Mittwoch, 29. Juni 2011

Warum Sahabi eine Seltenheit in der Islamischen Republik war?

Als Sahabi starb, schrieb ich, dass er mein Lieblingspolitiker war. Als ich diesen Artikel schrieb, wollte ich direkt danach erklären warum er mein Lieblingspolitiker war, doch wegen der schrecklichen Ereignissen die danach passiert sind, bekam ich die Zeit dazu erst jetzt.

Nachtrag - Diejenigen die dieses Blog seit längerem verfolgen oder mich persönlich kennen, wissen wahrscheinlich, dass ich nicht religiös bin und dürfen sich gefragt haben, wie ein melli-mazhabi, ein national-religiöser Aktivist mein Lieblingspolitiker sein konnte. Auch wenn Sahabi Anhänger einer modernen, weltlichen Interpretation des Islams war, hatte er eine ganz andere Weltanschauung als ich.Wie konnte ich so beeindruckt von ihm sein?

Einerseits ist es naheliegend, dass im Iran ein nicht religiöser Politiker nicht geduldet wird. Shabai und die anderen melli-mazhabis wurden aber auch nicht wirklich in der Politik geduldet, konnten aber trotzdem kurzzeitig Zeitungen publizieren und politisch wirksam sein. Beispielsweise, als seine Präsidentschaftskandidatur im Jahr 1997 vom Wächterrat abgelehnt wurde, riefen sie die Nation auf, den reformisten Khatami zu wählen, der mit großer Mehrheit die Wahlen gewann. Er zeigte der Nation, wie man politisch wirksam sein kann, ohne an der Macht beteiligt zu sein.

Viel wichtiger ist es für mich aber, dass Sahabi eine Politik die mit Ethik vereinbart war betrieb. Wahrscheinlich wusste er selbst, dass Ethik und Politik nicht wirklich zu vereinbaren sind und wahrscheinlich war dies der Grund, dass er sich hauptsächlich der Wirtschaft widmete. Aber im politischen Diskurs handelte er stets ethisch. Er dachte nicht, dass Ethik ein politisches System retten soll, sondern eine Nation. Er war der Meinung, dass eine Gesellschaft die nicht ethisch korrekt miteinander und über einander reden kann, den politischen Forum nicht ändern kann. Er war damit als Politiker eine Seltenheit in der zeitgenössischen Geschichte Irans.

Rafsanjnai war derjenige, der im Jahr 1990 befahl, Sahabi zu verhaften (1), Sahabi wurde im Gefängnis gefoltert. Trotzdem erzählte Sahabi auch über die positiven Seiten von Rafsanjnai, nämlich dass Rafsanjani der einzige hochrangige Politiker der islamischen Republiks war, der bereit war, Wirtschaftsexperten in der Wirtschaft zu tätigen.

Sahabi war immer bereit, die Wahrheit zu sagen und alte Fehler zu gestehen, wie dieses Interview zeigt: (2):
-Wäre es nicht besser gewesen, wenn sie schweigen würden, damit Schah sein Reformen durchführen könnte?

Sahabi: Doch, es wäre besser.

Also, sie gestehen, dass Sie Fehler gemacht haben?

Ja, es war ein Fehler. Schah hat die Revolution die politische Elite verhängt, nicht das Volk... Ich fasse mich kurz: die intellektuelle und politische Elite haben die Revolution von 79 vorbereitet, dann kam die Nation auf die Straße. Der Wegbereiter der Revolution war nicht das Volk. Aber seit dem Jaht 1997 hat sich die Situation geändert. Jetzt will die Elite Reformen, während die Nation eine Revolution haben will.

Quellen:
1 2

Montag, 27. Juni 2011

Hungerstreik für Hoda Saber beendet

Die 12 politischen Gefangenen in Evin beendeten heute ihren Hungerstreik und veröffentlichten einen Statement. Das vollständige Statement können Sie auf Julias Blog lesen. Ich kopierte die mir wichtigsten Teile des Statements für die Leser die weniger Zeit haben auf diesem Blog:
Ehrenwerte iranische Nation,
der Schmerz und das Leid, das der Tod Hoda Sabers über uns gebracht hat, war für all seine Mitgefangenen unerträglich. Ein Hungerstreik war das einzige Mittel für uns, um gegen diese schlimme Tragödie protestieren zu können – genauso wie Hoda Saber selbst mit einem Hungerstreik gegen das Unrecht des Todes von Haleh Sahabi protestierte.
[...] Der Hungerstreik war unsere kollektive Aktion gegen die Unbesonnenheit, Arroganz und die institutionalisierten Lügen unserer Regierung.
 [...] ein weiterer positiver Aspekt unseres Hungerstreiks war die breite Unterstützung, die wir von den Menschen und der Zivilgesellschaft bekamen. Diese Reaktionen waren genau so wertvoll und wichtig wie unser Hungerstreik selbst, und zeigten deutlich, dass die Grüne Volksbewegung lebt und dynamisch ist.

[...] Die große Welle der Unterstützung für uns zeigt, dass das Gewissen unserer Nation angesprochen wurde und verstört ist angesichts des Unrechts, das unseren politischen Gefangenen angetan wird. Sie zeigt, dass die Menschenrechtsverletzungen an politischen Gefangenen und deren Freiheitsforderung für unser Volk noch immer oberste Priorität haben.


[...] Die Unterzeichner möchten sich außerdem bei Emadeddin Baghi und Mohammad Javad Mozaffar bedanken, die vor ihrer Freilassung aus dem Gefängnis mit uns im Hungerstreik waren.
Unterschriften:
Bahman Ahmadi Amouei, Abdollah Momeni, Hassan Assadi Zaeidabadi, Mohsen Aminzadeh, Emad Bahavar, Ghorban Behzadian Nejad, Mohamad Davari, Khosro Dalirsani, Fayzollah Arab-Sorkhi, Abolfazl Ghadyani, Mehdi Karimian Eghbal and Mohamad Reza Moghayeseh.

Sonntag, 26. Juni 2011

Der Kampf der Konservativen mit sich selbst - Teil 3

Ahmadinedjads freier Platz in einem Treffen von Karzai mit Chamenei

Vier Ahmadinedjad nahen Leute wurden in den letzten drei Tagen verhaftet (1). Daraufhin tauchte Ahmadinedjad in einem Treffen von Afghanistans Präsident Karzai mit dem Revolutionsführer Chamenei nicht auf. Die konservative Webseiten des Irans stuften dieses Verhalten von Ahmadinedjad bis jetzt als seltsam ein.

Bereits im April hatte Ahmadinedjad neun Tagelang sein eigenes Kabinett boykottiert, als Chamenei Ahmadinejads Entlassung vom Geheimdienstminister Moslehi widerrufen hatte. Mit solchen Baykotts versucht Ahmadinedjad auf Ajatollah Chamenei Druck ausüben.

Landsame Abschaffung von Mashaei (ANs Staabschef) und seine Freunde
von Nikahang Kowsar

Fortsetzung folgt

Quelle:
1) roozonline 

Vergleichbare Artikel:
Roozonline  Majlis to Ask Questions of Ahmadinejad in 10 Days
Der Kampf der Konservativen mit sich selbst!
Der Kampf der Konservativen mit sich selbst - Teil 2

18 politische Gefangene im unbefristeten Hungerstreik

Für 12 politischen Gefangenen im Hungerstreik; von Mana Neyestani

Am 19. Juni begannen 12 politische Gefangene einen unbefristeten Hungerstreik um gegen den Tod Mord von Hoda Saber zu protestieren. Hoda Saber wurde nämlich am 8. Tag seines Hungerstreiks von Gefängnisbeamten brutal geschlagen. Seine Zellengenossen schrieben in einem Brief:
"Hoda Saber war zunächst am Freitag um 4 Uhr morgens wegen Komplikationen im Zusammenhang mit seinem Hungerstreik in die Krankenstation neben dem Evin-Gefängnis gebracht worden. Etwa zwei Stunden später wurde er in die Abteilung 350 zurückgebracht und hatte heftige Schmerzen".

Die Zellengenossen wachten von seinen Schreien auf. Saber soll ihnen berichtet haben, dass er in der Krankenstation nicht behandelt wurde, sondern von Offiziellen in der Uniform der Mitarbeiter der Station beleidigt, geschlagen und später hinausgeworfen worden sei.
(mehr dazu auf Julias Blog; Paragraph übernommen aus Julias Blog)
Diese 12 Streikenden werden in diesem Artikel in Julias Blog vorgestellt. Am Montag wurde Baghi, einer der Streikenden freigelassen. Mohsen Aminzadeh hat dann Baghis Platz eingenommen. Später schlossen sich weitere sechs politische Gefangene den Streik an (ausführlicher Bericht auf Julias Blog). 

Dienstag, 14. Juni 2011

12. Juni 2011: „Sie verhafteten junge schöne Frauen“

Julias Blog - Auf seinem Blog hat Mehdi Khazali seine Beobachtungen vom „Schweigemarsch“ der Opposition am 12. Juni festgehalten, der anlässlich des 2. Jahrestages der umstrittenenen Präsidentschaftswahl von 2009 in Teheran stattfand. [...] Khazali, Sohn eines bekannten erzkonservativen Geistlichen, ist Anhänger der Opposition und Kritiker des iranischen Establishments. Bei der Niederschlagung der Proteste nach der Wahl von 2009 war er verhaftet worden. Zum Artikel

Zellengenossen des verstorbenen Hoda Saber berichten von Schlägen und Misshandlungen vor dessen Tod

Julias Blog - 64 politische Gefangene in Abteilung 350 des Evin-Gefängnisses haben in einer Erklärung bestätigt, dass Reza Hoda Saber, der am Samstag nach einem fast 10tägigen Hungerstreik verstorbene inhaftierte Journalist, am 8. Tag seines Hungerstreiks von Gefängnisbeamten brutal geschlagen worden sei. Saber sei in der Krankenstation des Gefängnisses von Beamten verprügelt worden, die vermutlich den Sicherheitskräften oder dem Geheimdienst angehörten, heißt es in der Erklärung Zum Artikel

Sonntag, 12. Juni 2011

Politischer Gefangene stirbt in Folge von Hungerstreik

Hoda Saber, iranischer Journalist, politischer Gefangene und Melli-Mazhabi Aktivist starb am Samstag in Folge von Hungerstreik. Hoda Saber und Amir-Khosro Delirsani, ebenfalls politischer Gefangene, gingen nach dem Tod von Haleh Sahabi in Hungerstreik. Hoda Saber wurde am Freitag ins Krankenhaus gebracht. In einem Statement erklärten sie "in Protest zu Haleh Sahabis Tod und um zu vermeiden, dass diese Ungerechtigkeit gegen wehrlose Menschen wiederholt wird, gehen wir in Hungerstreik, nehmen aber weiterhin Flüssigkeiten zu uns". (1)



Die Ärzte des Krankenhauses erwähnten, dass sie Sabers Leben aufgrund der Fahrlässigkeiten der Gefängnisbehörden nicht retten konnten. Hätte die Behörden ihm rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht, wäre seine Rettung vor dem Tod sicher. (2)

 Natural Death of Hoda Saber Quelle

Erst heute durften die Öffentlichkeit und die Familie von Saber über den Tod von Hoda Saber erfahren. Momentan stehen die Familie und Freunde von Saber vor dem Krankenhaus und schreien "gibt uns den Leichnam". Die einzige Antwort die sie bekommen, ist aber "entfernt euch von hier". (3)



Quellen:
BBC-persisch
Tahvolle-Sabz
Kaleme

Samstag, 11. Juni 2011

Fotos aus dem Iran (#15)

"Heiliger Schlagstock"

Wir haben es mit einem Regime zu tun, das den Kindern Schlagstöcke in die Hände drückt und ihnen sagt, diese seien "heilig":


Jafar Pamahi, Regisseur, und Nourizad, früherer Kolumnist der staatlichen Zeitung Kayhan, veröffentlichen ein gemeinsames Foto. Wer hätte gedacht, dass die beiden eines Tages gemeinsam gegen einen Feind kämpfen? Ein Künstler und ein sehr religiöser Mensch.


Nasrin Sotoudeh umarmt mit Handschellen ihren Mann (mehr auf Ali Schirasis Blog)

Donnerstag, 9. Juni 2011

Satelliten-Razzia kurz vor dem Jahrestag der verfälschten Wahlen

Wir stehen kurz vor dem Jahrestag der verfälschten Wahlen von 2009. Ein Grund für die iranische Regierung zu zittern und deswegen mit einer neuen Welle von Satelliten -Razzia anzufangen. Dazu können Sie ein paar Videos auf meinem englischsprachigen Blog, hier und hier, anschauen und ein wenig darüber lesen.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Für Ezatollah und Haleh Sahabi; Mana Neyestani

Breaking News: Heute töteten sie auch Sahabis Tochter

Ezatollah Sahabi und seine Tochter Haleh

Als sie eine Blume und ein Foto von ihrem Vater in einer Hand trug, kam ein Polizist zu ihr, nahm mit Gewalt das Foto von ihr weg, und zerriss das Foto. Haleh, seit gestern unter Druck der Sicherheitskräfte, ging wütend auf ihm zu und fragte, warum er das Photo zerriss. "Was haben wir den getan, dass ihr so mit uns umgeht?"
Die Sicherheitskräfte gingen auf sie los und schlugen sie, bis einer sagte, wie geht ihr mit der Tochter eines Verstorbenen um? Die Sicherheitskräfte zögerten kurz, aber es war zu spät ...


Am Rande
1. Eine große Menge von Menschen wollte zu der Zeremonie hinfahren, die Sicherheitskräfte hatten versucht, sie dran zu hindern. "Sie sagten uns, nur wenn ihr beweisen könnt, dass ihr Familienmitglieder seid, dürft ihr hin. Sie waren sehr streng und unfreundlich", berichten mehrere Leute.

2. Laut dem Sohn von Ajatollah Montazeri wurden bisher mindestens 12 Leute verhaftet.

3. Die Uhrzeit der Zeremonie wurde gestern Nacht von den Sicherheitskräften von 8:30 auf 7:00 Uhr verschoben, damit weniger Menschen an der Zeremonie teilnehmen dürfen.

4. Haleh war seit den verfälschten Wahlen im Gefängnis und wurde angesichts der aktuellen Situation seines Vaters kurzfristig freigelassen.

5. Die Sicherheitskräfte versuchen die Trauernden zu provozieren. Sie haben zum Beispiel die Leiche von Ezatollah Sahabi in den Auto geworfen! Das alles obwohl nicht ein einziges politisches Slogan gegeben wurde.