erwähnte in seinem Tagebuch immer wieder: "egal wer für Freiheit kämpft, wird als ein Kommunist abgestempelt". Mossadegh, aber auch Anthony Eden, der damalige britische Außenminister, sahen keine kommunistische Gefahr für den Iran. Darüber, ob sie Recht hatten oder nicht sollen Historiker weiterhin diskutieren.

Die Mullahs wie Seyyed Abol-Ghasem Kaschani und Seyyed Mohammad Behbehani sahen in Mossadegh eine Gefahr für den Islam. Sie befürchteten, dass Moassadegh den Iran in eine Republik verwandeln würde. Die Angst der Mullahs vor einer Republik war nichts Neues. Reza Schah Pahlavi, Mohammad Reza Pahlavis Vater, wollte eigentlich eine Republik im Iran gründen. Unter dem Druck der Geistlichkeit, insbesondere Hassan Modarres, scheiterte er daran und gründete eine Monarchie. Die Geistlichkeit sah in der Republik eine Säkularisierung der Gesellschaft und eine Gefahr für die Religion und ihre eigene Macht.

 Ajatollah Kashani

Mit der Unterstützung der Mullahs wurde die Operation Ajax durch die CIA und den MI6 durchgeführt und Mossadegh wurde gestürzt. Nach dieseser Operation, im Iran besser bekannt als CIA-Putsch, wurden die Freiheiten weiterhin eingeschränkt. Madeleine Albright, amerikanische Außenministerin Clintons, entschuldigte sich am 18. März 2000 bei der iranischen Bevölkerung wegen dieser Operation und bezeichnete sie als "Ursache für Regression der politischen Entwicklungen im Iran". Sie fügte hinzu: "der Schah hat zwar vieles für den wirtschaftlichen Fortschritt Irans getan, unterdrückte aber seine Gegner grausam". [2]

***


Politische Aktivisten hatten in den folgenden Jahren kaum politische Freiheit, wie beispielsweise Dr. Schapur Bachtiar, der nach dem Sturz Mossadeghs einer der Führungsmitglieder der Nationalen Front war und mehrfach verhaftet wurde. 

 Dr. Schapur Bachtiar mit einem Foto von Mossadegh

Ende des Jahres 1978 wurde die Situation für den Schah immer schwieriger. Er bot Bachtiar den Posten des Premierministers an, um die Lage des Landes zu beruhigen.

Bachtiar äußerte Mohammad Reza Schah gegenüber:
"Ihr Vater hat meinen Vater umgebracht. Sie haben mich ins Gefängnis geworfen. Ich sollte eigentlich keinerlei persönliche Loyalität ihrer Dynastie gegenüber haben. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass der Iran noch nicht reif für eine demokratische Republik ist. Und wenn die Nation soweit ist, eine Demokratie zu sein, kann dies auch in Form einer konstitutionellen Monarchie geschehen. Zur Zeit ist es allerdings unsere wichtigste Aufgabe, diese Barbaren zu stoppen."
 Dr. Bachtiar und Schah

Grund?! Human Bachtiar, eine Bekannte von Schapur Bachtiar sagt:
"ِBachtiar studierte die Verbindung der Religion und Macht im Altertum und wusste, dass Religion eine persönliche Sache ist. Er wusste, dass die Einmischung von Religion in Politik in Tyrannei und Korruption endet." [3]
Dann kam Ajatollah Chomeini aus Paris in den Iran und erklärte Bachtiars Regierung für illegal. Bachtiar wollte, dass der Ajatollah in der heiligen Stadt Qom einen kleinen Vatikan-Staat gründet, was dem Ajatollah aber nicht gefiel.

***

Konnte Schah den Iran vor der Islamisierung des iranischen Staats retten?

Farah Pahlavi, Irans letzte Königin, sagte Bachtiar im ägyptischen Exil:
"Wenn Sie drei Monate zuvor Ministerpräsident geworden wären, wären wir jetzt alle in Teheran" [4].
Farah Pahlavi

Was wäre, wenn der Schah früher mit seinen Reformen angefangen hätte?

Warum hat die breite Masse nicht auf Bachtiar gehört? Nicht etwa, weil sie ihn nicht kannte? Während Bachtiar und andere säkulare Kräfte gefangen waren, konnten die islamischen Kräfte in Moscheen für Khomeini werben. Wäre der Iran auch dann islamisch geworden, wenn Bachtiar und andere säkulare Intellektuelle ihre eigenen Zeitungen gehabt hätten? Warum war der Iran damals "nicht reif für eine Republik"?

Der Schah hat aber am Ende dem Land die Demokratisierung durch Bachtiar ermöglicht. Es war nicht alleine des Schahs Schuld, dass der Iran sich in einen Gottesstaat verwandelte.

Im nächsten Teil dieser Artikelreihe werden wir sehen, welche historischen Fehler Irans Intellektuelle begangen haben.

Ein paar Quellen aus dem Netz:

[1] 60 Jahre Tudeh-Partei Irans
[2] کودتای ۲۸ مرداد, Wikipedia
[3] BBC, بختیار؛ سرشتی ویژه که قدرش را ندانستیم
[4] BBC, گفت و گو با فرح پهلوی در باره شاپور بختیار و آخرین ماه های نظام پادشاهی

Donnerstag, 3. November 2011

Wir haben unser Leben – von Jila Bani Yaghoub

[Julias Blog] - [...] Bei einem der Verhöre fragte ich den Verhörbeamten – den „Spezialisten“, wie sie sich selbst nennen: „Bitte sagen Sie mir ehrlich, was Ihr Regime mit der fünfjährigen Inhaftierung von Herrn Ganji erreicht hat. Haben Sie mit all den negativen öffentlichen Reaktionen der internationalen Medien und Menschenrechtsorganisationen nicht einen hohen Preis dafür gezahlt? Ist Herr Ganji jetzt nicht berühmter denn je, und wird er seine Ziele nicht noch entschlossener verfolgen als vorher?“

Mein Befrager dachte einen Augenblick nach, bevor er antwortete: „Nun ja, aber wir haben dafür gesorgt, dass Herr Ganji fünf Jahre lang kein Leben hatte.“  [...]

Zum Artikel Sehr lesenswert.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Clintons Interviews mit BBC- und VoA-Persisch (mit Videos in Englisch)

Die US-Außenministerin ließ sich am Mittwoch von persischsprachigen Sendern BBC und VoA interviewen. Sie kündigte in den beiden Interviews die Gründung einer virtuellen US-Botschaft in Teheran an, mit der die iranische Bevölkerung einfacher amerikanisches Visa beantragen kann. 

Insgesamt stellte Bahman Kalbasi von BBC die schwierigeren Fragen als Kambiz Hosseini, Moderator der Erfolgsendung Parazit (Irans Harald Schmidt) mit mittlerweile über 700.000 Facebook-Fans. Beispielsweise wurde Clinton über die Doppelmoral der US-Außenpolitik gegenüber Ländern wie Bahrain und Syrien einerseits und Saudi-Arabien anderseits gefragt. Im Interview sieht man außerdem, dass viele die US-Sanktionen nicht gutheißen, weil diese "viel mehr das iranische Volk treffen als das Regime". Glücklicherweise konnte ich die englische Version der Interviews finden:

Secretary Clinton Interview With BBC Persia


Clinton Tells VOA: US Seeks More Interaction With Iranian People


Im Interview spricht Clinton von einem außenpolitischen Fehler in der amerikanischen Geschichte bezüglich Iran. Sie spricht von Operation Ajax, auch bekannt als CIA-Putsch 1953.

Montag, 24. Oktober 2011

Wieso Iran sich in einen Gottesstaat verwandelte (1)

Teil 1 - Einleitung

Wir, Generation 80er, richteten oft unsere Zeigefinger vorwurfsvoll auf vorherige Generationen und sagten: "ihr seid schuld. Ihr seid schuld dran, dass wir so schlecht leben müssen. Ihr habt revolutioniert und unser Land in die heutige Lage gebracht".  Wir sind natürliche Produkte einer fanatischen Revolution: Wir sind ihr Gegenteil.



Iran, ein Land, in dem die Geschichte rückwerts ging: (fast) die ganze Welt befreite sich von theokratischen Systemen und wurde säkular, Iran aber ist am Ende des 20. Jahrhunderts islamisch geworden! "Wie kann es sein, dass ein Land mit einer alten Kultur so einen Weg einschlägt? Wer hat daran Schuld? Was war schief gelaufen?" Das sind Fragen, die mir nicht selten gestellt wurden.

Wie erblindend kann eine Revolution sein?

Nein, ich bin kein Anhänger der Pahlavi-Dynastie. Ja, es ist mir bewusst, dass in den Zeiten des Schah  Dichter wie Shamlou und Akavan-Sales politische Gefangene waren. Ich weiß auch, dass in der Zeit politische Gefangene gefoltert wurden. Trotzdem gab es in der Schah-Zeit mehr Freiheit als vor der Revolution. Das behaupten auch Alt-Revolutionäre wie Karroubi, Mousavi und Tajzadeh. Tajzadeh z.B. sagte vor den gefälschten Wahlen von 2009, dass vor der Islamischen Revolution der Religiöse in die Moschee gehen dufte, während der Nichtreligiöse im Weinkeller seinen Wein trinken konnte. Damit meinte er, dass es in der Schah-Zeit Freiheiten gab, die es heute nicht mehr gibt.

 Als der Schah den Iran verließ, 
warf sich ein Kommandant auf seine Füße
und sagte: 
"Euer Majestät, gehen Sie nicht.
Was ist mit uns?"

In der Schah-Zeit ging es der Mehrheit der Bevölkerung wirtschaftlich besser als heute. Der iranische Pass war etwas wert, wie Mousavi in seinem Wahlduell im iranischen Fernsehen mutig erwähnte (ja, dazu gehört im heutigen Iran Mut)! Es gab damals keine illegale Musik. Ja, es gab Bücher, die verboten waren, und das ist definitiv nicht gut.

Ich glaube nicht an Engel und Monster. Oft werden aber historische oder politische Personen als Engel oder Monster dargestellt. Damit habe ich ein Problem, weil diese Art von Schwarz-Weiß-Malerei einer sinnvollen Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart im Wege steht.

Es geht mir darum, dass man im Jahr 1979 die Situation des Landes nicht verschlechtern musste, weil es Probleme gab. Und es war sogar möglich eine Demokratie im Iran zu gestalten. Eine Demokratie wie in Frankreich [1]. Dumm nur, dass Irans Intellektuelle die Geschichte des eigenen Landes nicht kannten oder ignorierten und die Fehler der Konstitutionellen Revolution, aber auch andere historische Geschehnisse der zeitgenössischen Geschichte des Irans wiederholten.

***


Wir, die erste Generation, geboren nach der Revolution 1979, waren anti-revolutionär.
Wir waren der Meinung, dass eine Revolution die Situation eines Landes schlimmer machen kann.
Wir glaubten, dass Reformen die einzig richtige Lösung für unser Land sein könnten.
Im Jahr 2009 aber ...

Viele von uns glauben noch heute daran, viele nicht mehr.

Wundert es Sie, dass viele Iraner das Wort "Revolution" bewusst vermeiden wollen und statt dessen von "Grüner Bewegung" sprechen? Man liest, unser Land habe eine Revolutionsdichte von 30 pro 100 Jahren. Stolz sind wir aber nicht darauf.

Schapur Bakhtiar

In den nächsten Wochen werde ich über die verschiedene Gründe schreiben, warum Iran sich in einen Gottesstaat verwandelte. Wir werden sehen, wie Iraner eine historische Chance, namens Schapur Bakhtiar, verpasst haben. Und dieser Name, Bakhtiar, wird in allen Teilen vorkommen. [2]

Fußnoten

[1] Ajatollah Chomeini behauptete während seines Exils in Paris, dass seine erwünschte Republik eine Republik wie Frankreich sei. Jeder weiß heute, dass er damals log.

[2] Ich kenne keinen einzigen iranischen Aktivisten oder nicht-staatlichen Experten, der diese Aussage gänzlich bestreitet, nicht einmal seine früheren Gegner.

Sonntag, 9. Oktober 2011

74 Peitschenhiebe wegen "Beleidigung Ahmadinedjads"


Der Student Peyman Aref (پیمان عارف) wurde für "Beleidigen des iranischen Präsidenten" [1] 74 mal ausgepeitscht. Iran ist nunmal die freieste Republik der Welt.

Sie sehen die Fotos nach dem Auspeitschen:







Fußnote: 
[1] Ahmadinedjad ist nicht unser Präsident. 

Vergleichbare Artikel:Julias Blog: Studentischer Aktivist Peyman Aref nach Auspeitschung freigelassen 
The Guardian: Iranian lashed 74 times for 'insult' to Ahmadinejad

Freitag, 7. Oktober 2011

Fotos aus dem Iran - "Ausländische Partner des Militärs"





"Autoritätstraining in der Anwesenheit von ausländischen militärischen Partnern", schreibt Ayandeh News. Die Trainingsfotos können Sie sich auf meinem englischsprachigen Blog anschauen +.

Montag, 3. Oktober 2011

Wenn alles was Spaß macht verboten ist

Eine junge Frau starb auf der Flucht vor der Polizei bei einer Party-Razzia. Sie sprang sprang aus dem 6. Stockwerk eines Gebäudes in den Tod. Leider ist das Schicksal der jungen Frau aus Mashhad kein Einzelfall. mehr auf Julias Blog.

Freitag, 30. September 2011

Selbstmord einer Bloggerin; Eine Mischung aus Liebe und Politik


Nahal Sahabi, iranische Bloggerin nahm sich das Leben und dafür gab es zunächst einen Grund: Liebe.

Diese Liebe war aber im Iran verboten. Sie durfte nicht offiziell sein. Bis irgendwann ihr Liebhaber, Behnam Ganji, sich das Leben nahm.

Behnam Ganji und ein weiterer Freund von Kouhayar Goudarzi wurden zusammen mit Kouhyar verhaftet. Behnam wurde gefoltert, damit er mit falschen Geständnissen seinen Freund Kouhyar belastet. Er weigerte sich aber. Als er raus kam, nahm er sich das Leben.

Dann machte Nahal ihre Liebe offiziell.
Nicht in der Presse! Das geht ja nicht. Sie machte ihre Liebe in ihrem Blog offiziell.
Dann wurde ihr Selbstmord offiziell.

Nahals Tod war eine Mischung aus Politik und Liebe. 

Freundin, Freund, Affäre. Wörter die manche Webseiten der grünen Bewegung vermeiden zu schreiben. Sie schreiben lieber "eine gute Freundin von Behnam"! Doch diese Wörter sind Teil des Lebens vieler jungen Iraner.

Wörter wie "Freundin" mögen bei manchen nicht gut ankommen (und es sind nicht wenige!). Man muss Nahal aber respektieren, ihren Mut respektieren und schreiben "Nahal war Behnams Freundin". Nahal war wie viele andere iranische Mädchen. Jemandem Freundin zu sein, ist nichts schlimmes. Es ist normal und sollte deshalb normal niedergeschrieben werden.

Ich spreche vom Iran. Ich spreche von den jungen Iranern die im Iran leben und lieben. Die, die vielleicht von einem Nachbar schlecht angeschaut werden, oder sogar von der eigenen Familie, vielleicht sogar vom eigenen Vater, weil sie jemanden lieben. Der Staat verhaftet sie sogar für Händchen halten, auf der Straße. Aber sie leben und lieben. Und dazu gehört ... Mut. Dieser Mut verdient Respekt.

Iranische Regierung tötet Menschen in dem  sie erhängt und steinigt. Das ist aber nicht die ganze Geschichte!

Manchmal verhaftet und foltert sie Menschen. Manchmal droht sie Menschen. Als Folge der Drohung, Folter und Verhaftung verlassen manche ihre Heimat, manche trennen sich vom Leben ... . So etwas wird normaler Weise nicht nieder geschrieben oder analysiert. 

Nahal ist irgendwie ein Symbol. Nahals Tod war eine Mischung von Politik und Liebe.

Freitag, 23. September 2011

Irans neues Problem: Palästinenser beantragen UN-Vollmitgliedschaft


 Abbas und Netanjahu haben ihre Reden in der UN gehalten. Die Delegierten der beiden Länder haben einander zugehört. Abbas und Netanjahu haben ihr bestes gegeben, um ihre eigene Völker zu vertreten. Ich bin mir aber sicher, dass Iran Delegierten das UN-Gebäude während Netanjahus Rede verließen.
Islamische Republik muss halt so tun, als wäre sie mehr palästinensisch als die Palästinenser selbst! Islamische Republik weiß außerdem nicht, wie sie zu Palästinas Beantragung der UN-Vollmitgliedschaft stehen soll: Würde sie sie unterstützen, müsste sie Israel anerkennen. Würde sie dies nicht tun, wäre sie an Israel und Amerikas Seite.


Ahmadinedjad, im Gegenteil zu Abbas und Netanjahu, musste am Freitag zu den leeren Stuhle in der UN sprechen. Gut so, denn Ahmadinedjad ist nicht unser Präsident.

Übrigens: Ahmadinedjad ging mit hundert Mitglieder seiner Familie und die der anderen Delegierten der Islamischen Republik nach New York. Im Geheim lieben sie doch alle USA.

Diktatoren

quelle mirali's soup

Sollten die Leser dieses Blogs nicht verpassen.

Dienstag, 20. September 2011

Wieder ein Iraner wegen politischer Aktivität ausgepeitscht

[Julais Blog] Anders als die Auspeitschung, die vergangene Woche unter hohem Medieninteresse und heftiger Kritik an einer Doktorandin der Soziologie vollstreckt worden war, ist die Auspeitschung Farajis weitgehend unbeachtet geblieben.
Zum Artikel

Fünf Filmemacher wurden verhaftet. Warum wirklich?

Staatlichen iranischen Medienberichten zufolge sind fünf iranische Mitarbeiter des persischsprachigen Fernsehsenders von BBC verhaftet worden (mehr auf Julias Blog). Dass es sich bei den Verhafteten um Mitarbeiter des Senders gehandelt habe, dementierte BBC jedoch (mehr auf Julias Blog). Wer sagt aber die Wahrheit? Kann es nicht sein, dass BBC diese Filmemacher nur schützen will und Verantwortung zeigt? Doch, es kann sein. Kann es aber auch sein, dass die Islamische Republik sich an ein paar Filmemacher rächen will? Nicht nur die Erfahrung zeigt, dass dieser Fall wahrscheinlicher ist.


Mohsen Shahrnazdar

Einer der verhafteten ist Mohsen Shahrnazdar, der bisher nur eine Dokumentation über Sadegh Hedayat gemacht hatte, schreibt ein Blogger der ihn persönlich kennt und das obige Foto von ihm gemacht hatte. Ein Autor, dessen Bücher im Iran nicht gedruckt werden dürfen (trotzdem ist es nicht sehr schwierig an die Bücher zu kommen). Die Bücher des im 1951 verstorbene Autors sind immer noch zu gefährlich für die paranoiden Mullahs im Iran (siehe diesen Artikel von Guardian) . Für viele Literaturkritiker ist Hedayat der bedeutendste Schriftsteller Irans des 20. Jahrhunderts. Er übersetzte und interpretierte übrigens viele Werke Kafkas.

Die Werke Hedayats werden auch von Islamisten in Europa attackiert. In Frankreich sind seine Bücher in manchen Bibliotheken nicht mehr vorhanden.

Freitag, 16. September 2011

„Nachricht von einer Entführung“ wird nach Äußerung Moussavis zum Bestseller

„Um meine Situation zu verstehen, muss man ‘Nachricht von einer Entführung’ von Gabriel Garcia Marquez lesen“, so der iranische Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi bei dem vor Kurzem stattgefundenen Besuch bei seinen Töchtern (mehr auf Julias Blog).

Mousavi sollte meiner Meinung nach wöchentlich ein Buch empfehlen, um die Lesestatistiken des Landes zu erhöhen. 


Donnerstag, 15. September 2011

Wir, erniedrigte Blogger


 Somayeh Tohidlou, eine Bloggerin,  wurde am Mittwoch 50 mal ausgepeitscht. Auf ihrem Blog schrieb sie, dass sie sich erniedrigt fühle. In Google Reader schreibt sie, dass sie nicht hart ausgepeitscht wurde, sondern nur symbolisch. Physisch spüre sie keine Schmerzen, es gebe keinen Grund, sich um sie Sorgen zu machen. Sie will, dass man weniger über sie schreibt, weil viele andere Iraner viel mehr gelitten haben. Sie ist bescheiden, aber sie sagt gleichzeitig die Wahrheit.

Hossein Ronaghi Maleki zum Bespiel ist ein Blogger, der trotz seiner Nierentransplantation im Gefängnis bleiben muss. Omid Reza Mir Sayafi ist ein Blogger der im Gefängnis starb. Es gibt sehr viele gefangene Blogger im Iran. Frauen und Männer. Madyar, Blogger und Menschenrechtsaktivist hat auf seinem Blog versucht einige von ihnen aufzulisten.

So ist das Leben eines Bloggers im Iran. Man kann ins Gefängnis kommen, gedroht und gefoltert werden. Filtering, das betrifft nicht nur uns 'Andersdenkenden', sogar das Weblog eines Bassijis wurde gefiltert. Manchmal beschimpfte er uns auf Google Reader (es ist wegen Filtering kaum möglich in den Blogs Kommentare zu schreiben), so kam er aber mit uns ins Gespräch und las zensierte Meinungen. Er verteidigte zwar die Regierung stets, sagte aber, dass er nicht mit alles einverstanden ist, was im Iran passiert. Zum Beispiel war er gegen Folter und gegen des üblichen Umgang der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten. Sein Blog wurde gefiltert, weil er einige Parlamentsabgeordnete kritisierte. Er war nicht jemand, der trotz Filterings weiter schreiben würde. Er löschte sein Blog.

Gefiltert sind so wie so fast schon alle Blogs im Iran, sogar die nicht politischen Blogs, wie zum Beispiel viele Blogs über Literatur und Kunst. Ja, so ist es im Iran, meine Damen und Herren. Wir Blogger können (mindestens nicht jetzt und sofort) nicht viel dagegen tun und deshalb sind auch wir irgendwie erniedrigt.

***

Haben Sie zufällig Ihr eigenes Blog? Schreiben Sie normaler Weise unpolitische Texte und gar nicht über den Iran? Haben Sie trotzdem Lust Ihren Lesern mitzuteilen, dass es im Iran nicht selbstverständlich ist ohne anti Filter Software Blogs zu lesen, geschweige denn schreiben? Dass es dort Blogger verhaftet, ausgepeitscht und gefoltert werden? Ich wäre Ihnen sehr dankbar ...

Vergleichbare Artikel
Julias Blog:  Regime lässt Bürgeraktivistin auspeitschen – Ebadi: „Akt der Schwäche“
Tehran Bureau: 50 Lashes for Journalist Somayyeh Tohidloo in 'Freest Country in the World'

Sonntag, 11. September 2011

US-Außenministerium bedankt sich für Sympatisieren der Iraner mit den Todesopfern vom 11. Sept.


Am 18. September 2001, mit Kerzen und Schweigeminuten, gingen viele Menschen im Iran auf die Straßen, um als Zeichen des Respekts und des Mitgefühls der Todesopfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 zu gedenken. Heute bedankte sich das amerikanische Außenministerium dafür bei den Iranern.



Samstag, 10. September 2011

Tausende feierten (demonstrierten) in Tabriz (video)

Tabriz, Fahimeh Platz. Slogan: "Es lebe Orumiyeh See. Sollen seine Feinde sterben"

Nach dem Sieg der Mannschaft Traktor von Tabriz gegen Esetghlal von Tehran gingen die Menschen auf die Straßen und jubelten politisch! Etwa vierzig tausend Menschen fuhren zuvor nach Teheran, um im Azadi Stadion das ganze Land auf Orumiyeh See aufmerksam zu machen. Wie dieses Video zeigt hatten auch die Parolen im Stadion weniger mit Fußball zu tun gehabt: sie waren politisch.




Aktivisten planen für Dienstag, den 13. September, landesweite Demonstrationen.

Es ist zu erwähnen, dass während dem Spiel mehrere Menschen verhaftet wurden. Sowohl oppositionelle als auch staatliche Webseiten meldeten Zusammenstöße zwischen der Polizei und den Zuschauern während dem Spiel.

Vergleichbare Artikel
Dreißig Umweltaktivisten verhaftet; Orumiyeh See trocknet weiterhin aus
Zehntausende protestieren in Nordwestiran
Protestaufruf auf den Starßen und im Fußballstadion
"Lass uns mit unseren Tränen den See auffüllen"

Donnerstag, 8. September 2011

Liebe zwischen Katze und Kuh auch verboten!

"In den Seiten 60 bis 65 muss das Wort Liebe korrigiert werden", schreibt das Ministerium für Kultur. Das Ministerium für Kultur ist unter anderem für Zensur zuständig. Wie schön hat George Orwell in 1984 ein nach-revolutionäres Land beschrieben!

Dieser Teil der Geschichte geht um eine Katze, die in eine Kuh verliebt ist!

Ein kleines Mädchen fragt in einer Fernsehsendung nach ihrer Katze. Ein Bauer meldet sich bei der Sendung und sagt, dass die Katze sich bei ihm im Bauernhof befinde. Die Katze werde aber den Bauernhof nicht verlassen, weil sie in seine Kuh verliebt sei: "Das passiert manchmal. Ich glaube es ist etwas wie Liebe. Die Katze ist fast krankhaft in die Kuh verliebt."

Das erfuhr ich über eine Meldung einer Autorin per Google Reader. Ein dreibändiges Buch, das übersetzt wurde. Sie verriet uns aber nicht wie das Buch heißt.

Die Grafik, die angeblich zur Schließung einer Zeitung führte

 klicken Sie auf die Grafik, 
um sie größer beobachten zu können

Diese Graphik war angeblich der Grund für die Schließung der Zeitung Shahrvand. Es passiert häufiger, dass Zeitungen wegen Grafiken und Karikaturen zugeschlossen werden. Am 5. September wurde eine weitere Zeitung wegen eines Titelblatts zugeschlossen (s. Julias Blog).

Die Grafik zeigt Menschen die gehen. Sie sind dieselben Menschen, die eins Ahmadinedjad an die Macht gebracht hatten. Vielleicht sind Pasdaran (Sepah/Bassij/IRGC) gemeint. Vielleicht aber auch seine Anhänger. Auf jedem Fall ist sie keine Grafik, die die Islamische Republik unter Ahmadinedjad duldet. Das glaubt jedenfalls die Bevölkerung.

Viel trauen sich die Zeitungen im Iran sowieso nicht. Also kann es nicht sehr viele Gründe für die Schließung geben. Es gibt trotzdem einen weiteren möglichen Grund: Die anstehende Parlamentswahlen! Die Regierung will vielleicht jedes Risiko vermeiden, sich zu gefährden. Vielleicht hatte sie einfach Angst, dass diese Zeitung in der Zukunft gefährlich wird, dass sie [indirekt] schreibt, dass man nicht wirklich wählen darf im Iran!

Zwei Zeitungen wurden zugeschlossen. Es gibt kaum noch, wenn Überhaupt, nicht-staatliche Zeitungen im Iran. Die Benachrichtigung wird trotzdem funktionieren. Auch falls es kein Internet mehr gibt, gibt es Satelliten. Zur Not gibt es auch Radios. Irgendwie kommt ein bisschen von der Wahrheit immer raus. 

Vergleichbare Artikel:
Der Kampf der Konservativen mit sich selbst!
Der Kampf der Konservativen mit sich selbst - Teil 2 
Der Kampf der Konservativen mit sich selbst - Teil 3

Sonntag, 4. September 2011

Zehntausende protestieren in Nordwestiran

[Julias Blog] Bei Angriffen von Sicherheitskräften gegen zehntausende Demonstranten ist es am Samstag zu Zusammenstößen gekommen. zum Artikel

Samstag, 3. September 2011

Berichterstattung zu den Unruhen im westen Irans

... finden Sie zunächst hier. Aus zeitlichen Gründen werden die Ereignisse nicht hier gebloggt. Auf Twitter schreibe ich hauptsächlich in Farsi und manchmal auch in Englisch. Ich bitte um Verständnis.

Freitag, 2. September 2011

Islamische Republik, scharf attackiert im iranischen Fernsehen!

Ein afghanischer Experte machte das unmögliche möglich: im iranischen Fernsehen die Außenpolitik Irans scharf attackieren!

Am Montag, während einer Live-Übertragung des iranischen Fernsehens, antwortete ein afghanischer Politologe auf die Frage, welche Rolle die Nachbarländer Afghanistans für Afghanistans Stabilität spielen, dass der Iran und Pakistan sich in Afghanistans Angelegenheiten einmischten. Er fügte hinzu, dass kein Nachbarland Afghanistans an der Wiederherstellung der Demokratie in Afghanistan interessiert sei. 

Der Moderator des iranischen Fernsehens, völlig überfordert, blieb überraschenderweise ruhig und höflich: "über Pakistan haben Sie natürlich Recht. Über den Iran bin ich aber nicht mit Ihnen einverstanden". Dann versuchte er das Thema zu ändern und fragte, welche Ziele denn Karsai bei seinem Saudi-Arabien-Besuch habe. 


Der Politologe aus Kabul blieb aber hartnäckig: "Ich respektiere Ihre Meinung über den Iran. Iran hat keine freundschaftliche Beziehung mit seinen Nachbarländern. Iran ist das einzige Land auf der Erde, das total isoliert ist und sich in einer tiefen Krise befindet ...." Der iranische Moderator unterbricht seine Rede, die Stimme des afghanischen Experten wird ausgeschaltet. 





Auf YouTube, aber auch in Google Reader und Facebook, bejubeln iranische Kommentatoren den afghanischen Experten. Es ist mir natürlich klar, dass Iran nicht das einzige isolierte Land auf der Erde ist, Nordkorea beispielsweise ist viel isolierter. Sensationell war das Ganze aber trotzdem.

Sonntag, 28. August 2011

"Lass uns mit unseren Tränen den See auffüllen"

In Orumiyeh und Tabriz haben eine große Anzahl der Menschen an Demonstrationen teilgenommen (Hintergrund). Gegen die Demonstranten wurde Tränengengas eingesetzt, etwa 300 Demonstranten wurden verhaftet, berichtet radiofarda. Warum? Weil sie nicht zusehen wollen, wie der schöne Orumiyeh See in Wüste verwandelt wird!

Das Video zeigt, wie die Sicherheitskräfte versuchten, den Menschen Angst einzujagen.


Parolen: "Der Orumiyeh See ist am sterben, Das Parlament befehlt ihn zu ermorden" und " Lass uns mit unseren Tränen den See auffüllen"


Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften

Freitag, 26. August 2011

Protestaufruf auf den Starßen und im Fußballstadion

Die Azeri Minderheit im West Iran in Azeri-Sprache: "Der Orumiyeh See ist am sterben, Das Parlament befehlt ihn zu ermorden"




Leute marschieren auf den Straßen und kündigen an, wo und wann (Samstag, 27. August, um 18 Uhr) zu demonstrieren"


"Mein türkischer Bruder, begleite uns am Samstag in der Raste Kutsche"

Dreißig Umweltaktivisten verhaftet; Orumiyeh See trocknet weiterhin aus

Flamingos von Orumiyeh See

Am Mittwoch Abend sind dreißig Aktivisten während Fastenbrechens in Azerbaijan verhaftet worden. Diese Aktivisten kämpfen gegen das Austrocknen von Orumiyeh Sees, das gefährdete Flamingo Oase (Video Bericht von Tagesschau).


 v. r. n. l.: 1996, 2001, 2010

Am 3. April 2011 versammelten sich viele Menschen in den Städten Tabriz und Orumiyeh, weil sie die  Regierung auffordern wollten, sich um die Probleme des Sees zu kümmern. Die Versammlungen wurden nieder geschlagen. Die Aktivisten haben einen realistischen Vorschlag: man kann das See mit 2 Mrd. Kubikmeter Wasser auffüllen.

Grund der Verhaftung


Es wurde noch nicht von den Behörden erklärt, warum die Aktivisten verhaftet wurden. Aber man kann sich denken, dass die Sicherheitsbehörden neue Proteste befürchten: Das iranische Parlament hatte am 16. August entschieden, dass das Auffüllen des Sees nicht eile und solle in Ruhe diskutiert werden. Eine Entscheidung, die Umweltschützern unzufrieden machte.

Die Behörden haben wahrscheinlich Angst, dass bei jeglicher Art von Zusammentreffen, sei es religiöse, wie etwa bei einem Fastenbrechen bei jemandem zu hause, Versammlungen jeglicher Art organisiert werden. Die Regierung im Iran hat oft Aktivisten und Politiker bei Beerdigungen (bsp.: Dr. Yazdi), religiöse Zeremonien oder Abendessen verhaftet.

Dienstag, 23. August 2011

Doppelmoral des iranischen Fernsehens bezüglich Gaddafi


Während das iranische Staatsfernsehen zur Zeit die europäischen Politiker für die Unterstützung und Umarmung von Gaddafi kritisiert und blamiert, erinnerte ein Iraner uns mittels Google Reader an folgende Schlagzeilen der persischsprachigen Medien Irans in den vergangenen Jahren:

  • Ahmadinedjad (2009): "Gaddafi soll mir beim globalen Management helfen"

  • Ahmadinedjad in einem Treffen mit Gaddafi: "wir haben gemeinsame Feinde, die nicht wollen, dass unsere Länder mächtig werden"

  • Ahmadinedjad lobte Ansichten Gaddafis

Natürlich kann man Politiker für ihre jahrelange Unterstützung von Gaddafi blamieren, aber nicht wenn man selbst ihn unterstützt und umarmt hat. Die Menschen sind nicht dumm, halten sich aber bei so einem Verhalten vom pseudo-nationalen Fernsehen als für dumm verkauft.

***
Könnt ihr euch eigentlich vorstellen, dass Diktatoren in der Welt zur Zeit gut schlafen können?


"Die Geschichte geht weiter" von Nikahang Kowsar

Mittwoch, 10. August 2011

Ein paar Cartoons von Mana Neyestani

Ich dachte, der Leser dieses Blogs sollte diese Cartoon von Mana Neyestani nicht verpassen.


"Held"






"Anti Autoritarismus"


"Extremist"

Ähnliche Artikel:

Donnerstag, 4. August 2011

Zeidabadis erster Urlaub nach zwei Jehren

Das erste Foto Zeidabadis seit der Beurlabung;
Nach zwei Jahren bei der Familie

Ahmad Zeidabadi bekam heute einen Gefängnisurlaub für zwei Tage, berichtet radiofarda. Seit den verfälschten Wahlen im Juni 2009  bekam er bis heute keinen einzigen Tag Urlaub.