Freitag, 30. September 2011

Selbstmord einer Bloggerin; Eine Mischung aus Liebe und Politik


Nahal Sahabi, iranische Bloggerin nahm sich das Leben und dafür gab es zunächst einen Grund: Liebe.

Diese Liebe war aber im Iran verboten. Sie durfte nicht offiziell sein. Bis irgendwann ihr Liebhaber, Behnam Ganji, sich das Leben nahm.

Behnam Ganji und ein weiterer Freund von Kouhayar Goudarzi wurden zusammen mit Kouhyar verhaftet. Behnam wurde gefoltert, damit er mit falschen Geständnissen seinen Freund Kouhyar belastet. Er weigerte sich aber. Als er raus kam, nahm er sich das Leben.

Dann machte Nahal ihre Liebe offiziell.
Nicht in der Presse! Das geht ja nicht. Sie machte ihre Liebe in ihrem Blog offiziell.
Dann wurde ihr Selbstmord offiziell.

Nahals Tod war eine Mischung aus Politik und Liebe. 

Freundin, Freund, Affäre. Wörter die manche Webseiten der grünen Bewegung vermeiden zu schreiben. Sie schreiben lieber "eine gute Freundin von Behnam"! Doch diese Wörter sind Teil des Lebens vieler jungen Iraner.

Wörter wie "Freundin" mögen bei manchen nicht gut ankommen (und es sind nicht wenige!). Man muss Nahal aber respektieren, ihren Mut respektieren und schreiben "Nahal war Behnams Freundin". Nahal war wie viele andere iranische Mädchen. Jemandem Freundin zu sein, ist nichts schlimmes. Es ist normal und sollte deshalb normal niedergeschrieben werden.

Ich spreche vom Iran. Ich spreche von den jungen Iranern die im Iran leben und lieben. Die, die vielleicht von einem Nachbar schlecht angeschaut werden, oder sogar von der eigenen Familie, vielleicht sogar vom eigenen Vater, weil sie jemanden lieben. Der Staat verhaftet sie sogar für Händchen halten, auf der Straße. Aber sie leben und lieben. Und dazu gehört ... Mut. Dieser Mut verdient Respekt.

Iranische Regierung tötet Menschen in dem  sie erhängt und steinigt. Das ist aber nicht die ganze Geschichte!

Manchmal verhaftet und foltert sie Menschen. Manchmal droht sie Menschen. Als Folge der Drohung, Folter und Verhaftung verlassen manche ihre Heimat, manche trennen sich vom Leben ... . So etwas wird normaler Weise nicht nieder geschrieben oder analysiert. 

Nahal ist irgendwie ein Symbol. Nahals Tod war eine Mischung von Politik und Liebe.

Freitag, 23. September 2011

Irans neues Problem: Palästinenser beantragen UN-Vollmitgliedschaft


 Abbas und Netanjahu haben ihre Reden in der UN gehalten. Die Delegierten der beiden Länder haben einander zugehört. Abbas und Netanjahu haben ihr bestes gegeben, um ihre eigene Völker zu vertreten. Ich bin mir aber sicher, dass Iran Delegierten das UN-Gebäude während Netanjahus Rede verließen.
Islamische Republik muss halt so tun, als wäre sie mehr palästinensisch als die Palästinenser selbst! Islamische Republik weiß außerdem nicht, wie sie zu Palästinas Beantragung der UN-Vollmitgliedschaft stehen soll: Würde sie sie unterstützen, müsste sie Israel anerkennen. Würde sie dies nicht tun, wäre sie an Israel und Amerikas Seite.


Ahmadinedjad, im Gegenteil zu Abbas und Netanjahu, musste am Freitag zu den leeren Stuhle in der UN sprechen. Gut so, denn Ahmadinedjad ist nicht unser Präsident.

Übrigens: Ahmadinedjad ging mit hundert Mitglieder seiner Familie und die der anderen Delegierten der Islamischen Republik nach New York. Im Geheim lieben sie doch alle USA.

Diktatoren

quelle mirali's soup

Sollten die Leser dieses Blogs nicht verpassen.

Dienstag, 20. September 2011

Wieder ein Iraner wegen politischer Aktivität ausgepeitscht

[Julais Blog] Anders als die Auspeitschung, die vergangene Woche unter hohem Medieninteresse und heftiger Kritik an einer Doktorandin der Soziologie vollstreckt worden war, ist die Auspeitschung Farajis weitgehend unbeachtet geblieben.
Zum Artikel

Fünf Filmemacher wurden verhaftet. Warum wirklich?

Staatlichen iranischen Medienberichten zufolge sind fünf iranische Mitarbeiter des persischsprachigen Fernsehsenders von BBC verhaftet worden (mehr auf Julias Blog). Dass es sich bei den Verhafteten um Mitarbeiter des Senders gehandelt habe, dementierte BBC jedoch (mehr auf Julias Blog). Wer sagt aber die Wahrheit? Kann es nicht sein, dass BBC diese Filmemacher nur schützen will und Verantwortung zeigt? Doch, es kann sein. Kann es aber auch sein, dass die Islamische Republik sich an ein paar Filmemacher rächen will? Nicht nur die Erfahrung zeigt, dass dieser Fall wahrscheinlicher ist.


Mohsen Shahrnazdar

Einer der verhafteten ist Mohsen Shahrnazdar, der bisher nur eine Dokumentation über Sadegh Hedayat gemacht hatte, schreibt ein Blogger der ihn persönlich kennt und das obige Foto von ihm gemacht hatte. Ein Autor, dessen Bücher im Iran nicht gedruckt werden dürfen (trotzdem ist es nicht sehr schwierig an die Bücher zu kommen). Die Bücher des im 1951 verstorbene Autors sind immer noch zu gefährlich für die paranoiden Mullahs im Iran (siehe diesen Artikel von Guardian) . Für viele Literaturkritiker ist Hedayat der bedeutendste Schriftsteller Irans des 20. Jahrhunderts. Er übersetzte und interpretierte übrigens viele Werke Kafkas.

Die Werke Hedayats werden auch von Islamisten in Europa attackiert. In Frankreich sind seine Bücher in manchen Bibliotheken nicht mehr vorhanden.

Freitag, 16. September 2011

„Nachricht von einer Entführung“ wird nach Äußerung Moussavis zum Bestseller

„Um meine Situation zu verstehen, muss man ‘Nachricht von einer Entführung’ von Gabriel Garcia Marquez lesen“, so der iranische Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi bei dem vor Kurzem stattgefundenen Besuch bei seinen Töchtern (mehr auf Julias Blog).

Mousavi sollte meiner Meinung nach wöchentlich ein Buch empfehlen, um die Lesestatistiken des Landes zu erhöhen. 


Donnerstag, 15. September 2011

Wir, erniedrigte Blogger


 Somayeh Tohidlou, eine Bloggerin,  wurde am Mittwoch 50 mal ausgepeitscht. Auf ihrem Blog schrieb sie, dass sie sich erniedrigt fühle. In Google Reader schreibt sie, dass sie nicht hart ausgepeitscht wurde, sondern nur symbolisch. Physisch spüre sie keine Schmerzen, es gebe keinen Grund, sich um sie Sorgen zu machen. Sie will, dass man weniger über sie schreibt, weil viele andere Iraner viel mehr gelitten haben. Sie ist bescheiden, aber sie sagt gleichzeitig die Wahrheit.

Hossein Ronaghi Maleki zum Bespiel ist ein Blogger, der trotz seiner Nierentransplantation im Gefängnis bleiben muss. Omid Reza Mir Sayafi ist ein Blogger der im Gefängnis starb. Es gibt sehr viele gefangene Blogger im Iran. Frauen und Männer. Madyar, Blogger und Menschenrechtsaktivist hat auf seinem Blog versucht einige von ihnen aufzulisten.

So ist das Leben eines Bloggers im Iran. Man kann ins Gefängnis kommen, gedroht und gefoltert werden. Filtering, das betrifft nicht nur uns 'Andersdenkenden', sogar das Weblog eines Bassijis wurde gefiltert. Manchmal beschimpfte er uns auf Google Reader (es ist wegen Filtering kaum möglich in den Blogs Kommentare zu schreiben), so kam er aber mit uns ins Gespräch und las zensierte Meinungen. Er verteidigte zwar die Regierung stets, sagte aber, dass er nicht mit alles einverstanden ist, was im Iran passiert. Zum Beispiel war er gegen Folter und gegen des üblichen Umgang der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten. Sein Blog wurde gefiltert, weil er einige Parlamentsabgeordnete kritisierte. Er war nicht jemand, der trotz Filterings weiter schreiben würde. Er löschte sein Blog.

Gefiltert sind so wie so fast schon alle Blogs im Iran, sogar die nicht politischen Blogs, wie zum Beispiel viele Blogs über Literatur und Kunst. Ja, so ist es im Iran, meine Damen und Herren. Wir Blogger können (mindestens nicht jetzt und sofort) nicht viel dagegen tun und deshalb sind auch wir irgendwie erniedrigt.

***

Haben Sie zufällig Ihr eigenes Blog? Schreiben Sie normaler Weise unpolitische Texte und gar nicht über den Iran? Haben Sie trotzdem Lust Ihren Lesern mitzuteilen, dass es im Iran nicht selbstverständlich ist ohne anti Filter Software Blogs zu lesen, geschweige denn schreiben? Dass es dort Blogger verhaftet, ausgepeitscht und gefoltert werden? Ich wäre Ihnen sehr dankbar ...

Vergleichbare Artikel
Julias Blog:  Regime lässt Bürgeraktivistin auspeitschen – Ebadi: „Akt der Schwäche“
Tehran Bureau: 50 Lashes for Journalist Somayyeh Tohidloo in 'Freest Country in the World'

Sonntag, 11. September 2011

US-Außenministerium bedankt sich für Sympatisieren der Iraner mit den Todesopfern vom 11. Sept.


Am 18. September 2001, mit Kerzen und Schweigeminuten, gingen viele Menschen im Iran auf die Straßen, um als Zeichen des Respekts und des Mitgefühls der Todesopfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 zu gedenken. Heute bedankte sich das amerikanische Außenministerium dafür bei den Iranern.



Samstag, 10. September 2011

Tausende feierten (demonstrierten) in Tabriz (video)

Tabriz, Fahimeh Platz. Slogan: "Es lebe Orumiyeh See. Sollen seine Feinde sterben"

Nach dem Sieg der Mannschaft Traktor von Tabriz gegen Esetghlal von Tehran gingen die Menschen auf die Straßen und jubelten politisch! Etwa vierzig tausend Menschen fuhren zuvor nach Teheran, um im Azadi Stadion das ganze Land auf Orumiyeh See aufmerksam zu machen. Wie dieses Video zeigt hatten auch die Parolen im Stadion weniger mit Fußball zu tun gehabt: sie waren politisch.




Aktivisten planen für Dienstag, den 13. September, landesweite Demonstrationen.

Es ist zu erwähnen, dass während dem Spiel mehrere Menschen verhaftet wurden. Sowohl oppositionelle als auch staatliche Webseiten meldeten Zusammenstöße zwischen der Polizei und den Zuschauern während dem Spiel.

Vergleichbare Artikel
Dreißig Umweltaktivisten verhaftet; Orumiyeh See trocknet weiterhin aus
Zehntausende protestieren in Nordwestiran
Protestaufruf auf den Starßen und im Fußballstadion
"Lass uns mit unseren Tränen den See auffüllen"

Donnerstag, 8. September 2011

Liebe zwischen Katze und Kuh auch verboten!

"In den Seiten 60 bis 65 muss das Wort Liebe korrigiert werden", schreibt das Ministerium für Kultur. Das Ministerium für Kultur ist unter anderem für Zensur zuständig. Wie schön hat George Orwell in 1984 ein nach-revolutionäres Land beschrieben!

Dieser Teil der Geschichte geht um eine Katze, die in eine Kuh verliebt ist!

Ein kleines Mädchen fragt in einer Fernsehsendung nach ihrer Katze. Ein Bauer meldet sich bei der Sendung und sagt, dass die Katze sich bei ihm im Bauernhof befinde. Die Katze werde aber den Bauernhof nicht verlassen, weil sie in seine Kuh verliebt sei: "Das passiert manchmal. Ich glaube es ist etwas wie Liebe. Die Katze ist fast krankhaft in die Kuh verliebt."

Das erfuhr ich über eine Meldung einer Autorin per Google Reader. Ein dreibändiges Buch, das übersetzt wurde. Sie verriet uns aber nicht wie das Buch heißt.

Die Grafik, die angeblich zur Schließung einer Zeitung führte

 klicken Sie auf die Grafik, 
um sie größer beobachten zu können

Diese Graphik war angeblich der Grund für die Schließung der Zeitung Shahrvand. Es passiert häufiger, dass Zeitungen wegen Grafiken und Karikaturen zugeschlossen werden. Am 5. September wurde eine weitere Zeitung wegen eines Titelblatts zugeschlossen (s. Julias Blog).

Die Grafik zeigt Menschen die gehen. Sie sind dieselben Menschen, die eins Ahmadinedjad an die Macht gebracht hatten. Vielleicht sind Pasdaran (Sepah/Bassij/IRGC) gemeint. Vielleicht aber auch seine Anhänger. Auf jedem Fall ist sie keine Grafik, die die Islamische Republik unter Ahmadinedjad duldet. Das glaubt jedenfalls die Bevölkerung.

Viel trauen sich die Zeitungen im Iran sowieso nicht. Also kann es nicht sehr viele Gründe für die Schließung geben. Es gibt trotzdem einen weiteren möglichen Grund: Die anstehende Parlamentswahlen! Die Regierung will vielleicht jedes Risiko vermeiden, sich zu gefährden. Vielleicht hatte sie einfach Angst, dass diese Zeitung in der Zukunft gefährlich wird, dass sie [indirekt] schreibt, dass man nicht wirklich wählen darf im Iran!

Zwei Zeitungen wurden zugeschlossen. Es gibt kaum noch, wenn Überhaupt, nicht-staatliche Zeitungen im Iran. Die Benachrichtigung wird trotzdem funktionieren. Auch falls es kein Internet mehr gibt, gibt es Satelliten. Zur Not gibt es auch Radios. Irgendwie kommt ein bisschen von der Wahrheit immer raus. 

Vergleichbare Artikel:
Der Kampf der Konservativen mit sich selbst!
Der Kampf der Konservativen mit sich selbst - Teil 2 
Der Kampf der Konservativen mit sich selbst - Teil 3

Sonntag, 4. September 2011

Zehntausende protestieren in Nordwestiran

[Julias Blog] Bei Angriffen von Sicherheitskräften gegen zehntausende Demonstranten ist es am Samstag zu Zusammenstößen gekommen. zum Artikel

Samstag, 3. September 2011

Berichterstattung zu den Unruhen im westen Irans

... finden Sie zunächst hier. Aus zeitlichen Gründen werden die Ereignisse nicht hier gebloggt. Auf Twitter schreibe ich hauptsächlich in Farsi und manchmal auch in Englisch. Ich bitte um Verständnis.

Freitag, 2. September 2011

Islamische Republik, scharf attackiert im iranischen Fernsehen!

Ein afghanischer Experte machte das unmögliche möglich: im iranischen Fernsehen die Außenpolitik Irans scharf attackieren!

Am Montag, während einer Live-Übertragung des iranischen Fernsehens, antwortete ein afghanischer Politologe auf die Frage, welche Rolle die Nachbarländer Afghanistans für Afghanistans Stabilität spielen, dass der Iran und Pakistan sich in Afghanistans Angelegenheiten einmischten. Er fügte hinzu, dass kein Nachbarland Afghanistans an der Wiederherstellung der Demokratie in Afghanistan interessiert sei. 

Der Moderator des iranischen Fernsehens, völlig überfordert, blieb überraschenderweise ruhig und höflich: "über Pakistan haben Sie natürlich Recht. Über den Iran bin ich aber nicht mit Ihnen einverstanden". Dann versuchte er das Thema zu ändern und fragte, welche Ziele denn Karsai bei seinem Saudi-Arabien-Besuch habe. 


Der Politologe aus Kabul blieb aber hartnäckig: "Ich respektiere Ihre Meinung über den Iran. Iran hat keine freundschaftliche Beziehung mit seinen Nachbarländern. Iran ist das einzige Land auf der Erde, das total isoliert ist und sich in einer tiefen Krise befindet ...." Der iranische Moderator unterbricht seine Rede, die Stimme des afghanischen Experten wird ausgeschaltet. 





Auf YouTube, aber auch in Google Reader und Facebook, bejubeln iranische Kommentatoren den afghanischen Experten. Es ist mir natürlich klar, dass Iran nicht das einzige isolierte Land auf der Erde ist, Nordkorea beispielsweise ist viel isolierter. Sensationell war das Ganze aber trotzdem.